Wiedereröffnung der Dauerausstellung: So sieht es jetzt in Beethovens Geburtshaus aus

Wiedereröffnung der Dauerausstellung : So sieht es jetzt in Beethovens Geburtshaus aus

Nachdem das Beethoven-Haus vor sechs Monaten geschlossen wurde, öffnet die neu gestaltete Dauerausstellung am Samstag. Das Geburtshaus des Komponisten wurde mit einem neuen Konzept umgestaltet.

Des Meisters Geburtszimmer: bisher Ende und – für Beethovenjünger alten Schlages jedenfalls – Höhepunkt eines jeden Rundgangs durch Beethovens Geburtshaus. Hier begannen, um es mit den Worten des Bonner Beethovenforschers Stephan Ley zu sagen, Beethovens „Erdentage“. Ehrfürchtig blickten die Besucher also in das im zweiten Geschoss gelegene, gedrungene Schlafzimmer der Eltern des Komponisten, mancher vielleicht mit religiös angehauchtem Schauder: Was einst in einer Krippe in Bethlehem geschah, hatte es sich für die musikalische Welt an dieser Stelle abgespielt?

Aus Sicht der Wissenschaft gab es schon länger Zweifel daran, wiewohl als gesichert gilt, dass Beethoven in dem Haus geboren ist. Jetzt trägt man auch im Beethoven-Haus dieser Erkenntnis Rechnung. Lange sei der Verein Beethoven-Haus dieser Tradition gefolgt, erläuterte Malte Boecker, Direktor des Hauses, im Rahmen eines Presserundgangs. Doch nun habe man sich im Zuge der Neugestaltung der Dauerausstellung entschieden, keinen „Andachtsraum“ mehr zu präsentieren, sondern den Besuchern eine „poetische Begegnung“ mit der Gedankenwelt des Komponisten zu ermöglichen.

Man schreitet zum Elternschlafzimmer

Über eine silberfarbige Plattform schreitet man nun zum Elternschlafzimmer. Darin erwartet den Besucher eine interaktive, spiegelnde Fläche, auf der sich eine berühmte Sentenz von Beethoven („Mein Reich ist in der Luft, wie der Wind oft, so wirbeln die Töne, so oft wirbelt's auch in der Seele“) in einen chaotischen Zeichenwirbel auflöst und sich wieder zu handschriftlichen Noten zusammensetzt. Es sei der Versuch, einen „unverkrampften Umgang“ mit Beethoven zu bieten, zugleich aber auch eine gewisse „Magie“ zu erhalten. Ob das dem beauftragten Schweizer Büro Holzer Kobler Architekturen gelungen ist, muss selbstredend jeder Besucher für sich herausfinden.

Es ist der wohl sinnfälligste Akt der Umgestaltung, die die – mittlerweile 20 Jahre alte – Dauerausstellung erfahren hat. Mit Blick auf das Beethoven-Jubiläumsjahr hatte sich das Beethoven-Haus schon vor einigen Jahren dazu entschlossen. Das neue Konzept, so Museumsleiterin Nicole Kämpken, orientiere sich nicht mehr an der Chronologie, sondern an Themenkreisen. So widmet sich der ehemalige Sonderausstellungsbereich im ersten Geschoss dem Bereich „Arbeit und Alltägliches“. Man sieht etwa Beethovens Tischuhr, Briefbeschwerer, ein Tintenfass, dazu den Schreibtisch aus seiner letzten Wohnung.

Beethovens letzte Schreibfeder

Nach dem Prinzip „weniger ist mehr“ werden wenige Objekte in edlen Vitrinen präsentiert, die mit einer betörenden Türkisgrundierung ausgelegt sind. Dazu leuchtet eine ausgeklügelte Lichtregie den Raum auf dezente Weise aus. Man fühlt sich an die Räume eines First-Class-Juweliers erinnert. Wie eine kostbare Skulptur wirkt darin Beethovens letzte Schreibfeder.

Diese Art der geschmackvollen Präsentation beherrscht alle Räume, man ächzt nicht mehr unter der Last der Vielzahl von Objekten, sondern bekommt Luft zum Staunen und Sinnieren. Raffinierter Sonnenschutz und versteckte Luftbefeuchter seien nur nebenbei erwähnt. Man wolle den Besucher als „Flaneur“ und damit auch emotional ansprechen, so Boecker: „Damit reagieren wir auf veränderte Besuchererwartungen.“

Das frühere Musikzimmer im Erdgeschoss bietet nun eine Auswahl von Beethovenporträts. Hier wird das berühmte von Joseph Karl Stieler als „Highlight“ inszeniert. Der große Raum im zweiten Obergeschoss steht unter dem Motto „Der Künstler und sein Werk – neue Maßstäbe“. Autographe (Faksimiles) von grenzsprengenden Werken wie dem Streichquartett op. 130 oder der neunten Sinfonie zeugen von Beethovens Aufbruch zu neuen Ufern.

Drei beinahe unscheinbare „Medienstationen“ erlauben, sich mit Themen genauer zu beschäftigen, etwa Beethovens Haushaltsbüchern. Und an anderer Stelle warten Kopfhörer, um Beethovens Bonner Kompositionen zu hören. Kein Wunder, dass Boecker zufrieden ist. Man sei nun im 21. Jahrhundert angekommen.

Die Dauerausstellung ist ab Samstag, 14. September, täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Infos: beethoven.de

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