Beethovenfest in Bonn: So war der Auftritt des Bundesjugendorchester

Beethovenfest in Bonn : So war der Auftritt des Bundesjugendorchester

Hier trifft Beethoven auf Südafrika: Das Bundesjugendorchester und zwei besondere A-cappella-Gruppen begeistern beim Campuskonzert der Deutschen Welle.

Auftritt Bundesjugendorchester beim Beethovenfest: Da zieht eine ganze Hundertschaft junger Musikerinnen und Musiker in den großen Saal des WCCB, macht sich bereit und wartet auf das Zeichen von Dirigent Brandon Phillips, der auch bald den Einsatz gibt zu William Waltons „Johannesburg Festival Ouverture“, die sich als rhythmisch frech und mitreißend erweist und nicht nur der heftigen Schlagzeugeinwürfe wegen exotischen Duft verbreitet. Nach acht Minuten ist der Spaß vorbei, und das Orchester verlässt den Saal irritierenderweise wieder.

Man tauscht den Platz mit den sechs Sängerinnen der Vokalgruppe Sjaella aus Leipzig, die klangschön und a cappella Ola Gjeilos Hohelied-Hymne „Pulchra es, amica mea“ anstimmen. Mehr Kontrast geht nicht.

Doch der zunächst beziehungslos nebeneinander gestellte scharfe Gegensatz zwischen Groß- und Kleinensemble, zwischen südländischem Temperament und nördlichen Sphärenklängen sollte sich in diesem ungewöhnlichen Konzert des Beethovenfests immer mehr auflösen. Der Campus der Deutschen Welle, der in regelmäßiger Zusammenarbeit mit dem Bundesjugendorchester die Musik der Welt in die Beethovenstadt holt, war in diesem Jahr Südafrika gewidmet. Und man nahm das Publikum mit auf eine Reise, die Menschen, Länder, Kontinente verbinden sollte. Nach Sjaella erstürmte das südafrikanische Männervokalsextett Just 6 die Herzen des Publikums, das der gestenreichen Aufforderung des schwarzen Ensembles, aufzustehen und mitzuklatschen, sofort Folge leistete. Und nicht nur das: Sogar eine kleine choreografische Einlage war drin („Position one! Position two!“). Große Freude im Saal! Erst dann klärte ein Mitglied von Sjaella auf, dass sie vor einem Monat nach Südafrika geflogen seien, „um Gäste dieser fantastischen, charmanten jungen Herren zu sein, mit denen wir kreativ werden durften“. Tatsächlich setzte man das Programm gemeinsam fort, mit zwei Hochzeitsmusiken, „mit denen wir unsere zwei Kulturen verheiraten werden“. Erstaunlich, wie die Stile hier ineinander verschmolzen, Norden, Süden, traditionelle Harmonien, afrikanische Rhythmen und Obertongesang.

Songs für Miriam Makeba

Das Bundesjugendorchester war freilich nicht nur für die Ouvertüre verpflichtet worden, sondern betrat die Bühne nach dem vokalen Intermezzo erneut, um „Three African Songs for Miriam Makeba“ für Mezzosopran und Orchester aus dem Jahr 2005 aufzuführen. Die jungen Musikerinnen und Musiker fanden sich in die exotischen Klänge, Melodien und Rhythmen unter Phillips' Leitung wunderbar zurecht, zeigten virtuoses Können von Streichern, Holz- und Blechbläsern und dem reich besetzten Schlagwerk ebenso wie musikalisches Einfühlungsvermögen, zum Beispiel in dem schleppenden Rhythmus des zweiten Liedes „Mahbongo“. Gesungen wurden die Lieder von der schwarzen südafrikanischen Mezzosopranistin Abongile Fumba, deren ausdrucksvolles Timbre die Tiefe dieser Musik wunderbar ausleuchtete.

In den darauffolgenden zwei Clärchen-Liedern aus Beethovens Musik zu Goethes „Egmont“, sang die 23-jährige Sopranistin Nicola Heinecker mit jugendlichem Charme, während das Orchester in „Die Trommel gerühret“ kräftige Streicherakzente setzte und den militärischen Charakter markant umsetzte. In „Freudvoll und leidvoll“ kam im Zusammenspiel von Orchester und Sängerin vor allem die freudvolle Seite von Clärchens Gemütsverfassung zum Tragen.

Auftragswerk der Deutschen Welle

Enorme Wirkung machte nach der Pause Michael Mosoeu Moeranes „Fatse la heso“, das mit orchestralem Breitwandformat überwältigte. Dem folgte ein weiteres sehr unterhaltsamen A-cappella-Zwischenspiel der beiden wunderbar harmonierenden Vokalensembles – unter anderem mit einem heftig arrangierten irischen Folksong und einer originellen Variante des Popklassikers „The Lion Sleeps Tonight“: Hier imitierten sie die Geräusche des Dschungels, ließen das exotische Vogelgezwitscher in „Alle Vögel sind schon da“ münden, um schließlich das traurige Ende eines Kuckucks, der auf einem Baum saß, zu besingen. Große Begeisterung auch hier.

Dennoch hatte das Publikum noch ein offenes Ohr für das diesjährige Auftragswerk der Deutschen Welle. Das stammte aus der Feder des 28-jährigen Komponisten Tshepo Tsotetsi, der bereits mit seinem Sopransaxofon in den Reihen des Bundesjugendorchesters Platz genommen hatte. Das Bundesjugendorchester hatte in dem durchaus politisch gemeinten Titel „Birth of Change“ nutzte die Gelegenheit, seine Qualitäten voll auszuspielen. Über weite Strecken wirkte die dreiteilige Komposition wie Filmmusik oder wie aus einem Musical, arbeitete mit instrumentalen Effekten vom melancholischen Klaviersolo bis zu knalligen Trommelakzenten oder dem schnellen Pizzicato zu Beginn des letzten Satzes „My Bread Is So Delicious“, das auch die beiden A-cappella-Ensembles zum Einsatz kommen ließ. Danach gab es viel begeisterten Applaus und eine zum Festivalmotto passende A-cappella-Zugabe: „Der Mond ist aufgegangen“.

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