Ausstellung in der Bundeskunsthalle: Reise nach New Mexico

Ausstellung in der Bundeskunsthalle : Reise nach New Mexico

Die Bonner Bundeskunsthalle zeigt Arbeiten von Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung, darunter Cyrill Lachauer vielschichtige Kakteen-Installation.

Es war schon immer eine spannende Sache, sich anzuschauen, was Künstler von ihren Reisen mitbringen, beziehungsweise was sie von ihren Erlebnissen und Begegnungen erzählen. Nicht bei den sterbenslangweiligen Dia-Abenden, die man aus freundschaftlicher Verbundenheit mit dem heimgekehrten Touristen über sich ergehen ließ. Oder mit Blick auf die modernen und nicht weniger öden Selfies, in denen alles schon gezeigt worden ist, aber noch nicht von allen. Nein, gemeint sind Mackes Tunis-Reise, Bölls „Irisches Tagebuch“ oder die wunderbaren „Travels with Charley“ von John Steinbeck.

Jetzt hat auch die Bundeskunsthalle mit der Ausstellung „Spuren im Raum“ ein kleines, aber vielleicht gerade deswegen intensiv erlebbares Kapitel in der Kunst des Reisens aufgeschlagen. Zu Gast sind fünf Künstler, die erstens Stipendiaten im Trustee Programm des Else-Heiliger-Fonds der Konrad-Adenauer-Stiftung waren und die zweitens unterwegs gewesen sind, um darüber zu berichten.

Der Rundgang beginnt mit Angelika Kellndorfer, die sich ausgehend von ihrem Interesse an moderner Architektur speziell mit der brasilianischen Architektin Lina Bo Bardi (1914-1992) beschäftigt hat. Kellndorfer bringt Fotos von Bauten mit, deren Existenz zwischen Sein und von Pflanzen überwuchertem Nicht-Sein schwanken. Die Bilder sind im Siebdruckverfahren auf Glas gedruckt und zeigen in zurückgenommener Farbigkeit eine Art Zwischenwelt.

„Der Kindermord zu Bethlehem“ heißt die Arbeit nebenan von Alexej Meschtschanow und der Kontrast könnte kaum größer sein. Das, was der ukrainische Bildhauer von einem Besuch auf dem Sacro Monte di Varallo in Norditalien an Eindrücken mitgebracht hat, ist ebenso drastisch wie rätselhaft. Dazu muss man wissen, dass in Varallo seit dem frühen 16. Jahrhundert insgesamt 45 Kapellen entstanden sind, in denen das Leben und Sterben Christi in über 600 lebensgroßen Figuren nacherzählt wird. Meschtschanow bezieht sich in seiner Skulptur auf den in äußerster Brutalität dargestellten Kindermord und findet, ausgehend von zwei Kinderstühlen, eine zeitgenössische Bildsprache für das biblische Geschehen und transportiert es damit in eine martialische Gegenwart.

Wanderung durch das nördliche Brandenburg

In der nächsten Koje zeigt Hans-Christian Schink die Resultate einer Reise durch seine Heimat im nördlichen Brandenburg und Mecklenburg. Die Fotoserie mit winterlichen Landschaften zeugt davon, dass der Fotograf sich dem Naturraum zurückhaltend und fast sachlich, aber auch mit großer Zuneigung genähert hat. Aus dieser Haltung ist ein atmosphärisch aufgeladener Blick geworden, dem man gerne folgt.

Die Installation „Dive“ von Stef Heidhues beansprucht dagegen die volle Aufmerksamkeit in der räumlichen Gegenwart. Die Künstlerin überträgt ihre Impressionen von einer Reise nach Los Angeles in eine dreidimensionale Raumzeichnung. Thema ist die Bar als Ort der Begegnung, und hat man sich als Betrachter erst einmal amerikanisch eingegroovt, entwickeln die abstrahierten Versatzstücke dieser Bar, die mehr Idee als tatsächlicher Ort ist, ein bemerkenswertes Eigenleben.

Cyrill Lachauer schließlich stellt mit Fotos, einem Video und einer Kakteen-Installation die überaus wichtige Frage, mit welcher Haltung das postkoloniale Reisen überhaupt möglich ist. Was sucht der privilegierte deutsche Stipendiat, ein junger weißer Mann der Mittelschicht, im amerikanischen Hinterland von Arizona und New Mexico und wie bewegt er sich in anderen Milieus? Gibt es politisch korrektes Reisen und wer bestimmt das? Mit solchen Fragen klinkt Cyrill Lachauer sich in eine der aktuell wichtigsten Debatten ein.

Bundeskunsthalle, Friedrich-Ebert-Allee 4, bis 22. April; Di und Mi 10-21, Do-So 10-19, feiertags 10-19 Uhr.