Romy Haag auf den Spuren von Lou Reed und Bonnie Tyler im Pantheon

Romy Haag auf den Spuren von Lou Reed und Bonnie Tyler im Pantheon

Programm zeigt das Leben eines "walk on the wild side"

Bonn. Für Romy Haag war das ganze Leben "a walk on the wild side", wie Lou Reed sagen oder besser: singen würde.

Entsprechend heißt das aktuelle Bühnenprogramm der in den Niederlanden geborenen Sängerin und Schauspielerin "Wild Side" und beschäftigt sich retrospektiv mit Songs, die Leben und Karriere des Showstars geprägt haben. Im Pantheon sang sie die Lieder vor einem begeisterten Publikum.

Haag, die als prominente Transsexuelle in ihrem Leben einiges durchmachte, lässt wenig Bitterkeit in ihre Musikauswahl rutschen. Eher ist es die ständige Bewegung eines ruhelosen Lebens, die ihren Gesang vorantreibt. Allerdings fügen sich früh Misstöne ein. Ausgerechnet der Titelsong des Abends "Take A Walk On The Wild Side" offenbart die Schwächen in Haags Stimme.

In die Strophen legt sie mehr Feuer, als Lou Reed das je gekonnt hätte, aber der "Doo doo doo"-Part ist einfach nicht für Haags knarziges Charakterorgan gemacht. Die Schwäche wird umso deutlicher, als sie sich direkt danach an Bonnie Tylers "It's A Heartache" wagt. Tylers raue Intensität kann Haag nicht erreichen.

Ihre hervorragenden, wenn auch sehr lauten Begleitmusiker, Harald von Abstein am Keyboard und Michael Gechter an einer Reihe wechselnder Saiteninstrumente können vieles überspielen. Leider tun sie das auch, wenn Romy Haag wieder voll in ihrem Element ist. Zum Beispiel wenn sie Lieder von Brecht und Weill singt, deren hintersinnige Interpretation ihr auch heute noch sofort eine Anstellung am Berliner Ensemble verschaffen sollte.

Unschlagbar ist sie natürlich in jenen Songs, die für niemand anderen als Romy Haag selbst geschrieben wurden und die vielleicht sogar ans eigene Leben erinnern. "Wenn die Wunden längst verheilt sind, dann tun die Narben weh. / Du brauchst ein ganzes Leben, um die Kindheit zu verstehen", raunt sie mit ungestellter Melancholie ins Mikrofon. Dazwischen unterhalten kurze, launische Ansagen, in denen schon mal der Katholizismus der Jugend für ein paar böse Pointen herhalten muss.

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