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Staatsballett Saarbrücken zu Gast in Bonn: So war der „Prometheus“-Abend in der Oper

Staatsballett Saarbrücken zu Gast in Bonn : So war der „Prometheus“-Abend in der Oper

Stijn Celis huldigt Ludwig van Beethoven zum 250. Geburtstag mit einer neuen Choreografie zum einzigen großen Ballett des Komponisten.

Die Ausbeute fällt nicht besonders üppig aus, wenn man in Beethovens Œuvre nach Werken für die Bühne sucht. Klar, den „Fidelio“ gibt’s als einzige Oper, dann noch ein paar Schauspielmusiken und das Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“. Im Gegensatz zum „Fidelio“ spielt das Ballett im heutigen Theaterleben jedoch praktisch keine Rolle mehr. Im Beethovenjahr ändert sich das nun glücklicherweise. Als Kooperation mit dem Theater Bonn zum 250. Geburtstag des Komponisten stellte das Saarländische Staatsballett in einem zweitägigen Gastspiel die Choreografie „Prometheus“ seines Chefs Stijn Celis in der Beethovenstadt vor.

Man darf sich das Werk nicht als konkretes Handlungsballett vorstellen wie etwa diejenigen Peter Tschaikowskys. Ein detailliertes Libretto hatte der Tänzer und Choreograf Salvatore Viganó seinem künstlerischen Partner Beethoven möglicherweise gar nicht vorgelegt. Überliefert sind jedenfalls weder ein Exemplar noch ein Hinweis darauf. Insofern muss ein heutiger Choreograf seine eigene Prometheus-Geschichte zur Musik Beethovens erzählen.

Stijn Celis nähert sich in seiner vielschichtigen Choreografie dem Beethoven’schen Kosmos, indem er weniger Prometheus selbst als dessen Geschöpfe ins Licht rückt. Es gibt nicht den einen Protagonisten unter den Tänzern, der den mythischen Helden darstellt, wie er den Menschen aus Ton schuf,  ihn mit besonderen Fähigkeiten ausstattete und für seine Geschöpfe von den Göttern das Feuer stahl und dafür zur Strafe an einen Felsen im Kaukasus gekettet wurde, wo ihm täglich ein Adler ein Stück seiner Leber aus dem Leib riss.

Manches aus dem Mythos kommt zwar vor, wenn zum Beispiel ein Felsen auf die Bühne geschoben wird. Doch auf ihm liegt nicht der festgekettete Prometheus; das Opfer ist vielmehr eine Frau, deren Nacktheit sich in hautfarbenem Trikot äußert, das in Variationen die Grundausstattung aller Tänzer des Stücks darstellt. Celis geht in seiner Choreografie sehr assoziativ vor, viele Bilder wirken zitathaft, eine Maskenszene erinnert an die griechische Mythologie, eine Tänzerin tritt in stilisiertem Tutu und in Spitzenschuhen auf, während die anderen alle barfuß tanzen, zwei weitere tragen auf dem Trikot lediglich eine riesige knallrote Halskrause und wirken so befremdlich wie Alien-Larven. Wieder eine andere schwebt in verführerischem Rot venusgleich am Bühnenhimmel.

Auch Napoleon ist dabei

Auch Napoleon, den Beethoven als modernen Prometheus sah, tritt auf, wenn auch nicht sehr schmeichelhaft: Nur Stiefel und der typische Hut bedecken das hautfarbene Trikot des Tänzers, der steifen Schrittes die Bühne abschreitet. die Choreografie ist aber auch eine Ode an die Freiheit, wenn etwa die Fesseln des weiblichen Prometheus endlich gelöst werden oder ein schweres, dunkles Tor von den Tänzern aufgestoßen wird.

Celis lässt seinen Ideen genügend Raum, um das Können seiner Tänzerinnen und Tänzer ausgiebig zu zeigen. Sie begeistern in den großen, präzise und kraftvoll getanzten  Ensembleszenen ebenso wie in den Solos  und Duos, die sich nur auf die klassische Paarung von Frau und Mann beschränken, sondern auch kraftraubende Szenen mit zwei männlichen Tänzern  enthalten.

Dazu erklingt nicht nur die Musik Beethovens (die in Bonn vom Band kommt): Wenn sie immer mal wieder zum Stillstand kommt, werden diese Pausen durch stehende elektronische Klänge des Komponisten Bianchi Hoesch aufgefüllt. Am Ende lässt die Choreografie Beethoven komplett hinter sich zurück und Bianchis Musik beginnt zu pulsieren, zu leben. In der Schlussszene betritt dann Prometheus aus dem Hintergrund im Strahlenkranz leibhaftig als Lichtbringer und Fackelträger die Bühne. Ein berührender Moment.

Das Publikum beklatschte die Produktion im Anschluss mit großer Begeisterung.