Musikalische Reise nach Chengu: Schinkel in China

Musikalische Reise nach Chengu : Schinkel in China

Der Jazz-Pianist Marcus Schinkel über seine Reise in Bonns Partnerstadt, wo er eine überraschend quirlige Clubszene vorgefunden hat.

Wenn einem Jazzmusiker der Vergleich mit New York über die Lippen kommt, dann muss er sich schon in einer ganz besonders spannenden Gegend befinden. Der Bonner Pianist Marcus Schinkel ist kurz nach seiner Rückkehr aus der chinesischen Partnerstadt Chengdu, wohin er Oberbürgermeister Ashok Sridharan als musikalischer Botschafter der Beethovenstadt begleitet hatte, noch ganz berauscht von den Eindrücken aus der 14-Millionen-Metropole. Von der Clubszene, in die er eingetaucht war und wo er andere Musiker traf und mit ihnen jammte.

„Chengdu kann man ein bisschen vergleichen mit dem Rheinland zur Preußenzeit. Peking ist wie Berlin weit weg – da lässt man auch schon mal fünf gerade sein“, sagt er. „Ich war in Undergroundclubs, wo sich Punks aufhielten – das ist im Grunde wenig anders als im Westen auch.“ Schinkel, der nicht nur als Musiker, sondern auch als Mensch immer neugierig ist, hat das Gespräch mit den Leuten gesucht, die auch bereitwillig Auskunft gaben, wie der Pianist berichtet. „Mir hat jemand gesagt, an der Küste werde gearbeitet, hier werde gelebt.“ Oppositionelle Kräfte formieren sich dort aber nicht offen. „Es gibt diesen gemeinschaftlichen Gedanken, dass sie wachsen wollen“, sagt Schinkel. Das spiegelt auch ein bisschen die kulturelle Atmosphäre in der Stadt, die von jüngeren Vertretern einer vergleichsweise wohlhabenden Schicht geprägt wird, die es natürlich auch in die Clubs zieht.

Ein Freund des Weins und der Musik

Offizieller Anlass der Reise war die 30-jährige Partnerschaft zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und der Provinz Sichuan. „Und ich sollte als Botschafter der Beethovenstadt den Empfang in Chengdu musikalisch umrahmen“, sagt Schinkel, der nicht zuletzt für seine originellen und anspruchsvollen Jazz-Adaptionen von Werken Beethovens bekannt ist. „Ich hatte insgesamt vier offizielle Auftritte, auch zusammen mit jungen chinesischen Musikern vom Konservatorium, mit denen ich in sehr kurzer Zeit Stücke meines Crossover-Beethoven-Projekts einstudiert und aufgeführt habe.“

Spannend war auch die Begegnung mit einem Geschäftsmann, der eine erfolgreiche Weinkette betreibt und den Jazz liebt. Der Weinhändler ist gut vernetzt in der Szene und brachte Schinkel mit einem in der Stadt lebenden amerikanischen Saxofonisten zusammen, der in einem Irish Pub auftrat. „Wir haben kurz zusammen gejammt, um abzuklären, ob wir uns musikalisch verstehen“, erzählt Schinkel. Sie passten zusammen. Der Amerikaner führte ihn dann durch die Clubs, wo eine quirlige, internationale Musikszene wirkte. Der Trip nach China soll für Schinkel ein Nachspiel haben. Sagt er. Und arbeitet schon daran, zum Beethovenjahr 2020 Jazzmusiker aus Sichuan nach Bonn zu holen.

Das Marcus Schinkel Trio tritt heute mit seinem Crossover-Beethoven-Programm bei der Alfterer Jazznacht auf. Der Konzertabend beginnt im Rathaus Oedekoven, Am Rathaus 7, um 19 Uhr mit einem Konzert der Jazzsängerin Anikó Kanthak.

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