Traumlandschaft für die Seele

Pilger des Rheins - Gemälde und illustrierte Rheinalben vom 17. bis 19. Jahrhundert im Ernst-Moritz-Arndt-Haus

Bonn. Das große Bilderbuch der Natur liegt gleichsam aufgeschlagen vor uns da", schrieb Johanna Schopenhauer nach einer Dampfschifffahrt auf dem Rhein von Mainz nach Köln im Jahr 1828.

Vom Rhein und seiner Landschaft geht seit jeher eine besondere Faszination aus. Vor allem das Mittelrheintal, das im Jahr 2002 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde, inspirierte verstärkt seit dem 18. Jahrhundert zahlreiche Künstler, Schriftsteller und Musiker, die das Rheinmotiv in Bildern, Literatur oder in Musik umsetzten. Berühmte Namen unter den Literaten sind Goethe, Byron, Brentano und Kleist, die den Rhein zum Thema ihrer Dichtung machten.

Als im 19. Jahrhundert der Tourismus zunahm und der Rhein als Reiseweg und -ziel an Bedeutung gewann, wurde auch die illustrierte Rheinbeschreibung immer wichtiger.

Der Leser sollte sich anhand von Text und Bild die zu bereisende Gegend genau vorstellen können. Das Rheinische Landesbibliothekszentrum Koblenz präsentiert jetzt im Ernst-Moritz-Arndt-Haus eine Auswahl der prominentesten Rheinbücher vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, das älteste darunter ist Matthäus Merian's "Topographia" aus dem Jahr 1646, darin Pläne, Skizzen und Panorama-Landschaften, etwa eine Ansicht von Mainz. Die Alben, darunter einige große Prachtausgaben, werden ergänzt durch umfangreiche Leihgaben der privaten Bonner "Sammlung RheinRomantik", die zum Teil erstmals öffentlich ausgestellt werden.

Der Bezug der Rheinlandschaften zu den Büchern liegt nicht nur im Motiv, oftmals dienten die Gemälde auch als Vorlagen der Illustrationen in den Rheinalben, deren Entstehung anhand von Skizzen und Vorzeichnungen nachvollzogen werden kann. Das Foliowerk mit Sepiaradierungen nach John Dennis, das 1820 erschien, zeigt 12 Ansichten vom Rhein zwischen Rüdesheim und dem Siebengebirge, die das Malerische der Aquarellvorlagen bewahren. Edward Bulwer-Lytton greift in seinem Reiseroman "The Pilgrims of the Rhine" Sagen und Gedichte des Rheins auf. Vier Zeichner lieferten die Vorentwürfe zu den märchenhaft anmutenden Bildern.

Der schottische Maler David Roberts steuerte Illustrationen in fantastischer Manier bei, die Rheinszenerie verwandelte er in eine Traumlandschaft. Das wohl originellste Rheinansichten-Buch brachte der Verleger Friedrich Carl Vogel 1833 heraus: Er ließ für das rechte und linke Rheinufer von Mainz bis Koblenz 44 Zeichnungen anfertigen, die dann in eine Lithographie mit einer Gesamtlänge von 20,64 Meter übertragen wurden, Rheininseln konnten durch ausklappbare Einsätze eingefügt werden.

Die ausgestellten Gemälde, deren Schwerpunkt in der Romantik liegt, lassen den Betrachter in die Vergangenheit reisen und zeigen dort Natur, wo heute Straßen und Ortschaften dominieren. Karl Bodmers "Blick auf die Godesburg und das Siebengebirge" von 1836 zeigt eine topografisch weitestgehend exakte Darstellung des Bergfrieds, Königswinter, den Drachenfels und die Kapelle auf dem Petersberg. Im Hintergrund erheben sich fast alpin wirkende Gipfel, die der Schweizer an seine Heimat anlehnte.

Nachdem die Literatur der Romantik die Figur der Loreley aufgegriffen hatte, wurde sie auch als Bildthema interessant. Christian Georg Schmitz d. J., der zahlreiche Reisen an den Rhein unternahm, zeichnete den monumentalen Felsen 1803/04 mit Feder und Tusche. Er beherrschte die Inszenierung der Landschaft, die er idyllisch überhöht abbildete, in "Assmannshausen" thematisiert er die Lieblichkeit des Rheintals, das von den Künstlern zunehmend als Gefühls- oder Seelenlandschaft interpretiert wurde.

Ernst-Moritz-Arndt-Haus, Adenauerallee 79; bis 8. März, Mi-Sa 13-17, So 11.30-17 Uhr, Montag, Dienstag und vom 22. bis 31. Dezember geschlossen. Katalog Irene Haberland "Zwischen Kunst und Kommerz. Illustrierte Rheinbücher vom 17. bis 19. Jahrhundert", 17 Euro.

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