Ein heißer Abend: Skunk Anansie zeigen beim Konzert in Köln klare Kante

Ein heißer Abend : Skunk Anansie zeigen beim Konzert in Köln klare Kante

Die Band Skunk Anansie zeigte am Samstag im Kölner E-Werk, was sie draufhat. Die Sängerin Skin alias Deborah Anne Dyer ist so provozierend wie vor 25 Jahren.

Um 22.18 Uhr spielen sie einen neuen Song. Er heißt „This Means War“. Und damit ist nicht nur ein bisschen Ärger gemeint, ein dezentes Unwohlgefühl oder ein unterschwelliges Grollen. Dieser Song ist eine veritable Kampfansage. Und genauso klingt er auch. Wie ein Musik gewordener Tornado, der alles mit sich reißt. Oder eine in Töne verwandelte Armee. Brachial, bedrohlich, infernalisch laut. Klangmörser zündend, Seelengräben aufreißend, alles niederwalzend, was sich der Menschlichkeit in den Weg stellt. Erklärt hier Deborah Anne Dyer dem Krieg den Krieg? Oder will die besser als Skin bekannte Frontfrau von Skunk Anansie damit lediglich ausdrücken: „Leg dich besser nicht mit mir an?“

Vor 25 Jahren trat die Band an, dem Brit-Pop weißer, männlicher Mittzwanziger mit identischem Haarschnitt eine radikale Alternative entgegenzuschleudern. Aus King's Cross, „dem Arsch von London“ stammend, multi-ethnisch, mit antirassistischen, politischen und feministischen Texten und einer Musik, die von Rage Against The Machine, Nirvana, Mother's Finest und Jimi Hendrix inspiriert war. Und mit einer Sängerin, die – kahl rasierten Kopfes, schwarz und bisexuell – keineswegs dem Mainstream entsprach. Und auch sonst gerne mal provozierte. „Wir machen Clit-Rock“, erklärte sie damals.

Sängerin Deborah Anne Dyer redet Klartext

Inzwischen ist sie 51 Jahre alt und weiterhin eine, die Klartext redet. „Wir sind aus UK – die fucking Regierung macht mich krank“, sagt die Brexit-Gegnerin im ausverkauften E-Werk. Und: Rassismus, Sexismus, Homophobie existierten heutzutage noch: „All das dürfen wir nicht tolerieren!“ Auch wem es primär nicht um solche Statements geht, kommt in nicht ganz zwei Stunden voll auf seine Kosten. Zusammen mit Drummer Mark Richardson, Bassist Richard Lewis („Cass“) und Gitarrist Martin Ivor Kent („Ace“) liefert die Frau mit der Lizenz zur Meinungsfreude eine druckvolle, energiegeladene Show.

Bisweilen in fantasievollen, extravaganten Kostümen – als Ritterin aus dem All oder mit schwarz gefiederten Schulterpolstern – aber immer mit fantastischer Stimme, die das ganze Spektrum von schmelzender Süße bis hin zu explosiver Wut abdeckt und sich mühelos hinauf die höchsten Höhen schwingt, um dann die tiefsten Tiefen auszuloten. Die Jubiläumstour bietet alte, neue Songs und ganz neue Songs, wobei nicht nur solche Hits wie „Weak“ oder „Hedonism (Just Because You Feel Good)“ frenetisch gefeiert werden. Auch „This Means War“ und das ebenfalls neue „What You Do for Love“ (im Zugabenblock) stoßen auf große Begeisterung. Ein nicht nur wegen der Temperaturen heißer Abend.