Legendäre Band in Bonn: Procol Harum im Brückenforum

Legendäre Band in Bonn : Procol Harum im Brückenforum

Die Band Procol Harum elektrisiert das Publikum im Bonner Brückenforum – natürlich nicht ohne den größten Hit „A Whiter Shade of Pale“.

Vielschichtigkeit ist Trumpf. Zumindest für Procol Harum. Die britische Band hat schon Ende der 1960er Jahre mit komplexen Kompositionen zwischen Klassik und Bluesrock für Aufsehen gesorgt, auch wenn zwischen dem wuchtigen Sound von Deep Purple, dem Wahnwitz von King Crimson und dem an klassischen Referenzen reichen Spiel von Jethro Tull nur wenig Platz war.

Immerhin, einen Welthit hat das Quintett landen können, jenen Schmusesong mit einem der wohl berühmtesten Orgel-Intros der Rockgeschichte: „A Whiter Shade Of Pale“. Auf ihn warten sie bei Konzerten alle, auch im Brückenforum, wo Procol Harum 51 Jahre nach ihrer Gründung ihr neues Album „Novum“ vorstellt. Und dabei beweisen, dass sie mehr als nur den einen Pfeil im Köcher hat.

Tatsächlich klingt Procol Harum fast noch rockiger als in ihrer Blütezeit. Das druckvolle Schlagzeugspiel von Geoff Dunn trägt die Musik, gestützt vom Bass Matt Peggs, nach vorn, wo Gitarrist Geoff Whitehorn zwar in prominenter Position in der Mitte der Bühne wartet, aber eigentlich nur die zweite Geige spielt. Oder die dritte, wenn man die Orgel von Josh Phillips berücksichtigt, die zwar nur in wenigen Songs dominant wird, aber omnipräsent ist und für den markanten Procol-Harum-Sound sorgt.

Klassiker „A Salty Dog“

Und auch wenn Whiteborn immer wieder ein Solo spielen darf, geht der Blick doch stets zu Phillips – und zur anderen Seite der Bühne, wo Gary Brooker am Klavier sitzt und die Verse mit beeindruckender Energie schmettert. Ja, die Stimme des letzten verbleibenden Gründungsmitglieds hat sich ziemlich verändert, hat die Geschmeidigkeit in den Höhen eingebüßt und dafür eine raue Kantigkeit gewonnen. Das Charisma ist jedoch noch immer vorhanden, ebenso wie der augenzwinkernde Witz und die Vorliebe für das Surreale, die die Band eint.

Bei dem Klassiker „A Salty Dog“ ahmt die Gitarre Möwenschreie nach, bei dem noch älteren „Homburg“ sind die Effekte und Einwürfe gar Legion. Und bei dem fast schon parodistischen „Grand Hotel“ mäandert die Band irgendwann gar in Richtung russischer Tango. Die neuen Stücke können da nicht ganz mithalten, sind schlichter gehalten, wenn auch dadurch nicht weniger schön. „Neighbours“ ist vor allem textlich herrlich schräg, während „The Only One“ eine zarte Ballade mit jener sanft singenden Gitarre ist, die einst als eines der Markenzeichen von Procol Harum galt.

Nach gut zwei Stunden ist es dann aber doch Zeit für „A Whiter Shade of Pale“ mit der berühmten, an Johann Sebastian Bach angelehnten Orgelpassage. 1967 war dies der unerwartete Durchbruch für die Band, und auch wenn sie seitdem immer wieder versucht hat, den barocken Geist jenes Liedes einzufangen (zuletzt bei „Sunday Morning“ auf Basis des Pachelbel-Kanons), ist die Hymne bis heute doch ein Solitär.

Aber einer, der trotz einer gewissen Patina immer noch hervorragend funktioniert. Gut, Frontmann Gary Brooker muss inzwischen ein wenig tiefer ansetzen als früher, doch die Energie ist noch da, die Kraft und die Dramatik, mit der die Band damals wie heute zu faszinieren weiß. Das Publikum feiert die Band denn auch am Ende mit stehenden Ovationen und teilt den Wunsch Brookers auf weitere 50 Jahre Procol Harum. Mindestens.

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