Rhöndorfer Sammlerin: Spannende Begegnung

Rhöndorfer Sammlerin : Spannende Begegnung

Andra Lauffs-Wegner zeigt Thomas Schütte und Andreas Schmitten.

Eine rote Wand empfing 2012 den Besucher des Kunstmuseums Bonn am Ende der wunderbaren Treppe. Beim genaueren Hinsehen erkannte man weiße Einbauten, die sich wahlweise als edle bildhauerische Akzente oder auch ganz banal als Urinale deuten ließen.

Pissoir oder eine Enfilade aus Plastiken? Der Künstler Andreas Schmitten ließ beides gelten. "Requisite Weiß und Rot. Das Treppenhaus im Museum" nannte er das Werk, das im Rahmen des längst eingestellten Kunstpreises "Start" von Helmut Andreas und Arndt Hartwig präsentiert wurde.

Dass Schmitten als dritte Deutungsmöglichkeit seiner Installation eine Toilettenszene aus Stanley Kubricks Horrorklassiker "Shining" zuließ, gab der "Requisite" einen zusätzlichen Thrill. Zumindest aber machte die Arbeit neugierig auf das Werk des 1980 in Mönchengladbach geborenen Künstlers - und machte Lust auf mehr.

Diesen Wunsch löst nun die Sammlerin Andra Lauffs-Wegner in ihrem Rhöndorfer Ausstellungshaus KAT_A ein: Sie präsentiert Arbeiten von Schmitten in einer Tandemschau mit einzelnen Werken des von ihm verehrten Thomas Schütte.

Da treffen zwei Künstler aufeinander, deren Kunst denkbar gegensätzlich ist, die sich aber in ihrem kruden, bisweilen schwarzen Humor, ihrer Leidenschaft fürs Groteske sowie einem Faible für edle, perfekte Oberflächen als Geistesverwandte erweisen.

Schütte (64) ist mit Aquarellen zu seiner Installation "Die Fremden" zur Documenta 9 (1992), der skurrilen Porträtgalerie "Alte Freunde" und der monumentalen glasierten Keramikarbeit "Janus Kopf" (1993) vertreten. Letztere dominiert mit ihrer physischen Präsenz, faszinierenden Mehransichtigkeit und tiefblauen, glänzenden Oberfläche einen Raum im Haus Hedwig, steht in einer Blickachse mit Schmittens "Verzückung".

Das ist eine Reihe von vier kostbaren, glänzenden, aseptischen weißen Urinalen vor einem edlen Stoff-Fond. Eine geradezu sakrale Inszenierung - Wunder inbegriffen. Das manifestiert sich durch eine Art Blüte, die wie ein Ornament aus einem der Urinale emporwächst. Mit einem gängigen Pissoir als eher buchstäblich anrüchigem Ort haben diese Behältnisse nur noch formal etwas zu tun.

Das Thema wird in der Ausstellung mehrfach wiederholt. Auch das Spiel mit dem Ornamentalen führt Schmitten mit betörenden Objekten fort: Einmal im Park, wo die sechs Meter hohe, wie ein aufgerolltes Band anmutende, weiße "Wartende" vis-à-vis der Villa Haus im Turm steht, dann in der Kapelle des Hauses Hedwig, in deren Mitte die 4,5 Meter lange weiße "Gestrandete" wie hingegossen mit erhobenen "Extremitäten" liegt. Ein Zwitter aus Ornament und weiblicher Gestalt, vielleicht auch ein Fabelwesen? Schmitten regt die Fantasie an.

Die "Gestrandete" kommuniziert mit ganz neuen, bizarren Zeichnungen aus der wunderbar kolorierten, comicartigen Serie "Nothing New", die gerade bei Koe- nig Books veröffentlicht wurde. Dass in dem Zyklus auch der Rhöndorfer Skulpturenpark verewigt ist, kann man als Schmittens Hommage an diesen tollen Ort und das Engagement der Sammlerin Lauffs-Wegner werten.

KAT_A, Drachenfelsstraße 4-7, Bad Honnef-Rhöndorf. Besuch nur im Rahmen von Führungen. Anmeldung: info@kat-a.de

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