Konzert in der Lanxess-Arena: Shania Twain feiert umjubeltes Comeback in Köln

Konzert in der Lanxess-Arena : Shania Twain feiert umjubeltes Comeback in Köln

Shania Twains Comeback-Konzert in der Kölner Lanxess-Arena war kurz, aber umjubelt. Ein glamouröses Hightech-Spektakel mit wohldosierten „Hautnah“-Einheiten.

Stimme weg, Mann weg, Produzent weg. Vor zehn Jahren war Shania Twain ziemlich am Ende. „I wasn't just broken, I was scattered“ („Ich war nicht nur zerbrochen, ich war zerschmettert“) singt sie in „Life's About To Get Good“. Und mit diesem Stück vom neuen Album, das im Herbst 2017 erschien, beginnt Twains Konzert in der Lanxess-Arena in Köln. 102 Minuten lang demonstriert die zierliche Kanadierin, dass die Krise überwunden ist. Sie lebt hier und jetzt, und das Jetzt gehört ihr.

Mit „Now“ (Jetzt) ist nicht nur die Neuerscheinung betitelt, sondern auch die aktuelle Tour mit mehr als 70 Konzerten. Wegen der USA und Kanada brauchte sich die 53-Jährige vorab keine Sorgen zu machen. Hier stieg der erste Longplayer nach 15 Jahren Pause auf Anhieb auf Platz eins der Charts ein. Europa ist da ein weitaus härteres Pflaster. Hier verzeichnet die Tour insgesamt nur 14 Stationen, drei davon in Deutschland. Die erste, in München, war nicht ausverkauft. Die zweite, in Köln, auch nicht. „Aus technischen Gründen“ bleibt hier der Oberrang gesperrt, der Innenraum ist nur locker gefüllt. Über die Zahl der Besucher hüllen sich die Veranstalter in gnädiges Schweigen.

Der einstige Megastar – kein Album einer Solokünstlerin verkaufte sich häufiger als 1997 „Come On Over“ – liefert genau das ab, was man erwartet. Ein glamouröses Hightech-Spektakel mit wohldosierten „Hautnah“-Einheiten: Ausflüge in die Halle, Kuscheln mit Fans und Posieren für Selfies. Eröffnungen wie die, dass sie – Oops! – ihren Ehering im Tourbus vergessen hat (den ihr dann natürlich prompt jemand nachträgt) sind das Salz in der Konzertsuppe. Ihre Stimme hat sich verändert, klingt weniger strahlend als einst. Nach einer Borreliose-Infektion war Twain zeitweilig komplett verstummt und musste das, was einst (plus Schönheit) ihr Kapital war, komplett neu aufbauen. Besonders deutlich wird das, wenn per Einspieler alte Videos montiert werden. Aber die Fans wissen das. Und zollen ihr trotzdem – oder gerade, weil sie trotz aller Widrigkeiten jetzt wieder obenauf ist – viel Beifall und Respekt.

Auch ihr Körper ist ein anderer, reiferer. Dafür, dass man das nicht sieht, sorgt der Trick, den einst die gealterte Marlene Dietrich populär machte: ein im Ton der eigenen Haut eingefärbtes Spezialgewebe erweckt überall da, wo der Kostümstoff endet, den Eindruck von Nacktheit, dank winziger Pailletten wie von Sternen übersät.

Leitmotivisch erscheinen auf der Bühne Leopardenmuster. Auf dem Cover von „Now“ posiert Twain im gefleckten Raubtieroutfit. Die Sorte Handschuhe, die sie da trägt, kann man im Internet für 30 Dollar ordern.

Verglichen mit dem Preis für die Konzertkarten (am Montag noch für mehr als 100 Euro erhältlich), nachgerade ein Schnäppchen. Aber ärgerlich für diejenigen, die mitbekamen, dass draußen vor der Arena, kurz vorm Konzert, Tickets verschenkt wurden. Kein guter Tag für Schwarzmarkthändler. Die Bühne wird dominiert von fünf riesigen Würfeln, die als Projektionsflächen dienen und als veränderbare Plateaus für die Sängerin, ihre vier Tänzer und ihre vier Musiker.

Wobei Letztere lediglich namenlose Staffage bleiben. Es gibt viele Kostümwechsel, Balladen (etwa „You're Still The One“), einen Country-Teil (unter anderem mit „Any Man Of Mine“), zwei Duette mit Support-Sänger Bastian Baker, unverzichtbare Kracher wie „That Don't Impress Me Much“, viel Material vom neuen Album.

Zugaben gibt es keine. Am Ende verschwindet Lady Leo in der Bühnenbodenversenkung. Nach so viel ambitioniertem Showeffekt ein bisschen dürftig.