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„Pilgerfahrt zu Beethoven“: Brandauer liest auf dem Petersberg

Musikalische Lesung auf dem Petersberg : Brandauer liest aus „Pilgerfahrt zu Beethoven“

Klaus Maria Brandauer hat auf dem Petersberg aus Richard Wagners „Pilgerfahrt zu Beethoven“ gelesen. Pianist Arno Waschk sorgte bei der ungewöhnlichen Erzählung für die Musik.

Er kommt, sieht und liest. Der Wiener Schauspieler Klaus Maria Brandauer betritt die flache Bühne der vollbesetzten Rotunde im Hotel Petersberg, nimmt still Platz und blickt in seinen Text. „Not und Sorge, du Schutzgöttin eines deutschen Musikers, hältst treu zu mir, hast mich nie verlassen.“ Mit diesen Zeilen beginnt eine recht ungewöhnliche Erzählung, deren Autor sich als brotloser Künstler aus Leipzig zu erkennen gibt. Er habe Sonaten nach dem Vorbild Beethovens komponiert, nachdem er zum ersten Mal die Originale gehört hatte, schreibt der junge Richard Wagner. Nach diesem Schlüsselerlebnis sei in ihm der Entschluss gereift, ein richtiger Musiker zu werden. Unbedingt wolle er sein Idol Ludwig van Beethoven in Wien besuchen. Das aber kostet Geld, und so finanziert sich Wagner die Pilgerfahrt mit der Komposition einfacher, aber populärer Tanzmusikstücke.

Brandauer hat einen Pianisten mitgebracht: Arno Waschk, 1973 in München geboren, zelebriert am Flügel mit maßvollem Temperament ein Allegretto in Des-Dur – den zweiten Satz der Mondscheinsonate. Das Publikum lauscht mit Andacht dem Intermezzo und bleibt gespannt auf den Fortgang der sonderbaren Geschichte, die sich schwer einordnen lässt. Hat Wagner (1813-1883) tatsächlich Beethoven (1770-1827) getroffen?

Richard Wagners „Pilgerfahrt zu Beethoven“ fristet seit Dekaden unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung ein Schattendasein und spielt auch in der Musikwissenschaft keine große Rolle. „Ich bin dem Wagner selbst auf den Leim gegangen, als ich seine Novelle zum ersten Mal in der Hand hielt“, gibt die Münchener Konzertveranstalterin Kari Kahl-Wolfsjäger am Rande der musikalischen Lesung auf dem Petersberg zu verstehen. „Dieser Text wirkt derart authentisch, dass man annehmen muss, das alles habe sich so zugetragen.“ Brandauer pflichtet seiner Agentin bei: „Wagner war halt ein guter Schauspieler“, sekundiert der Charakterdarsteller, der mit „Mephisto“ (1981) und „James Bond – Sag niemals nie“ (1983) auch im Kino Karriere gemacht hat.

Authentisch an Wagners Text sind einige historische Umstände. Er lebte 1840 als mittelloser Künstler in Paris, brauchte Geld – und schrieb für eine Musikzeitschrift die Novelle „Eine Pilgerfahrt zu Beethoven“, deren fiktive Handlung er in die Zeit seiner Jugend und Künstlerwerdung datierte. Ein legitimer Kunstgriff.

In der Novelle, die Brandauer in vier kurzweiligen Etappen rezitiert, marschiert Wagner jedenfalls nach Wien, lernt unterwegs einen britischen Komponisten kennen, der ebenfalls den Beethoven treffen will. Doch der Meister lässt sich lange bitten. Man mietet sich in der Nachbarschaft ein. Wagner schüttelt den lästigen Engländer ab und findet schließlich „Gehör“ beim allerdings tauben Beethoven.

Die Kommunikation findet mit Stift und Papier statt, und es entwickeln sich hochinteressante Dialoge vorzugsweise über die Musikmoden der Zeit. Die Oper kommt dabei ob ihrer Arienlastigkeit besonders schlecht weg.

Der „gute Schauspieler Wagner“ (Brandauer) nutzt Beethoven als Medium. „Wer heutzutage ein wahrhaftes Musikdrama macht, wird davongejagt“, legt er seinem Idol in den Mund. Beethoven doziert über die „menschliche Stimme, die die Empfindungen des Herzens repräsentiert“. Er werde deshalb eine Sinfonie mit Chören schreiben, kündigt Beethoven an. Den Text habe er bereits, eine Ode von Schiller. Beethoven würde gern weitere Treffen arrangieren, doch der junge Kollege will zurück nach Leipzig. Die Arbeit ruft. Pianist Arno Waschk setzt zum furiosen Finale an und spielt Opus 111, Beethovens letzte Klaviersonate. Das Publikum erhebt sich zum lang anhaltenden Applaus.

Gelungener Abend

Ein überaus gelungener Abend – und als Beitrag zum Jubiläumsjahr mehr als würdig. Die „Pilgerfahrt zu Beethoven“ gewährt, wenn auch nur fiktiv, einen inspirierenden Einblick in geistige Strömungen des 19. Jahrhunderts und in die frühe Rezeption der Beethoven-Werke. Dargeboten von zwei exzellenten Künstlern, die in einer schlanken Präsentation ein Maximum an Wirkung erreichen.

In der Konzertreihe „Auf den Spuren von Beethoven“ präsentiert Organisatorin Kari Kahl-Wolfsjäger am 25. Januar (18 Uhr) auf dem Petersberg das Ensemble Salzburger Hofmusik, das auf historischen Instrumenten die Sopranistin Susanne Bernhard und den Bassbariton Daniel Kotlinski begleitet.

Am 2. Februar (18.30 Uhr) stehen unter dem Titel „Beethoven – Der erste Europäer“ internationale Lied­interpretationen im Mittelpunkt. Es singen die junge Sopranistin Sonja Isabel Reuter, der Tenor Sung Min Song und Bassbariton Daniel Kotlinski.