Beethovenfest 2018 startet im August: Schicksalssinfonie steht beim Beethovenfest im Zentrum

Beethovenfest 2018 startet im August : Schicksalssinfonie steht beim Beethovenfest im Zentrum

Das diesjährige Festival bietet neben großen Namen von Patricia Kopatchinskaja bis András Schiff und bekannten Orchestern viele Anreize, sich mit dem Werk des Komponisten auseinanderzusetzen

Ich will dem Schicksal in den Rachen greifen, ganz niederbeugen soll es mich gewiss nicht“, schrieb Ludwig van Beethoven im November 1801 an seinen Bonner Freund aus Jugendtagen, Franz Gerhard Wegeler. Prophetische Worte angesichts seines zunehmenden Gehörleidens, bedenkt man, dass er seine größten Werke zu dieser Zeit noch gar nicht geschrieben hatte. Beethovenfest-Intendantin Nike Wagner zitierte diesen Satz aus Beethovens Brief bei der Vorstellung des Programms für das am 31. August beginnende Beethovenfest 2018 mit gutem Grund.

Denn das Motto in diesem Jahr lautet „Schicksal“, was in vielfacher Weise reflektiert und gespiegelt wird. „Die fünfte Sinfonie ist unser zentrales Werk 2018“, kündigte Wagner in der Post Tower Lounge an. Das ganze 19. Jahrhundert habe sie als ein „Per aspera ad astra“-Werk gesehen, als Musik also, die durch die Nacht zum Licht führe. „Und so kam auch das gängige Beethovenbild des Heroischen und Monumentalen zustande, von der Musik als Botschaft und von Beethoven als dem Volksredner.“

Klar, dass Beethovens populärste Sinfonie gleich zu Beginn beim Eröffnungskonzert im provisorischen Konzertsaal des WCCB mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France unter Leitung des Dirigenten Mikko Franck zu hören sein wird. Im weiteren Verlauf des Festivals, kündigte Wagner an, werde das Werk noch in zwei weiteren Besetzungen erklingen, „darunter zu acht Händen am Klavier“.

„Schicksalstonart“ c-Moll

Weitere Orchester, die beim Beethovenfest aufspielen, sind das Beethoven Orchester Bonn unter Dirk Kaftan, die Academy of St. Martin in the Fields, die Camerata Bern unter Leitung der Solistin Patricia Kopatchinskaja, das Russische Nationalorchester mit dem Dirigenten Mikhail Pletnev sowie das ORF Radio-Symphonieorchester Wien, das unter Leitung von Michael Boder das Abschlusskonzert spielt. Die Aufführung des diesjährigen Kompositionsauftrags übernimmt das MDR-Sinfonieorchester unter Leitung von Stefan Asbury. Der österreichische Komponist Bernhard Lang hat als Referenz Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 in der „Schicksalstonart“ c-Moll ausgewählt, das ihn zu dem Werk „Monodologie XXXIV '... loops for Ludvik'“ inspirierte. Schon der Titel verrät: Lang hat etwas übrig für elektronische Spielereien. Marino Formenti übernimmt in Langs Reflexion über Beethovens Original den Klavierpart.

Natürlich wird es auch wieder Orchestermusik auf historischen Instrumenten geben, wofür unter anderem Christoph Sperings Orchester Rheinton sowie das französische Ensemble Les Siècles, unter Leitung seines Gründers François-Xavier Roth bereits zum zweiten Mal beim Beethovenfest zu Gast, zuständig sind. Englands Vorzeige-Originalklangkörper, das Orchestra of the Age of Enlightenment, kommt unter Leitung von Adam Fischer nach Bonn. Auch sie spielen, neben anderen Werken, die „Fünfte“.

Mit sechs thematischen Schwerpunkten will Wagner das umfassende Schicksalsmotto beleuchten. Sie erkundet „Wege zu Beethoven“, worin vornehmlich Beethovens sinfonische Werke und Kammermusik gemeint sind. Unter dem Oberbegriff „Schicksalhaftes“ versammelt sie Musik, die unter existenziell schwierigen Bedingungen entstanden ist oder von den letzten Dingen handelt, wie etwa verschiedene Trauermusiken. So spielt Werner Ehrhardts Orchester l'arte del mondo im Verein mit dem Kammerchor der Bonner Kreuzkirche Vox bona ein Requiem des Bonner Hofmusikers Andrea Luchesi. Zwei Jahre vor dem großen Beethovenjubiläum kommt das Bonner Festival auch in diesem Jahr nicht umhin, runde Geburts- und Todestage zu würdigen. Giochino Rossini, Claude Debussy, Bernd Alois Zimmermann und Mauicio Kagel nannte Wagner in diesem Zusammenhang ebenso wie den von den Nazis hingerichteten Bonner Pianisten Karlrobert Kreiten oder Leonard Bernstein, dessen 100. Geburtstag mit einer Public-Viewing-Wiedergabe der legendären neunten Sinfonie Beethovens aus dem Berliner Konzerthaus aus Anlass des Mauerfalls gefeiert wird.

Ein Klaviersonatenwochenende mit András Schiff

Schwerpunkt Nummer vier ist ein Beethovens Spätwerk gewidmetes Klaviersonatenwochenende mit dem ungarischen Pianisten András Schiff und seinem jüngeren Kollegen und Landsmann Dénes Várjon. Der fünfte Schwerpunkt ist mit „(Rheinischer) Originalklang“ überschrieben und der letzte widmet sich den Sparten „Tanz, Theater, Installation“. Auch hier gibt es Spannendes zu entdecken, zum Beispiel ein Auftragswerk, das die Düsseldorfer Choreografin Alexandra Waierstall und der Musiker Hauschka zusammen erarbeiten.

Mindestens genauso interessant: Das diesjährige interdisziplinäre Projekt der Deutschen Post, das von Kommunikationschef Christof Ehrhart vorgestellt wurde, der zugleich ankündigte, dass das Unternehmen „über das Jahr 2018 hinaus Hauptsponsor des Beethovenfests bleiben wird“. Ehrhart outete sich als Buchfan: „Ich lese sehr viel.“ Und als Bewunderer des Schriftstellers Wolfgang Herrndorf („Tschick“), der sich – schwer an Krebs erkrankt – 2013 das Leben nahm. Für den Abend „Begegnungen“ bringen Beethovenfest und Postkonzern das Ensemble Resonanz und die österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr zusammen: Sie liest aus den Tagebüchern „Arbeit und Struktur“ des bereits schwer erkrankten Autors, während die Musiker Joseph Haydns Musik über „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ intonieren.

Und natürlich gibt es 2018 wieder das Campus-Projekt der Deutschen Welle mit Schwerpunkt Indien und das von der Telekom und der Deutsche Bank Stiftung getragene Schülermanager-Konzert.

Die Stadt Bonn unterstützt das Festival auch in diesem jahr wieder mit einem Betrag von 1,6 Millionen Euro, wie OB Ashok Sridharan verriet. Der Rest des Gesamtbudgets von 4,6 Millionen Euro speist sich aus Sponsorengeldern und dem Ticket-Erlös.

Der Vorverkauf beginnt am 26. März, das komplette Programm kann ab sofort auf der neu gestalteten Homepage des Festivals unter www.beethovenfest.de abgerufen werden.

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