Sketchrevue "Skalpell der Leidenschaft": Spritzige Theatercomedy im Bonner Haus der Springmaus

Sketchrevue "Skalpell der Leidenschaft" : Spritzige Theatercomedy im Bonner Haus der Springmaus

Die Premiere der Sketchrevue „Skalpell der Leidenschaft“ im Haus der Springmaus in der Endenicher Frongasse ist im besten Sinne ansteckend. Ein höchst vergnügliches Sketch-Powerplay.

Andreas Etienne steht vor dem roten Theatervorhang im Haus der Springmaus und spricht große Worte gelassen aus. „Wahnsinn, wie in unserem Körper alles ineinandergreift – man merkt das ja gar nicht. Und wenn man's merkt, muss man zum Arzt.“ Mit seinen Bühnenpartnern Michael „Mike“ Müller, Christoph Scheeben und Cosima Seitz spielt der Springmaus-Theaterchef, Kabarettist und Vollblutkomödiant Etienne hernach die Premiere von „Skalpell der Leidenschaft“, der neuen Theatercomedy-Produktion an der Endenicher Frongasse.

Am Heftroman-Drehständer in der Bahnhofsbuchhandlung teilen sich die Revolverhelden aus dem Wilden Westen, die Geisterjäger aus den Schattenreichen und die Halbgötter in Weiß aus den Krankenhäusern die Spitzenplätze untereinander auf. Der Arztroman, ob mit Bergpanorama verquickt oder nicht, ist seit jeher eine feste Säule im Genre des Groschenromans, für den allerdings pro Exemplar inzwischen knapp zwei Euro hingeklimpert werden müssen.

Mit diesem Hintergrund spielt selbstverständlich der Titel jener spritzigen Theatercomedy, die der versierte Hans Holzbecher, fester Regisseur am Düsseldorfer Kom(m)mödchen, schwungvoll mit viel Wortwitz, Situationskomik und mit Saft und Kraft inszeniert hat.

Gleich die erste Nummer geht in die Vollen, das Quartett legt einen Kickstart hin – und zwar im Kiosk mit dem eindeutig zweideutigen Namen „Susi's Heiße Kiste“, natürlich nur echt mit falschem Apostroph. Aufhänger ist die reale Landflucht der Ärzte in Deutschland, und so muss die wunderbare Cosima Seitz als Kioskchefin Susi, eine ebenso offenherzige wie zupackende Frau, ihre Zusatzqualifikationen erheblich erweitern.

Portion Chili mit fatalen Folgen

Stammgast Jupp ist mit der Morgenzeitung und einem Bierchen vollkommen zufriedengestellt, aber Susis Dienstleistungsportfolio reicht von Paketdienst, Wäscherei über Beichtstuhl und Geburtshilfe bis hin zu einer allgemeinmedizinischen Minipraxis. Das Ganze gipfelt in einem erotischen Service: Als sie einem aufgeladenen Kunden fernmündlich Erleichterung verschaffen will, überschneiden sich die unterschiedlichen Dienstleistungen, wobei eine Portion Chili fatale Folgen hat. Jupp bringt es trocken auf den Punkt: „Susi, du arbeitest zu viel.“

Weitere Höhepunkte: Etienne und Müller im angeberischen verbalen Wettrüsten, wer die größten Unfälle und Operationen hinter sich hat, und drei Herren der Schöpfung in Angst vor einer urologischen Untersuchung. Ferner ein fantastischer Monolog von Andreas Etienne alias Morbus aus Hypochondrien, mit vielen Wortspielen und im Gewand einer antiken Tragödie.

Große Trümpfe sind der in XXL-Version gespielte, titelgebende Arztroman, die Raumschiff-Mission tief hinein ins Arztwitze-Zentrum in Scheebens Gehirn und der Mega-Hitmix mit textlich abgewandelten Schlager- und Popklassikern. Ein höchst vergnügliches Sketch-Powerplay. Ansteckend!

Weitere Termine:23./24. März, 24./25. April, 1./2. Juni (jeweils 20 Uhr) im Haus der Springmaus.Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.