Galerie "Das Esszimmer": Schaurig-schöne Geschichte der Atompilze

Galerie "Das Esszimmer" : Schaurig-schöne Geschichte der Atompilze

"Something wrong" hat Magdalena Gerber ihre Ausstellung in Sibylle Feuchts Galerie "Das Esszimmer" in Bonn genannt, und dass hier etwas nicht stimmt, ist nicht zu übersehen. Da liegt der "Saughammer" neben einem umgestürzten Tisch am Boden, hat die Form eines Saugnapfes, aber mit golden glänzender Oberfläche und einem langen hölzernen Stiel.

Daneben steht der "Milchwagen". Eine weiße wolkige Form auf kleinem fahrbarem Untersatz, an dem ein langes Seil befestigt ist, das den Betrachter zum Ziehen aufzufordern scheint. Magdalena Gerbers Objekte erinnern an etwas, das wir kennen und dem wir eine Funktion zuordnen wollen.

Das kann nicht gelingen, denn die Objekte repräsentieren nichts als sich selbst, technisch perfekt, durchdacht in der Form und völlig nutzlos. "Für mich sind sie ein ironischer Kommentar zur heutigen überbordenden Produktion von Design und Kunst", sagt Gerber, die in Genf lebt und dort das Kompetenzzentrum für zeitgenössische Keramik leitet.

Mit frischem Blick auf die Dinge, eigenen Materialforschungen und einer Lust an der Verschiebung der Realität hat die 47-jährige Künstlerin die Werkstoffe Keramik und Porzellan in der Welt der zeitgenössischen Kunst etabliert. In den "Wolkensteinen" experimentiert Gerber mit einer besonderen Glasur, die sich beim Brennen ausdehnt und den Kern der Skulpturen wie unkontrollierbarer Schaum überwuchert.

Für die Arbeit "Romeo, Apache, Galileo, Charlie" hat die Künstlerin Bildausschnitte amerikanischer Atomexplosionen per keramischem Digitaldruck auf Dekorteller übertragen. In dieser 18-teiligen Wandinstallation geht bürgerliche Wohnkultur mit der Ästhetik atomarer Pilze eine überraschende Verbindung ein und beginnt, eine schaurig-schöne und fragmentarische Geschichte zu erzählen. Die Um-Interpretation bekannter Konzepte mit neuen Materialien in handwerklich-technischer Präzision wirft in dieser Ausstellung von Magdalena Gerber spannende Fragen auf.

Info: Das Esszimmer, Mechenstraße 25, bis 24. April, Do-Fr 15-18.30 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel.: 0172/3832161. Finissage am 24. April um 19 Uhr.

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