Auftritt im Gloria: So war das Konzert von AnnenMayKantereit in Köln

Auftritt im Gloria : So war das Konzert von AnnenMayKantereit in Köln

Sie sind die nette junge Band von nebenan: AnnenMayKantereit haben das erste Mal seit zwei Jahren in ihrer Heimatstadt gespielt. Eine Überraschung gab es zum Schluss.

Es ist erstaunlich. Die Texte der Kölner Band AnnenMayKantereit (AMK) drehen sich hauptsächlich um Trennungsschmerz und Melancholie - und trotzdem versprühten sie bei ihrem Auftritt im Gloria Theater vor allem eins: Lebensfreude. Zwei Jahre ist es her, dass Henning May (Gesang), Christopher Annen (Gitarre), Severin Kantereit (Schlagzeug) und Malte Huck (Bass) das letzte Mal in ihrer Heimatstadt aufgetreten waren. Und das Publikum hatte sie sichtlich vermisst: Die Fans stapelten sich fast im restlos ausverkauften Saal, konnten die Texte mitsingen und feierten jedes Lied mit stürmischem Applaus.

May fing zunächst solo an. Auf der Ukulele spielte er die ersten Akkorde von "Marie", bevor der Rest der Band nach und nach einstieg. Dabei schaffte er das Kunststück, live genauso zu klingen wie auf der Platte, mit tiefer Reibeisenstimme, die eher zu einem 60-jährigen Kettenraucher als zum schmalen, gelockten Mittzwanziger passen will.

Unterstützung von altem Schulkamerad

Unterstützung erhielten die vier von einem alten Schulkamerad: Der schüchterne Ferdinand Schwarz wertete Nummern wie "Alle Fragen" und "Sieben Jahre" mit seinem Trompetenspiel auf. AMK spielten fast alle Lieder ihres neuen Albums. Selbst "Schon krass", in dem es um Cannabisabhängigkeit geht, ließen sie nicht aus. "Mit Abstand das für mich schwierigste Lied", sagte May. "Eigentlich möchte ich nicht mehr dazu sagen."

Doch auch die Hits des Vorgängers fehlten bei der 15. Show in 18 Tagen nicht. Die Zeile "Zuhause bist immer noch du" aus "Oft gefragt" grölte das Gloria einstimmig mit. Mit "Pocahontas" sei etwas Seltsames passiert, erzählte May schmunzelnd. "Das ist ein Hit auf Mallorca geworden. Jetzt kann ich nicht mal in Ruhe auf Malle saufen." Auch dass Gitarrist Annen sich zwischendurch die Nase putzen musste und dadurch den Einsatz bei "Wohin du gehst" verpasste, machte die Band nur liebenswürdiger. Bei seinem Mundharmonika-Part gab er sich beim zweiten Versuch dann umso mehr Mühe.

Simpel gehaltene Bühne

Zwischen dem Herzschmerz feuerten tanzbare Nummern wie "Länger bleiben", "Freitagabend" und "21, 22, 23" die Stimmung an. Die erste Zugabe performte die Band am Mischpult gegenüber der Bühne, mitten unter ihren Fans. In die absolute Stille sang May nur von der Akustikgitarre begleitet einen neuen Song. "Ich will ein Meer zwischen mir und meiner Vergangenheit", hieß es im Refrain. Das kam so gut an, dass ein Fan der Band auf dem Weg zurück zur Bühne "ihr seid so verdammt noch mal geil" entgegen brüllte. Dort angekommen spielte May allein am Keyboard das vielleicht bekannteste Lied der Band "Barfuß am Klavier".

Die Bühne war, wie es sich für eine Clubtour gehört, simpel gehalten. Vier große Scheinwerfer im Rücken der Band und viele kleine setzten meist mit gelbem oder blauem Licht dezent die Akteure in Szene. Die Ausnahme bildete die letzte Zugabe "Ich geh heut nicht mehr tanzen", bei der May mit einem roten Spotlight ausgeleuchtet wurde. Und trotz des Titels tanzte am Ende jeder.

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