Kinderkonzert in der Beethovenhalle: Schuberts Witz und Zauber

Kinderkonzert in der Beethovenhalle : Schuberts Witz und Zauber

Ein lokal sehr begrenzter Schneeschauer flockt vom Bühnenhimmel, als ein warm eingepackter Professor Florestan mit seinem Handwägelchen hereinschnauft: "Fremd bin ich eingezogen", intoniert er, "fremd zieh ich wieder aus". Mit diesem ersten musikalischen Moment aus der "Winterreise" beginnt ein Kinderkonzert, das sich mit dem Leben und Werk von Franz Schubert auseinandersetzt.

Einmal mehr sind Christian Firmbach und Thomas Honickel, demnächst Kollegen am Staatstheater Oldenburg, in die Rollen des temperamentvollen Professors und seines schulmeisterlichen Freundes Maestro Eusebius geschlüpft.

Schuberts Nickelbrille holen sie aus dem großen Koffer, fünf silberglänzende Fische und viele musikalische Momente - darunter auch das "Moment musical" Nr. 3 in f-Moll und, nicht ganz unerwartet, die "Forelle" mitsamt dem dazugehörigen Quintett.

Womit die Bedeutung der fünf Fische besser erklärt wäre als die aus dem "Norma"-Bühnenbild ausgeliehene Eiche, die als Lindenbaum "Am Brunnen vor dem Tore" nicht gänzlich überzeugen kann. Anders als Giorgos Kanaris, der seinen Bariton der "Forelle" leiht, gemeinsam mit dem recht zaghaft einstimmenden Publikum den "Lindenbaum" besingt und als gruseliger "Erlkönig" nicht nur dem vom neunjährigen "BONNsai"-Choristen Maximilian gesungenen Knaben ordentlich Angst einjagt.

Am Pult des Beethoven-Orchesters (BOB) dirigiert Thomas Honickel alias Maestro Eusebius eine schöne Auswahl aus dem Werk des frühvollendeten Romantik-Genies. Ausschnitte der großen Sinfonien h-Moll und C-Dur vermitteln einen Eindruck vom Zauber Schubertscher Klangwelten; doch auch die Lieder, das Menuett aus der Sinfonie Nr. 1, die Italienische Ouvertüre oder eine Zwischenaktmusik aus "Rosamunde" sind gut geeignet, die Neugier auf den Komponisten nicht so schnell erlahmen zu lassen.

Wie immer in der von Stephanie Twiehaus konzipierten Konzertreihe darf sich das Publikum bei dieser Schubertiade nicht einfach nur zurücklehnen, sondern muss aktiv mitarbeiten.

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