Theaterstück „Liliom“: Schauspieler Christoph Grummert spielt viele Rollen

Theaterstück „Liliom“ : Schauspieler Christoph Grummert spielt viele Rollen

In Sascha Hawemanns Inszenierung von Ferenc Molnárs Theaterstück „Liliom“, die am kommenden Freitag im Schauspiel Bad Godesberg Premiere feiern wird, hat Christoph Gummert einiges zu tun.

Aber was sind schon ein paar Rollen mehr für einen Schauspieler wie ihn, der derzeit schon „Candide“, „Linie 16“ und den „Sommernachtstraum“ unter einen Hut bekommen muss und sich dabei so wohl fühlt wie ein Fisch im Wasser. „Bislang sind mir die Rollen zumindest noch nicht durcheinander gekommen“, gesteht er lachend im Interview mit dem GA. „Und alle machen auf ihre Weise großen Spaß.“

Dabei gibt es gerade bei „Liliom“ relativ wenig zu lachen. Die „Vorstadtlegende in sieben Bildern und einem szenischen Prolog“, wie Molnár sein Stück untertitelte, gilt als das berühmteste Werk des ungarischen Dramatikers und damit als eines der wichtigsten der Literatur seines Heimatlandes überhaupt. Es ist ein dunkler Text, eine Tragikomödie des Scheiterns, in dem eine aus der Armut geborene Perspektivlosigkeit allgegenwärtig ist.

Im Mittelpunkt steht das Schicksal des Jahrmarkt-Ausrufers Liliom, der sich in das Dienstmädchen Julie verliebt, darüber seine Stellung verliert und sich zu einem Raubüberfall verleiten lässt. Dieser misslingt, woraufhin Liliom sich das Leben nimmt und im Himmel vor dem Selbstmördergericht landet. Die Schuldfrage stellt sich allerdings nicht, darf sich auch gar nicht stellen. „Letztlich verzweifelt Liliom an den Umständen“, erklärt Gummert, der mit seinen verschiedenen Rollen gewissermaßen der Motor der Handlung ist und immer wieder neue Impulse setzt und die Vielfalt dieser Aufgabe durchaus genießt. „Die Herausforderung dabei ist, dass man gerade bei kleinen Rollen um so präziser spielen muss, um ihre Funktion im Stück auch auf den Punkt zu bringen.“

Einstand mit Jelineks "Wut"

Gummert hat sich bereits gut in das Ensemble eingefügt, dem er seit Mai 2018 angehört. Seinen Einstand feierte er damals mit Elfriede Jelineks „Wut“, auch dies unter der Regie von Sascha Hawemann. „Ich mag es, wenn ich immer wieder mit denselben tollen Leuten arbeiten kann“, sagt er. „Ich hoffe immer auf eine lange und fruchtbare gemeinsame Zeit.“ Gerade Hawemanns Theatersprache kommt Gummert dabei entgegen: „Er fördert ein sehr gestisches Spiel und ist sehr nah an seinen Schauspielern dran. Das schätze ich sehr, da ich mich selbst immer gerne im Grenzbereich zwischen Schauspiel und Bewegung verordne. Dieser Ansatz stand schon während meines Studiums in Bochum im Fokus – damals hatte ich das große Glück, von Anna Pocher zu lernen, eine Schülerin von Pina Bausch. Das hat mich sehr geprägt.“

Geplant war dabei eigentlich alles anders. Geboren auf Usedom, studierte er zunächst in Leipzig, wo man dem 35-Jährigen allerdings nicht sonderlich wohlgesonnen war.

Erst der Wechsel nach Bochum brachte die ersehnten Freiheiten und Chancen; unter anderem konnte er parallel zum Studium am dortigen Schauspielhaus mit Katharina Thalbach arbeiten. Von 2012 bis 2016 war er am Theater Detmold engagiert, nun hat es ihn an den Rhein verschlagen. „Ich lebe weiterhin auf Usedom und werde auch immer ein Nordlicht bleiben“, gesteht Gummert, „finde hier aber viel Schönes. Ich habe schon in der Altstadt gewohnt und die Kirschblüte mitgekriegt, jetzt bin ich auf den Karneval gespannt. Außerdem versuche ich, so oft es mir möglich ist, die Produktionen meiner Kollegen zu sehen oder auch die anderen Theater in der Stadt zu besuchen.“

Premiere am 15. Februar, 19.30 Uhr, im Schauspielhaus Bonn-Bad Godesberg. Karten für die Premiere und alle weiteren Vorstellungen gibt es in den Bonnticket-Shops des General-Anzeigers sowie im Internet auf www.ga-bonn.de/tickets.

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