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Premiere in Bad Godesberg: So war "Abraham - ein Leben für die Operette"

Premiere in Bad Godesberg : So war "Abraham - ein Leben für die Operette"

Der neue Chef des Kleinen Theaters Bad Godesberg, Frank Oppermann, beeindruckt mit einem Stück über den Berliner Operettenkönig Paul Abraham.

Operettenhaft war das Leben des ungarisch-deutschen Komponisten nur kurze Zeit. Zu Beginn der 1930er Jahre eroberte Paul Abraham (1892-1960) mit den Operetten „Viktoria und ihr Husar“, „Blume von Hawaii“ und „Ball im Savoy“ die Berliner Bühnen im Sturm, galt als musikalischer Erneuerer der leicht angestaubten Gattung und avancierte schnell zum europaweit erfolgreichsten Bühnenkomponisten.

Der Absturz folgte jäh mit der Machtergreifung der Nazis. Denn der „Berliner Operettenkönig“ war Jude. Seine Werke wurden verboten, Abraham floh nach Budapest, dann nach Paris und schließlich über Kuba in die USA. Der einst so populäre Künstler geriet in Vergessenheit, etliche Noten gingen auf dem Weg ins Exil verloren oder wurden sogar von Kollegen als deren eigene ausgegeben.

Seit einigen Jahren gibt es auf deutschen Bühnen eine Abraham-Renaissance mit neuen Interpretationen auch seiner verschollenen Stücke. 2015 wurde in Hamburg das Theaterstück „Abraham“ von Dirk Heidicke uraufgeführt, das jetzt im Kleinen Theater Bad Godesberg zu erleben ist. Es ist keine linear nacherzählte Biografie, sondern ein kluges Spiel mit den Erinnerungsfragmenten eines Geisteskranken. Abraham, in seinen besten Jahren kein Freund von Traurigkeit und ehelicher Treue eher abgeneigt, erkrankte an Syphilis und entsprechenden Schüben von zerebraler Verwirrung. Legendär ist die Szene aus dem Jahr 1946, als er in New York den Autoverkehr wie sein geliebtes Orchester zu dirigieren versuchte. Nach langen Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken zog er 1956 nach Hamburg, bis zu seinem Tod gepflegt von seiner Gattin Charlotte (ungarisch: Sarolta).

Orte seines turbulenten Lebens

Wir befinden uns also in Hamburg, auch wenn Abraham sich in diverse Orte seines turbulenten Lebens zurückträumt und immer noch an einen kreativen Neubeginn glaubt. In der Inszenierung von Stefan Krause (gemeinsam mit Helmut Rübsamen auch verantwortlich für das Bühnenbild) öffnet und schließt sich regelmäßig ein transparenter weißer Gazevorhang. Wie ein sanfter Schleier des Vergessens, hinter dem sich die lichten Momente auftun. Raffiniert beleuchtete Art-Deco-Geometrie bestimmt die Szenerie.

Eine Tragödie ist „Abraham – ein Leben für die Operette“ trotz aller ernsten Hintergründe nicht. Dafür sorgt in der Titelrolle der neue Intendant Frank Oppermann, ausgebildeter Musicaldarsteller und bekennender Operettenfan, der seine Bühnenfigur schön in der Schwebe hält zwischen Ruhmsucht, schillerndem Starglanz und Leiden an aller bitteren Vergeblichkeit. Tapfer zur Seite steht ihm die bezaubernde Elisabeth Mukitsevits als Sarolta, die dreißig Jahre lang die Eskapaden ihres Gatten aushielt. Ihre bewegliche Soubrettenstimme lässt Abrahams unsterbliche Lieder strahlen: Von der Großstadthymne „Es ist so schön, am Abend bummeln zu gehn“ über „Heut hab ich ein Schwipserl“ und der „Mama aus Yokohama“ bis zum finalen „Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände“.

Für leicht ironische Kommentare am Klavier und die sorgsame Begleitung des liebenswerten Gesangsduos sorgt der Kölner Pianist Theo Palm. In zwei unterhaltsamen Stunden (inklusive Pause) erfährt man eine Menge über Glück und Elend einer Epoche. Herzlicher Beifall bei der nicht ganz ausverkauften Premiere.

Selbstverständlich dabei war Oppermanns Vorgänger Walter Ullrich und freute sich über die gelungene Vorstellung. So wie das neue Team sich freut, wenn das geneigte Publikum nach der Show noch etwas in der einladenden Kellerbar „Ullrich’s“ verweilt und möglicherweise sogar einige musikalische Zugaben erhält.

Nächste Vorstellungen bis zum 30. September fast täglich um 20 Uhr. Karten unter Tel. (0228) 36 28 39 sowie bei Bonnticket.