Thees Uhlmann im Kölner Stadtgarten: So war das Konzert

Comeback mit einem Hauch Nostalgie : So war Thees Uhlmann im Kölner Stadtgarten

Sechs Jahre hat Thees Uhlmann musikalisch nichts von sich hören lassen. Der Abschluss seiner neuen Promotour im Kölner Stadtgarten war natürlich ausverkauft - und Bernd Schuknecht hat es sich angehört.

Mit dem letzten Konzert seiner „Junkies und Scientologen“-Promotour im erwartungsgemäß ausverkauften Kölner Stadtgarten beendete Thees Uhlmann seine sechs Jahre währende musikalische Abstinenz. Zwischenzeitlich hat er den Roman „Sophia, der Tod und ich“ veröffentlicht, am 10. Oktober erscheint sein Buch über die Freundschaft zu den Toten Hosen. Mit „Fünf Jahre nicht gesungen“ zum Konzertstart demonstriert er einen nahezu ungestümen Drang zurück auf die Rock'n'Roll-Bühne und trotz überwiegend intonierter Mid-Tempo-Rhythmik eine beeindruckende musikalischen Energie, die rund zwei Stunden zu keinem Moment abflacht.

Dabei relativiert er aus dem Blickwinkel eines 45-Jährigen das Lebenstempo und konstatiert eher nüchtern, dass das Leben kein Highway, sondern die B73, respektive für Kölner die B9, sei. Sein Temperament war umso bemerkenswerter, als dass ein Norovirus der Band übel mitgespielt hat, Uhlmann war zwar ansatzweise genesen, dagegen musste Bandmitglied Martin Kelly passen.

Der Ex-Tomte-Sänger freut sich unbändig, wie viele textsichere Fans, darunter auch Wolfgang Niedecken und Tote-Hosen-Bassist Andi Meurer, das Ende der musikalischen Durststrecke feiern. Mit seinem vor zwei Wochen veröffentlichten dritten Soloalbum „Junkies und Scientologen“, wobei sich die Frage stellt, welche Erfahrungen Uhlmann tatsächlich mit Scientologen hat, wirft der er einen Blick zurück, der zwar deutlich nostalgisch eingefärbt ist, aber nicht den Versuch macht, krampfhaft Pseudo-Gemeinsamkeiten als emotionalen Schulterschluss mit der Anhängerschaft zu evozieren.

Uhlmann: Nächstes Köln-Konzert im Palladium

Persönliche Erfahrungen hat Uhlmann sicherlich mit der Lektüre von Gruselromanen von Stephen King. Ernsthaft fordert er für den Horror-König den Nobelpreis für Literatur, wobei er leicht um die Ecke denkt. Es geht ihm in „Danke für die Angst“ vielmehr um einen zwischenmenschlichen Wert, nämlich den Freundschaft stiftenden Effekt gemeinsam erlebter und durchgestandener Angst.

Die Authentizität der Lieder strahlt selbst auf Fiktionales wie „Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach Hip-Hop-Videodrehs nach Hause fährt“, das individuelle Einsamkeit und die Notwendigkeit irgendwie zu überleben beleuchtet, aus. Auch bei „Avicii“, das den mysteriösen Tod des Star-DJs thematisiert, geht es um Empathie jenseits musikalischer Unterschiede. Ansonsten dominieren ältere Lieder wie „& Jay-Z singt uns ein Lied“, „Das Mädchen von Kasse 2“ und sein größter Hit „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ sowie Tomte-Cover das Live-Repertoire.

„Die Nacht war kurz (und ich stehe früh auf)“ beendet das von Jubel begleitete Konzert, das Appetit auf mehr gemacht hat. Das gibt es am 21. Dezember, denn dann steht Uhlmann mit seiner hoffentlich vollständig genesenen Band für ein weiteres Konzert auf der Palladium-Bühne.

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