Roman Kofman und die Russen in Bonn

Roman Kofman und die Russen in Bonn

Gut besuchtes Konzert des Beethoven Orchesters

Bonn. Russische Musik stand in den Jahren, die Roman Kofman als Generalmusikdirektor das Beethoven Orchester leitete, ganz weit oben auf der Repertoireliste.

Im jüngsten Freitagkonzert in der sehr gut besuchten Beethovenhalle demonstrierte Kofman mit Werken von Sergej Prokofjew und Sergej Rachmaninow noch einmal eindrucksvoll die stilistische Bandbreite russischer Musik aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.

Auf der einen Seite die zwar nicht avantgardistische, aber betont antiromantische Haltung, die Prokofjew in den dreißiger Jahren in seinem Ballett "Romeo und Julia" einnimmt, auf der anderen Seite die zu Beginn des Jahrhunderts entstandene zweite Sinfonie in e-Moll von Rachmaninow, die nicht nur im melodieseligen langsamen Satz noch ganz und gar dem 19. Jahrhundert verhaftet ist.

Aus den beiden Suiten, die Prokofjew selbst aus "Romeo und Julia" zusammengestellt hatte, hatte Kofman sechs Nummern zusammengestellt, die einen guten Querschnitt aus dem Gesamtwerk repräsentierten und sich auch dramaturgisch sehr schön zu einem sinfonischen Ganzen zusammenfügten.

Das Orchester spielte in "Julia als Kind" virtuos auf, setzte im "Tod des Tybalt" markante Akzente und setzte "Romeo am Grabe Julias" sensibel in Szene. Rachmaninows sinfonisches Werk ist ein Kontrast zu Prokowjews bei aller klanglichen Attraktivität emotional immer etwas unterkühlt bleibendem sowjetischem Klassizismus, der kaum schärfer vorstellbar ist.

Der Komponist knüpft in dieser Sinfonie hörbar an Tschaikowsky an, was Kofman und das groß besetzte Orchester mit einem satten romantischen Klang ganz wunderbar verdeutlichten: Melancholische Holzbläserkantilenen, kraftvolles Blech und betörend klingende Streicher sorgten für eine großartige Interpretation.

Zwischen diesen beiden russischen Beiträgen hatte Kofman noch ein Solokonzert ins Programm genommen, das wiederum eine ganz andere klangliche Welt eröffnete.

Karl Amadeus Hartmanns 1939 während seiner "inneren Emigration" komponiertes und 20 Jahre später revidiertes Konzert für Violine und Streichorchester kehrt das Prinzip des Virtuosenkonzerts gleichsam um: Zwei langsame Sätze umschließen einen schnellen.

Solist dieser Trauermusik war der russische Geiger Vladimir Spivakov. Mit Kofman kam er überein, die klangsinnliche Seite der Musik in den Vordergrund zu stellen, den Webern-Schüler Hartmann fast als Spätromatiker zu verstehen. Das Publikum zeigte sich zutiefst beeindruckt.