Rembrandt-Ausstellungen im Wallraf-Richartz-Museum in Köln

Wallraf-Richartz-Museum : So sind die Rembrandt-Ausstellungen in Köln

Anne Buschhoff und Anja Sevcik sprechen über ihre beiden Kölner Rembrandt-Ausstellungen im Wallraf-Richartz-Museum.

Im Wallraf-Richartz-Museum wird Rembrandt zum 350. Todestag (4. Oktober) doppelt geehrt, wobei zugleich die neue Grafik-Chefin Anne Buschhoff debütiert. "Das ist ein Geschenk", sagt die Nachfolgerin von Thomas Ketelsen. "Und es ist eine Chance, dass die Radierung vor der Malerei gezeigt wird, weil sie das leisere Medium ist."Rembrandt van Rijn (1606 - 1669) begann damit erst, als er als Maler längst berühmt war. "Er wurde dann aber zum Inbegriff des Maler-Radierers und schuf ein großes grafisches Werk: 314 Radierungen, von denen das Wallraf 166 besitzt." 30 Blätter davon zieren Buschhoffs Schau, ebenso viele dann noch ergänzend die große Gemälde-Ausstellung "Inside Rembrandt" ab 1.November.

Das Genie des Niederländers sieht Buschhoff einerseits in der technischen Virtuosität. "Er galt zu Recht über Jahrhunderte als unerreicht - dabei hat er sich die Kunst der Radierung selbst beigebracht." Außerdem begeistert die frühere Kuratorin der Kunsthalle Bremen "die einmalige Gefühlstiefe der Werke".

Die kennzeichne auch die Gemälde, "aber das Anrührende der Radierungen hat eben auch mit deren intimem Format zu tun"."Anfangs studiert Rembrandt in den Porträts vor allem Gemütsbewegungen."

Es gibt wenige Landschaften, vor allem aber biblische Historie. "Diese Bilder haben weitestgehend das Andachtsmoment verloren, wir zeigen nebeneinander den Rattengiftverkäufer und den barmherzigen Samariter - beides Türeingangsszenen, die ins alltägliche menschliche Leben geholt werden."Anja Sevjik, Kuratorin der "Inside Rembrandt"-Schau, hatte es mit deren Werkakquise schwerer. "Anfangs sah es so aus, als ob wir die einzigen mit einem solchen Ausstellungsprojekt wären, die Kollegen in den Niederlanden sagten etwa, dass sie ja erst den späten Rembrandt gezeigt hätten."

Das ließ das Kulturministerium aber offenbar nicht gelten, und so wurde die Leihgaben knapper."Die Initialzündung war dann die Bereitschaft der Nationalgalerie Prag, dieses wirklich sehr besondere Werk, ,Gelehrter im Studierzimmer‘, überhaupt erst zum zweiten Mal auszuleihen."

Nun hatte Sevcik dabei fast Heimvorteil, war sie doch vor ihrem Kölner Start (2014) seit 1995 in Prag für die bedeutende Sammlung holländischer Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts verantwortlich gewesen. "Und da wir das Werk noch ins Restaurierungsprogramm der Bank of America bekommen hatten, wusste ich, dass es reisefähig war."Zwar freut man sich auch über exquisite Leihgaben unter anderem vom New Yorker MOMA, der Getty Collection oder dem Rijksmuseum, aber für die Kuratorin ist das Prager Bild ein Schlüsselwerk: "Im Entstehungsjahr 1634 hatte Rembrandt in Amsterdam einen frühen Schaffenshöhepunkt."

Vom Prager Gelehrten könne man "etwa zurückgehen auf die frühen Werke seiner Leidener Zeit, mit kleinen Formaten und viel Innerlichkeit".Was fasziniert sie an diesem Künstler? "Dass er immer experimentiert hat, nie stehengeblieben ist." Rembrandt selbst sprach - wenn die Lieferung eines Werks angemahnt wurde - davon, dass es eben dauere, die "größte natürliche Beweglichkeit" einzufangen. Dies gelte für das Motiv, aber auch für Wirkung auf den Betrachter. Sevcik: "Das habe ich bei meinen Führungen immer wieder bemerkt: Die Leute stehen anders vor einem Rembrandt als vor einem Frans Hals. Denn dieser Maler spricht zu uns."Rembrandts Bilder, da sind sich beide Kuratorinnen einig, bleiben im Kopf und lassen in ihrer Offenheit niemanden gleichgültig. Hier erfülle sich die Forderung, dass Kunst die Seele packen müsse.

Für Sevcik ist er ein genialer Regisseur, in der Führung seiner Modelle, auch in der magischen Lichtgestaltung etwa im "Faust-Blatt", mit dem die Ausstellung beginnt.Insgesamt will man auch "den ungewohnten Rembrandt" zeigen und ihn etwa neben den frühen Konkurrenten Jan Lievens stellen, jenes Wunderkind, das dann später gegenüber dem Kollegen zurückfiel. Der brachte es besonders im Selbstporträt zu einsamer Meisterschaft, wie der einzige "große" Kölner Rembrandt, sein "Zeuxis", beweist. Lächelt er wirklich - oder hält er dem Besucher den Spiegel des Alters vor? Und warum überhaupt so viele Selbstporträts? "Das wird heiß diskutiert", meint Anja Sevcik. Sie glaubt nicht, das sich hier ein obsessiver Mensch dauernd selbst bespiegeln musste. "Es war eher Marktstrategie, schon bei Dürer, Tizian und Raffael hatte sich der Mehrwert des Selbstbildnisses erwiesen, in dem man den Künstler und seine Malweise in einem hatte".

Für Buschhoff ist es ein Teil von Rembrandt Geheimnis, "dass er nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern stets persönlich involviert ist". Was indes nicht für jedes Werk gilt, das ihm zugeschrieben wurde. So hat man das Kölner Postermotiv, ein Selbstbildnis aus Stuttgarts Staatsgalerie, lange als eigenhändig angesehen, heute wird es "nur" der Werkstatt zugeschrieben. Doch auch die gehört - wie Schüler und sogar Fälscher - zum Kosmos dieses Genies. Den will man so ausleuchten, dass das Publikum Rembrandt über die Schulter blicken kann und wirklich "inside" ist.

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