Turandot und der Terror

James Bond muss sich warm anziehen: "Mission: Impossible - Rogue Nation" kommt am Mittwoch ins Kino und weiß unserem Feuilleton-Chef Dietmar Kanthak zu gefallen.

Sie sind durch dick und dünn gegangen, haben die Welt gerettet, ein internationales Terrorunternehmen namens "Syndikat" zerschlagen, haben sich vertraut und aneinander gezweifelt. Und es hat gewaltig geknistert zwischen Ethan Hunt (Tom Cruise) und Ilsa Faust (Rebecca Ferguson). Doch am Ende des Films "Mission: Impossible - Rogue Nation", der morgen ins Kino kommt, belohnt sich der Held anders als Kollege Bond nicht mit einer aufregenden Nach zu zweit. Statt dessen heißt es Abschied nehmen. Immerhin, Ilsa dreht sich um und sagt: "You know how to find me." Du weißt, wie du mich findest.

Die Besetzung der Ilsa mit der Schwedin Rebecca Ferguson, die aussieht wie eine junge Ingrid Bergman, veredelt den fünften Teil der "Mission: Impossible"-Reihe auf spektakuläre Weise. Die Darstellerin der rätselhaften Agentin profiliert sich neben Tom Cruise als ebenbürtige Hauptdarstellerin. Christopher McQuarries (Regie und Drehbuch) Film besitzt so mehr als atemberaubende Verfolgungsjagden, irrwitzige Kampf-Choreografien, virtuose Kamerafahrten (Robert Elswit), raffinierte Schnitte (Eddie Hamilton) und nervenaufwühlende Musik (Joe Kraemer). Der Blockbuster hat auch eine Seele.

[kein Linktext vorhanden]Ethan Hunt und Ilsa Faust sind Menschen in Extremsituationen. Er ohne Rückendeckung des Pentagon, das die Auflösung der "Impossible Mission Force" (IMF) durchsetzt. Alec Baldwin als CIA-Direktor betreibt das mit kaltlächelnder Intensität. Ilsa hat einen Pfad beschritten, der gleichsam voller Minen steckt. Sie hat sich dem britischen Ex-Agenten Solomon Lane (Sean Harris) ausgeliefert, der eine neue Weltordnung, einen Schurkenstaat ("rogue nation") herbeibomben will. Harris ist eine Bestie mit dem Habitus eines gefühllosen Bürokraten: ein brillanter Technokrat des Terrors. Das Drama um Verrat und Vergeltung beginnt in Minsk, weitere Schauplätze sind Washington und Wien, Casablanca, Paris und London. Die Wiener Staatsoper fungiert als Schauplatz eines Mordkomplotts, in dessen Zentrum der österreichische Bundeskanzler steht. Während Puccinis Oper "Turandot" (unsterblich durch die Arie des Kalifen "Nessun dorma!" / Keiner schlafe!) tickt die Schicksalsuhr immer lauter.

Einschlafen wird hier kein Zuschauer, die Spannungsdramaturgie ist so kunstvoll wie der Bildschnitt. Werden der edle Ritter Ethan Hunt und sein tapferer Knappe Benji (Simon Pegg) den perfiden Plan vereiteln? Ist Ilsa Faust in diesem Zusammenhang eine Hilfe oder eine Bedrohung? Der Wiener Opern-Thriller in "Rogue Nation" ist besser als James Bonds Einsatz auf der Bregenzer Seebühne in "Ein Quantum Trost" 2008; damals stand Puccinis "Tosca" auf dem Spielplan. Überhaupt, der im Herbst anlaufende neue Bond muss sich mit einem bärenstarken Konkurrenten messen lassen. Cruise und Co. haben glanzvoll vorgelegt. Trotz hochexplosiver Spezialeffekte bewahrt sich der Film eine gewisse Leichtigkeit. Fast jedem Action-Exzess haben Drehbuch und Regie eine Pointe eingeschrieben. Tom Cruise, das beweist er hier einmal mehr, kann Selbstironie. Die schärfste Humorwaffe im Ensemble hört auf den Namen Simon Pegg, der Brite liefert nuancierte, herrlich trockene komödiantische Miniaturen; er kann aber auch laut werden.

James Baldwin, Jeremy Renner als Agent William Brandt und Ving Rhames als Computerexperte komplettieren ein hochkarätiges Ensemble, dem es vergönnt ist, im Effektgewitter Haltung zu bewahren und den Figuren menschliche Züge zu geben. Natürlich braucht das Böse auch den Mann fürs grauenhaft Grobe. Der Schwede Jens Hultén ist Janik Vinter, ein Mann wie aus Stahl, skrupellos und praktisch unbesiegbar. Und so einer will sich an Ilsa Faust vergreifen. Wie sich zeigt: Keine gute Idee. Kinopolis, Woki (ab Do.)