Lanxess-Arena: So war das Konzert von Enrique Iglesias in Köln

Lanxess-Arena : So war das Konzert von Enrique Iglesias in Köln

Enrique Iglesias war zu Gast in der Lanxess-Arena in Köln und bot 11.500 Fans eine Show auf hohem Niveau. Dabei machte er auch klar, dass er nicht nur die Rolle des "Womanizers" einnehmen kann.

„Are you with me?“ (Seid ihr bei mir?) fragt er um 22.25 Uhr. Der Jubel, der Enrique Iglesias daraufhin entgegenschallt, lässt nicht den geringsten Zweifel daran: die 11.500 Fans in der Lanxess-Arena sind Donnerstagabend ganz und gar bei dem 44-Jährigen. In rund 100 Minuten präsentiert der Sänger einen Mix aus Dance-Pop-Krachern und spanischsprachigen Stücken, die den Sommer ein Stück näher bringen. Stücke wie „Bailamos“, „El Baño“, „Súbeme la radio“ oder „Bailando“ sind mitreißend rhythmisch und lassen Iglesias viel authentischer wirken. Zumal das gelispelte „s“ des Madrilenen seine „erotisse“ Wirkung nicht verfehlt.

Liebesballaden hat der ganz in Schwarz gekleidete Baseball-Cap-Träger auch im Gepäck. Stücke wie „Takin’ Back My Love“, 2008 in Deutschland ein Mega-Hit im Duett mit Sarah Connor. Bei der zweiten Zugabe „Hero“ wird diesmal kein Mädel geherzt und geküsst. Stattdessen darf sich ein Gummersbacher, dem Iglesias den Arm um die Schulter legt und das Mikro überlässt, minutenlang so fühlen, als sei er der allerallerbeste Kumpel des Stars. Wer glaubt, Iglesias junior beschränke sich, so wie dereinst Vater Julio, nur auf seine Rolle als Womanizer, irrt gewaltig: im Publikum sind durchaus Männer. Und das nicht zu knapp. Auch altersmäßig ist die Bandbreite groß. Frauen, die schon vor 20 Jahren Fans waren, finden sich im Publikum neben solchen, die ihre Töchter sein könnten.

Das Format der „All the Hits Live, I think that is it!“-Show bewegt sich mit Zweitbühne am anderen Ende der Arena, mit Catwalk, Laserlicht-Gewitter, Feuer- und Dampf-Fontänen, goldenem Konfetti und all den anderen Gimmicks auf gängigem globalem Niveau. Im Gegensatz dazu erweist sich Iglesias über weite Strecken hinweg als Meister der Minimalgesten. Er breitet die Arme aus, reißt sie hoch, macht mit ihnen Windmühlenbewegungen oder animiert die Fans zum Mitklatschen. Die weit ausgreifenden Schritte, mit denen er sich über die Bühne und den Catwalk bewegt, könnten die eines Waldläufers sein. Markig haut er mit der Faust auf dem Boden. Aber kurz vor Schluss fällt er dann doch auf die Knie, neigt den Kopf bis auf den Boden zum Kotau vor dem Publikum, richtet sich wieder auf, erhebt die gefalteten Hände und wiederholt das Ganze mehrmals.

Das passt dann zu dem, was er vorher gesagt hat: „Wenn man mich, an diesem Punkt in meinem Leben, fragen würde, wo ich am liebsten wäre, dann gibt es nur zwei Orte: Zuhause, bei meinen Babys (Iglesias ist seit 2017 Vater von Zwillingen) und genau hier, bei euch. Danke, dass ihr mehr als 20 Jahre an mir festgehalten habt.“

Wer hinterher in der Stadt jemanden sieht, der einen riesigen weißen Luftballon vor sich herträgt, auf den „ei!“ gedruckt ist weiß: der oder diejenige war beim Konzert von Enrique Iglesias. Zur letzten Dance-Pop-Zugabe „I Like it“ regnen die luftgefüllten Knuddelkugeln dutzendfach von der Arena-Decke. Und werden zu begehrten Trophäen für Daheim.

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