Oper Bonn: Rainald Grebe bei „Quatsch keine Oper“

Oper Bonn : Rainald Grebe bei „Quatsch keine Oper“

Rainald Grebe sinniert bei „Quatsch keine Oper“ in der Bonner Oper über sein „Elfenbeinkonzert“ und die Nöte der Künstler.

Als Künstler von heute hat man es wahrlich nicht leicht: In der Heimat soll man die Gesellschaft in der Mitte zusammenhalten, damit sie nicht aus Langeweile oder Verzweiflung oder vermeintlicher Überfremdung an die linken und rechten Ränder abdriftet, und im Ausland soll man das Bild einer geeinten Nation vermitteln, die stolz auf ihre Geschichte und ihre Kultur ist. Dabei ist doch noch gar nicht mal klar, was das Volk überhaupt will. Oder hört. Oder ist. Zumindest Rainald Grebe fühlt sich damit überfordert, zumal er auf Einladung des Goethe-Instituts ein Konzert an der Elfenbeinküste spielen soll, möglichst zusammen mit einem deutsch singenden afrikanischen Chor. Fragt sich nur, welche Lieder er dabei zu Gehör bringen soll. Also begibt sich der Kabarettist und leidenschaftliche Dadaist auf Spurensuche – und landet ausgerechnet beim Hip-Hop.

Laut Verkaufszahlen ist Hip-Hop in Deutschland populärer als jedes andere Genre und damit für Grebe die neue Volksmusik. Dabei gibt es nur ein Problem: Die fehlende Endreim-Reinheit, die für einen Poesie-Gladiator wie Grebe nun einmal das wichtigste Merkmal der Sprachwertschätzung darstellt. Bei "Die Da" war sie noch da, bei "Ahnma" nicht mehr. Doch wer hat's versaut? Der 48-Jährige will es wissen, sucht nach dem Missetäter (leider vergebens) und bei der Gelegenheit auch gleich nach jenem Werbekollektiv, das deutschen Klein- und Mittelstädten entweder austauschbare oder völlig peinliche Slogans unterjubelt. "Konstanz – die Stadt am H2O". Und dafür erhalten Agenturen auch noch Geld.

Dada und Gaga

Das kann Grebe einfach nicht verstehen. Zugegeben, er pflegt selbst auch gerne mal ein bisschen Dada und Gaga, aber nur im Rahmen der Kunst und beim "Elfenbeinkonzert" gar nicht. Stattdessen klärt er sein Publikum auf, spricht über Religion, Kolonialismus und die unterschiedlichen Abwandlungen des Struwwelpeters.

Auch die digitale Sphäre wird abgehandelt, indem Grebe Apps wie Snapchat und Musical.ly vorstellt, was leider ein wenig peinlich wirkt, trotz oder vielleicht auch gerade wegen selbsterstellter Akt-Bilder. Amüsanter ist da die Einspielung eines Robo-Fußballturniers, bei dessen Kommentierung Grebe sich in Rage redet. Herrlich.

Obwohl Grebe an dem ihm eigenen Stil nicht viel ändert, wie gewohnt mit genial-wahnsinnigem Nonsens und melancholischer Vergangenheits-Romantik jongliert und hinter dem scheinbaren Blödsinn einige tiefe Einblicke versteckt, lässt das "Elfenbeinkonzert" doch eine gewisse Leichtigkeit vermissen. Immerhin weisen aber der vertonte Besuch eines Mittelaltermarkts oder auch die balladesken Reminiszenzen an seine Jugend in Frechen die gewohnte Qualität auf. Dann nämlich kommt die Poesie wieder zum Tragen, die Grebe besser beherrscht als mancher Hip-Hop-Künstler. Inklusive Endreim. Dafür erhält er dann am Ende doch zu Recht tosenden Applaus.

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