Rolandseck-Festival geht mit Werken von Dvorák und Schubert zu Ende

Rolandseck-Festival geht mit Werken von Dvorák und Schubert zu Ende

Beim vierten und letzten Konzert im Festsaal springt Publikum vor Begeisterung von den Stühlen

Rolandseck. Erklimmt man die Stufen zum Festsaal vom Bahnhof Rolandseck, so hört man bereits die Klänge der vertrauten Musiker, die sich einspielen - es ist wohl diese Mischung aus angenehmer familiärer Atmosphäre und der langjährigen Tradition der Meisterkurse von Chaim Taub, die das Rolandseck-Festival so einzigartig macht.

Musikalisch verklang das vierte Festival im bis auf den letzten Platz belegten Saal äußerst glanzvoll und inspirierend. Guy Braunstein, der künstlerische Leiter selbst, hat das Streichquartett Nr. 12 F-Dur ("Amerikanisches Quartett) von Dvorák für Flöte (Emmanuel Pahud), Violine (Guy Braunstein), Viola (Amihai Grosz), Cello (Zvi Plesser) eingerichtet und so um die warme Klangfarbe von Pahuds Ton bereichert.

Im energiegeladenen Zusammenspiel kostete er dann auch die eingängigen melodischen Phrasen voll aus und setzte im Finale sinfonischen Zuschnitts impulsive Akzente. Yoel Ghamzou muss Mahler-Enthusiast sein: Neben dem ehrgeizigsten Projekt, einer aufführbaren Version der 10. Sinfonie, hat er die "Rückert-Lieder" für verschiedene Besetzungen arrangiert.

Die fünf Lieder für Singstimme und Klavier/Orchester erklangen hier für Mezzosopran (Lioba Braun), Violine, Viola (Ori Kam), Cello, Flöte, Klarinette (Chen Halevi), Horn (Chezy Nir), Fagott (Gilbert Audin) und Bass (Nabil Shehata). Die ohnehin bereits musikalischen Texte arrangiert Ghamzou zu filigranen kammermusikalischen Gebilden, die sehr zerbrechlich wirken.

Ganz wunderbar, wie Braun im melancholischen "Um Mitternacht" letztendlich der Hoffnung Ausdruck verleiht: Du hältst die Wacht! Auch das ganz zarte "Ich bin der Welt abhanden gekommen" hinterlässt Spuren - äolsharfengleich klingen die Pizzicati des Cello, und man wagte kaum zu atmen, als das Horn mit dem Eingangsmotiv schloss.

Lobte Schumann an Schuberts C-Dur Sinfonie "die himmlische Länge wie ein Roman in vier Bänden", so gab es zeitgenössische Stimmen, die die "lange Zeitdauer" des F-Dur Oktett durchaus bemängelten.

60 Minuten indes hielt das musikalische Glück im Festsaal an, für das nebst den bisherigen Interpreten Maja Avramovic (Violine), Amihai Grosz (Viola) und Kyril Zlotnikov (Cello) die Bühne betraten. Nach dem an Einfällen überbordenden "Allegro" sprang das Publikum von den Stühlen und machte seiner Begeisterung Luft.

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