Russische Seele

Irina Oknina nimmt Opernfreunde-Preis entgegen

Bonn. Zu einem besonderen Anlass hatten die Opernfreunde Bonn ins Foyer am Boeselagerhof geladen: Der in zweijährigem Turnus verliehene, mit 3000 Euro dotierte "Preis zur Förderung des sängerischen Nachwuchses", Irina Oknina im September zuerkannt, wurde jetzt übergeben.

Das nahm die russische Mezzo-Sopranistin, die in der Spielzeit 2004/05 in Bonn ihr erstes festes Engagement eingegangen ist, zum Anlass, als Dank ihr außergewöhnliches Können auch als Liedgestalterin unter Beweis zu stellen. Auf der Bühne hat sie "mit verzehrendem Einsatz", wie Ferdinand Kösters, der Vorsitzende der Opernfreunde hervorhob, bisher Rollen wie Tatjana ("Eugen Onegin"), Donna Anna ("Don Giovanni"), Violetta ("La Traviata"), Gräfin (Le Nozze"), Margarete ("Faust"), Lisa ("Pique Dame"), Amelia ("Un ballo in maschera"), Adriana ("Adriana Lecouvreur"), vor allem aber Desdemona ("Otello") verkörpert.

Ihr Liedprogramm dagegen fiel mit Tschaikowsky und Rachmaninov ausschließlich russisch, muttersprachlich aus. Mit ihrem bis in die Tiefe hinab mit Wärme tragenden, in der Höhe leuchtend erblühenden lyrischen Organ weiß sie dramatische Effekte überlegt zu gestalten. Nie wird forciert, nichts wirkt aufgesetzt. Mit bestechender Natürlichkeit produziert sie "von seelischem Empfinden erfüllten Wohlklang", wie Kösters apostrophierte. Die Tiefe der russischen Seele: Irina Oknina läuft niemals Gefahr, sich in deren sentimentalischen Untiefen zu verlieren. Am Flügel saß mit ihrem in den USA lebenden Landsmann Gleb Ivanov ihr Wunschbegleiter.

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