Virtuose Ausflüge: So war das Finalwochenende des Beethovenfestes in Bonn

Virtuose Ausflüge : So war das Finalwochenende des Beethovenfestes in Bonn

Am großen Finalwochenende des Beethovenfestes trat Starpianisten Fazil Say auf. Außerdem gab es einen Blick auf seltene Opernproduktionen von Joseph Haydns, dem Konzert der Schülermanager des Festivals.

Wenn es leidenschaftlich und dramatisch zugeht in Beethovens Musik, wenn sie aufwühlt, mit immenser Energie nach vorne drängt, handelt es sich meist um ein Opus in der Tonart c-Moll. Das ist nicht nur in der fünften Sinfonie, sondern auch im dritten Klavierkonzert der Fall, das beim Beethovenfest-Gastspiel der Camerata Salzburg im WCCB am Samstag den Schwerpunkt bildete. Ein im ersten Satz dunkel getöntes Werk, aber kein Nachtstück. Dass dieser wunderbare Abend dennoch bestens zu Nike Wagners Motto "Mondschein" passte, lag an den beiden Trabanten des Beethoven'schen Hauptwerks, nämlich Wolfgang Amadeus Mozarts Serenata notturna (D-Dur, KV 239) und Arnold Schönbergs "Verklärte Nacht", die Beethovens schicksalhaftes Werk mit sanftem Licht umglänzten.

Was die Interpretation von Mozarts und Beethovens Musik an diesem Abend verband, war die Lust an der Improvisation. Nicht nur, weil der Solist Fazil Say im ersten Satz des c-Moll-Konzertes mit einer großartigen eigenen Kadenz aufwartete, sondern auch die fünf Solisten der Serenata immer mal wieder den schriftlich fixierten Notentext für kleine virtuose Ausflüge verließen. Im dritten Satz seines Jugendwerks, das nach dem Vorbild des italienischen Concerto grosso dem Tutti eine Gruppe von Solisten gegenüberstellt, lässt Mozart die einzelnen Formteile gern in einer Fermate münden, eine Generalpause, die von den Solisten dann mit freien Improvisationen gefüllt wurde. Man kam so nicht nur in den Genuss, dem Konzertmeister Gregory Ahss zuhören zu können, sondern selbst der Kontrabassistin Burgi Pichler und der ins Zentrum des Ensembles platzierten Paukistin Rizumu Sugishita, deren Solo ein ziemlicher Knalleffekt war. Darüber hinaus aber begeisterte das gesamte Ensemble in diesem Werk durch ein Musizieren, das souveränes technisches Können mit einer ansteckenden Spielfreude und musikalischem Esprit verband, was im Publikum an entsprechenden Stellen mit einem Schmunzeln oder gar leisem Lachen quittiert wurde.

Der in Ankara geborene Pianist Fazil Say ist eine ziemlich singuläre Erscheinung auf dem Klassikmarkt, ein bisschen exzentrisch vielleicht, aber musikalisch auf jeden Fall ein Ereignis. Solist und Orchester spielten hier aus einem Geist, was in den dialogischen Sequenzen ganz wunderbar zum Ausdruck kam. Dass sich die Musiker dabei ohne die übergeordnete Instanz eines Dirigenten einigten, ihnen minimale Zeichen von Konzertmeister und Solist reichten, sprach hier Bände. In der Kadenz am Ende des ersten Satzes zeigte sich auch die Durchdringung der Musik Beethovens durch den auch komponierenden Musiker Fazil Say, der diesen eigenen Einschub einerseits nah am Werk und seinen Motiven gestaltete, sich jedoch andererseits auch einen persönlich gefärbten Ton hineinbrachte, sei es, indem er nach einigen freien Takten den Satz kontrapunktisch verdichtete oder gegen Ende dem Hauptthema mit einem spieluhrähnlichen Diskantklang das Pathos nahm. Im hellen langsamen Satz gefiel sein wunderbar artikulierter Anschlag und im Finale der mitreißend tänzerische Zugriff. Die Begeisterung im vollen Saal war groß, und Fazil Say bedankte sich mit einem eigenen, stimmungsvollen Werk: "Schwarze Erde".

Mit Arnold Schönbergs spätromantischer, ursprünglich für ein Streichsextett komponierter Tondichtung "Verklärte Nacht" nach einem Gedicht von Richard Dehmel endete der Abend in schwüler nächtlicher Stimmung. Die Streicher spielten die vom Komponisten selbst für Streichorchester erweiterte Fassung mit Ausdruck, Klangsinn und Hingabe. Auch hiernach war die Begeisterung im Saal groß.

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