Telekom Beethoven Competition: Raum für individuelle Momente

Telekom Beethoven Competition : Raum für individuelle Momente

Klaviermusik vom Feinsten: Die erste Runde der Telekom Beethoven Competition zieht viel Publikum an

Die erste Runde der International Beethoven Competition ist gestern Abend unter großer Publikumsbeteiligung in der Bonner Telekom-Zentrale zu Ende gegangen. Seit Freitagmorgen hatten sich 22 junge Pianistinnen und Pianisten aus elf Ländern der Jury vorgestellt. Im Zentrum des dreiteiligen Pflichtprogramms stand jeweils eine der drei letzten Klaviersonaten Ludwig van Beethovens. Über die erste Runde berichten für den General-Anzeiger Teilnehmer des Musikjournalismus-Seminars des Musikwissenschaftlichen Instituts der Kölner Universität, das zurzeit in Zusammenarbeit mit der Beethoven Competition stattfindet.

Peter Friis Johansson, Jong Hai Park, Stipe Bilic und Moritz Winkelmann. Das sind Pianisten, die den "Männer"-Block der ersten Wettbewerbsrunde am Freitagabend gestalteten. Mit einer zauberhaften Interpretation der Sechs Bagatellen op. 126 eröffnete den Block der schwedisch-dänische Pianist Peter Friis Johansson. Einer der Teilnehmer, die sich Beethovens Humor zu Herzen genommen hatten, war Jong Hai Park. Der Südkoreaner begeisterte das Publikum nicht nur mit seiner sehr überzeugenden Klaviertechnik. Hervorragend war auch die Interpretation der Zehn Variationen für Klavier B-Dur WoO 73, wobei der Pianist sogar einige Abschnitte leise mitsang.

Nicht ganz so überzeugend wirkte das Spiel von Stipe Bilic aus Kroatien. Bei seinem Auftritt, bei dem die Sonate in As-Dur op. 110 im Mittelpunkt stand, fehlte ein bisschen die wirkliche Vermittlung der Werke. Der deutsche Teilnehmer Moritz Winkelmann beschloss den Abend. Das Spiel dieses Pianisten fiel durch eine gewisse Eleganz auf, und er beeindruckte das gespannt lauschende Publikum ebenso durch die Ruhe, mit der er seine Interpretation der Sonate op. 110 anlegte.

David Matena

Der Samstagmorgen begann mit dem Auftritt von Ben Cruchley (29) aus Kanada. Sein Spiel ist geprägt von einer gewissen Leichtigkeit, wodurch ihm Beethovens Fantasie op. 77 hervorragend gelang. Als Meister großer Spannungsbögen auf engstem dynamischem Raum blieb er seinem schwungvollen Stil auch in der c-Moll-Sonate op. 111 treu - nur dass die Leichtigkeit des Spiels der Gewichtigkeit des Werkes zu wenig gerecht wurde. Ganz anders Georgy Voylochnikov: Dem 30-jährigen Russen steht der Weltschmerz ins Gesicht geschrieben; leider blieb die As-Dur-Sonate op. 110 nicht fehlerfrei. Seiner Fuge aus BWV 878 hätte zur Motette nur noch der geistliche Text gefehlt, so chorisch erklang sie unter seinen Händen, und auch in den Elf neuen Bagatellen stachen die liedhaften Passagen besonders hervor. Mit Misuzu Tanaka (32) und Shoko Kawasaki (33) aus Japan traten dann zwei Kandidatinnen mit demselben Programm an. Beide überzeugen bei Bach wie Beethoven (Sonate E-Dur op. 109) mit außerordentlich hohem technischen Niveau, und in der stürmischen Polonaise op. 89 ebenso.

Kristina Pott

Nachmittags trat zuerst Andreas Donat (32) aus Österreich auf. Besonders die lyrischen Passagen in der Sonate op. 110 gelangen ausdrucksstark. Trotz wahrnehmbarer Anspannung gewann er dem Werk viele individuelle Momente ab. "Es ist doch etwas anderes, als im Konzert zu spielen", erklärte Donat nachher. Evan Wong (25) aus den USA spielte die Sechs Variationen F-Dur op. 34, die erstmals im Wettbewerb zu hören waren. Hier machte sich technisch ausgefeilte Arbeit bemerkbar und brachte ihm sogar Bravo-Rufe aus dem Publikum ein.

Jianing Kong startete als einziger Pianist aus China in den Wettbewerb. Der 29-Jährige konnte auf der Bühne ein sehr hohes Präzisionsniveau unter Beweis stellen. In der Darbietung der Sonate Nr. 32 op. 111 fiel auch der Einsatz von abwechslungsreicher Dynamik positiv auf.

Xinyue Yu und Leanne Hohl

Am Nikolausmorgen durfte sich die Fachjury über schokoladige und musikalische Leckerbissen freuen, bevor es an die Arbeit ging: Zunächst legte Dorothy Khadem-Missagh (31) aus Österreich professionelle Souveränität an den Tag, als sie nach anfänglicher Nervosität eine spannend gestaltete Interpretation von Beethovens Sonate in c-Moll op. 111 darbot. Marie Rosa Günter (Deutschland) erstaunte durch energische Töne und bewies dem Publikum und der Jury, dass sie dem Wettbewerbsflügel auch hohe Lautstärken entlocken kann. Mit den Sechs Bagatellen op. 126 lieferte die 24-Jährige einen energiegeladenen Auftritt. Hervorstechend in ihrer klanglich ausgewogenen Darbietung war Eugene Shon aus Kanada. Die 27-Jährige stellte in op. 111 das stimmliche Mit- und Gegeneinander gelungen heraus. Vor der Mittagspause konnte das Publikum noch das präzise Spiel der Südkoreanerin Sanghie Lee (30) genießen. Insbesondere die differenzierte Stimmenbehandlung in den fugischen Passagen der Sonate As-Dur op. 110 gelang überzeugend.

Den ersten Wettbewerbstag rundeten gestern Abend noch Filippo Gorini (Italien), Alexander Karpeyev (Russland) und Sheng Cai (Kanada) mit ihren Auftritten ab.

Leanne Hohl

Mehr von GA BONN