Deutschland-Tour: Quartett Glasvegas spielt Konzert im Kölner Gebäude 9

Deutschland-Tour : Quartett Glasvegas spielt Konzert im Kölner Gebäude 9

Glasvegas, der wortspielerische Bandname steht für eine hybride Idee. Aus dem Gegensatz schottisch-folkiger Bodenständigkeit aus Glasgow und der oberflächlich-glamourösen Selbstdarstellung von Las Vegas soll etwas musikalisch Neues entstehen.

Zum Start der Deutschlandtour im nahezu ausverkauften Kölner Gebäude 9 überzeugte das Quartett um Frontmann James Allan, der mit zurückgegeltem Haar und schwarzer Lederjacke ein wenig wie die schmächtige Inkarnation von Joe Strummer aussah, jedoch nur ansatzweise.

Mit dem aktuellen Album "Later, When the TV Turns to Static" hatte die von einem typisch britischen Hype erfolgsverwöhnte Band, die bereits für U2 und zuletzt für Hurts das Vorprogramm bestritt, ruhigere, emotionalere Töne angeschlagen. Im Hinblick auf die Verkäufe hat Glasvegas damit aber offenbar die Erwartungshaltung vieler Fans enttäuscht.

Auf der Bühne wird nun hektisch die zuletzt eingeschlagene Richtung wieder revidiert, und man lässt es ordentlich krachen. Die neue Melancholie muss der alten Wut weichen. Stehend-Drummmerin Jonna Löfgren prügelt ihre männlichen Kollegen förmlich nach vorn. Beim dynamischen "Youngblood" klingt dies noch stimmig, aber letztlich haben die traurige Melancholie in der Stimme Allans sowie jeder Versuch, sensiblere Gefühlswelten differenziert zu intonieren, gegen die unbarmherzige Aggressivität von Gitarrensound-Wänden keine Chance.

Es bleibt die Frage, wer dem Mixer gesagt hat, dass große Gefühle einen grenzwertigen Schallpegel benötigen. Aufmunternder Applaus für "Geraldine" kann nicht kaschieren, dass Glasvegas letztlich viel Lärm um wenig machen. Erst bei den Zugaben stehen Glasvegas zu ihren Gefühlen. James Allen zeigt mit "Daddy`s Gone", wie leise Töne nachhaltige Wirkung erzielen. Viel zu spät.