Prix Pantheon: Sieger erreichen liebevoll Herz und Hirn ihres Publikums

Prix Pantheon : Sieger erreichen liebevoll Herz und Hirn ihres Publikums

Simon & Jan überzeugen die Jury des Prix Pantheon. Publikumsliebling ist der Schwabe Özcan Cosar und bekommt 3000 Euro Preisgeld.

Da kommt einer daher, der es auf einem abgebrannten Feld wieder frisch und grün sprießen lässt und erntet dafür den wohl verdienten Applaus. Genug mit solch blumigen Vergleichen, aber der hier musste einfach sein: Denn als junger Türke mit 20 Minuten Ethno-Stand-up beim Prix Pantheon anzutreten, das zeugt von Courage und hat tatsächlich Belohnung verdient. Der 1981 in Stuttgart geborene Komiker und Kabarettist Özcan Cosar - plebiszitär zum Publikumsliebling bestimmt - darf sich fortan "Beklatscht & Ausgebuht" nennen und sich über ein Preisgeld von 3000 Euro freuen.

Das Gleiche wird dem Liedermacher-Duo Simon & Jan zuteil, dem die Jury das Attribut "Frühreif & Verdorben" zuerkannt hat: Wer Simon Eickhoff, geboren 1980 im ostfriesischen Esens, und Jan Traphan, Jahrgang 1981, aus Essen seit ihrem ersten Bonner Auftritt beim "Liedermacher Sommer 2011" als Support von Götz Widmann kennt und wer ihre ironische Leichtigkeit zu schätzen weiß, bekommt die sarkastische Tiefenschärfe dazu frei Haus.

Mit den Worten der Jury klingt das so: "Wer sich beschwert, die jungen Leute heute seien alle unpolitisch, sollte verpflichtet werden, eine Vorstellung von Simon & Jan zu besuchen, um sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Mit sprachlicher Präzision und hoher Musikalität greifen sie gesellschaftspolitische Themen wie Käuflichkeit, grassierende Facebook-Sucht und Opportunismus auf. Anrührend wie Simon & Garfunkel und überraschend wie Rainald Grebe schaffen es Simon & Jan mit ihren Texten, liebevoll Herz und Hirn ihres Publikums zu erreichen. Sie verkörpern die Generation der Liedermacher 2.0 aufs Vortrefflichste." Noch Fragen?

Ganz außer Zweifel steht zudem, dass der zweite Wettkampftag den ersten bei Weitem übertroffen hat. Dass es mit C. Heiland und dessen Markenzeichen - dem japanischen Kultinstrument "Omnichord" - , mit Puppenflüsterer und Weinkenner Benjamin Tomkins, dem superb-eigenwilligen Schweizer Kabarett-Duo Nicole Knuth & Olga Tucek und dem sympathisch-smarten Alltagsphilosophen und selbsternannten Entschleuniger Henning Schmidtke starke Konkurrenz für die Preisträger gab.

Mag der eine oder andere beim Anblick des Kandidaten Nummer fünf vielleicht versucht gewesen sein, innerlich auf Durchzug zu schalten: Noch so einer, der krass korrekt auf Klischees herumreitet und nicht weiß, dass man absteigen soll, wenn das Pferd tot ist? Aber mitnichten. Und das liegt beileibe nicht nur daran, dass er in seinem blau-weiß-rot karierten Hemd und dem akkuraten Haarschnitt so adrett ausschaut.

Oder dass er - g'scheit, wie der Schwabe von Haus aus ist - deutlich mehr zu bieten hat, als hüftlange Haare über den Kopf zu schmeißen wie sein Mannheimer Kollege vom Fernsehen. Cosar kommt frisch daher, Cosar macht Laune, und die letzten Zweifler dürfte seine Kategorienlehre diverser Tanzstile überzeugt haben.

Während Simon & Jan die klammheimliche Einsamkeit unter lauter Facebook-Freunden besingen und ihren beißenden Spott über den von ihnen bislang doch so geschätzten Schauspieler Moritz Bleibtreu ausschütten, der nun Werbung für die Fast-Food-Kette mit dem goldenen M macht. Die Cheeseburger-Mütze, die Jan sich dazu aufgesetzt hat, sieht wirklich nett aus. Aber einen Werbevertrag gibt's dafür nicht. "Nur" den Prix. Was heißt hier nur?

Wer mehr von Simon & Jan sehen und vor allem hören möchte: Am 22. August spielen die beiden wieder im Pantheon Casino.

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