Große Spätwerke in der Erlöserkirche: Schuberts himmlische Längen

Große Spätwerke in der Erlöserkirche : Schuberts himmlische Längen

Short Stories heißt die Konzertreihe, die der Verein "KammermusikKöln" im historischen Gemeindesaal der Erlöserkirche veranstaltet.

Nun spielt man hier nicht nur kurze Werke, das ließe sich etwa von Franz Schuberts Trio in Es-Dur op. 100, mit dem das Trio Gaspard sein Konzert beschloss, auch kaum sagen.

Das dauert immerhin fast eine Stunde; kurz ist anders. Das Konzertmotto "Zeitlos schön - Spätwerke" passte da schon deutlich besser, zumal die Zeit ohnehin wie im Fluge verging.

Das aus Jonian Ilias, Violine, Vashti Hunter, Violoncello, und Nicolas Rimmer, Klavier, bestehende Trio legte eine großartige Intensität an den Tag, spielte mit einem bahnbrechendem Dauer-Impetuoso und ließ die gewaltigen Dimensionen dieses Werkes nicht mal ansatzweise lang erscheinen.

Hier wurde durchweg unter Höchstspannung auf der Stuhlkante musiziert, stets den wechselseitigen Dialog mit den Kollegen suchend und kein Detail, vom großen Spannungsbogen bis zur kleinsten melodischen Floskel, vernachlässigend.

Das war der krönende Abschluss eines Konzertes, das mit einem anderen Spätwerk, Gabriel Faurés Trio op. 120, begonnen hatte. Auch hier war die Intensität des Trio Gaspard kaum zu toppen. Das stetig hin- und herwogende melodische Geschmeide Faurés ließ man elegant dahinfließen, gestaltete auch im langsamen Satz lange Bögen mit intensiver Spannkraft und gestaltete das beschwingte Finale als heiteren Kehraus.

Der Kontrast dieses vollkommenen Wohlklangs zum "Trio Présence" des Kölner Komponisten Bernd Alois Zimmermann, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, hätte allerdings kaum größer sein können.

Hier eine nahezu perfekte Idylle, dort die provokante Abrechnung mit fast allen Konventionen eines klassischen Gattungsbegriffs. Auch hier zeigte sich das karnevalesk kostümiert auflaufende und um die Tänzerin Luka Fritsch ergänzte Trio Gaspard als Meister der Zuspitzung.

Der künstlerisch stets ungeheuer präsente Nachdruck, den die Musiker auch hier an den Tag legten, ließ keine Wünsche offen und machte nicht zuletzt eines deutlich: Provokation hin oder her, so dicht und intensiv gespielt fesselt diese Musik allemal.

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