Eröffnungskonzert 2018: Tenor Christoph Prégardien eröffnet die Beethovenwoche

Eröffnungskonzert 2018 : Tenor Christoph Prégardien eröffnet die Beethovenwoche

Der Tenor bestreitet mit dem Oberon Trio im Januar das Eröffnungskonzert der Beethovenwoche. Er singt einige von Beethovens Bearbeitungen schottischer, walisischer und irischer Volkslieder.

Im Januar 2016 sang Christoph Prégardien bei der Beethovenwoche des Beethoven-Hauses die „Winterreise“ von Franz Schubert. Dieser Liederabend wurde in seiner Intensität eine existenzielle Offenbarung für jeden, der dabei war und Ohren hat zu hören. Bei seinem nächsten Auftritt im Kammermusiksaal, wo der Sänger am Samstag, 20. Januar 2018, zusammen mit dem Oberon Trio die Beethovenwoche eröffnet, darf man diese ungeheuren Emotionen, die er mit Schuberts Melodien freisetzte, eher nicht erwarten. Denn das von der Bratscherin Tabea Zimmermann geleitete Kammermusikfestival konzentriert sich in der 2018er Ausgabe auf Volksliedbearbeitungen, die selbst in ihren traurigsten Momenten von der Seelenpein des Schubert'schen Wanderers nichts wissen.

Auch die Volksliedbearbeitungen von Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven, die Prégardien im Kammermusiksaal singen wird, sind keine bekenntnishafte Musik wie die Lieder der „Winterreise“. Das bedeutet für Prégardien, der als einer der bedeutendsten lyrischen Tenöre seiner Generation gilt, freilich nicht, ihnen weniger Gewicht beizumessen: „Für mich ist die Beethovenwoche eine besondere Gelegenheit, die Musik, die Beethoven und Haydn für diese ungewöhnliche Besetzung mit Klaviertrio und Gesang geschrieben haben, aufzuführen. Sie haben sich mit den Bearbeitungen der Vorlagen aus Wales, Schottland und Irland sehr viel Mühe gemacht, den besonderen Charakter der Texte und Melodien einzufangen. Es ist toll, was da für Musik entstanden ist, und es ist schade, dass man sie nicht häufiger zu hören bekommt.“

Der Auftrag für die Arrangements der Volkslieder kam direkt aus Schottland. Der Beamte und Musikfreund George Thomson (1757-1851) aus Edinburgh verfolgte bereits seit den 1790er Jahren das Ziel, eine große Sammlung mit Volksliedern aufzubauen, wobei es ihm nicht nur darum ging, Melodien zu archivieren, sondern Aufführungsmaterial für die Hausmusik bereitzustellen. Thomson wandte sich zu diesem Zweck zunächst an Joseph Haydn, Leopold Koželuh und Ignaz Pleyel, die auch brav lieferten. Als sie ihre Arbeit irgendwann einstellten, kontaktierte Thomson 1809 schließlich Beethoven. Der Meister zeigte sich interessiert.

Lieder haben volkstümlichen Charakter

Auch wegen des zu erwartenden Honorars. Bei den Verhandlungen mit dem Schotten vergaß Beethoven jedenfalls nicht zu erwähnen, dass „Herr Haydn ein britisches Pfund pro Melodie bekam“. Man wurde sich einig. Insgesamt 179 Arrangements sandte der Komponist bis 1820 über den Ärmelkanal. Doch Thomson war nicht in Gänze glücklich mit dem Ergebnis. Bei dem ein oder anderen Song hätte er gern die Begleitung ein bisschen einfacher gehabt.

Dass Beethoven dieses Ansinnen strikt ablehnte, ist für Prégardien freilich ein klares Indiz dafür, wie ernst der Komponist es mit seinen Arrangements, die er als vollgültige Werke betrachtete, nahm. „Ich kann ihn da sehr gut verstehen. Die Mühe, die er sich damit gemacht hat, wie kunstfertig und elaboriert seine Arbeit bei diesen Liedern ist, wird ein bisschen unterschätzt. Das erfordert von uns Musikern eine gesteigerte Hingabe an das Sujet.“

Ihren volkstümlichen Charakter hätten die Lieder dennoch nicht verloren, findet der in Köln lehrende Sänger. Nicht nur wegen der Melodien, sondern auch der Texte wegen. „Sie sind für uns, die wir zwar englisch sprechen können, aber keine Muttersprachler sind, oft sehr schwer zu verstehen, weil sie in Dialekt geschrieben sind.“ Das aber birgt auch eine besondere Schwierigkeit für den Interpreten der originalsprachigen Text.

Zusammenspiel übt besonderen Reiz aus

Denn die Liedtexte sollen bei der Aufführung ja nicht wie Oxford English klingen, sondern ihren Charakter bewahren. Prégardien: „Ich habe das Schottische ganz gut im Ohr, weil ich öfter in Schottland war. In Irland bin ich zwar noch nie gewesen, aber es gibt Aufnahmen von britischen Sängern, von denen ich lernen kann. Es geht da vor allem um die Vokalfärbungen, die anders sind als im Schulenglischen. Als Sänger hat man natürlich auch Erfahrung mit Händels Oratorien und der dort verwendeten zeitgenössischen Sprache.“

Das Zusammenspiel mit der Klaviertrio-Besetzung übt auf Prégardien ebenfalls einen besonderen Reiz aus. „Man hat ja als Sänger nicht so häufig Gelegenheit dazu“, sagt er. Vor allem die Bereitschaft zu feinster Detailarbeit, die er bei Kammermusikern vorfindet, stimmt ihn vorfreudig auf die Proben und die Aufführung ein. „Ich habe es als Liedsänger üblicherweise nur mit einem Pianisten zu tun. Da ist die Verständigung unkomplizierter. Bei diesen Musikern spürt man sehr gut, dass sie die Ohren in alle Richtungen offen haben. Sie reagieren sehr schnell.“

Das Eröffnungskonzert der Beethovenwoche am Samstag, 20. Januar, beginnt um 19.30 Uhr im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses, Neben Volksliedbearbeitungen von Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven stehen noch Klaviertrios von Haydn, Aaron Copland und Charles Ives auf dem Programm. Karten bei Bonnticket.

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