Pierre-Laurent Aimard spielt und dirigiert Beethovenfest-Sonderkonzert

Pierre-Laurent Aimard spielt und dirigiert Beethovenfest-Sonderkonzert

Der französische Pianist führt am Freitag drei Klavierkonzerte mit Chamber Orchestra of Europe in Bonn auf

Bonn. Der eine gilt als Streiter für die Moderne, der andere als Ikone der historischen Aufführungspraxis. Was passiert eigentlich, wenn sich zwei Persönlichkeiten solch unterschiedlicher Herkunft zum Gipfeltreffen mit Beethoven verabreden?

Der französische Pianist Pierre-Laurent Aimard und der österreichische Dirigent Nikolaus Harnoncourt haben es vor ein paar Jahren gewagt und in Graz sämtliche fünf Klavierkonzerte Beethovens aufgeführt. Ein Ereignis, das von Publikum und Kritik bejubelt und glücklicherweise für die CD mitgeschnitten wurde, für die es 2004 sogar einen "Echo" gab.

Nach Ansicht von Aimard, der am Freitag in einem Sonderkonzert des Beethovenfests die ersten drei Klavierkonzerte, vom Klavier aus dirigierend, gemeinsam mit dem Chamber Orchestra of Europe in Bonn aufführen wird, war die Konstellation Aimard/Harnoncourt gar nicht so ungewöhnlich oder gar exotisch.

Karten-Information Karten für das Sonderkonzert des Beethovenfests mit Pierre-Laurent Aimard und dem Chamber Orchestra of Europe am Freitag, die ab 20 Uhr in der Beethovenhalle Beethovens Klavierkonzerte Nr.1-3 aufführen, gibt es in den GA-Ticketshops.

Die Konzerte Nr. 4 und 5 stehen am 29. September während des Beethovenfests auf dem Programm. Von den 75 Veranstaltungen des Festivals sind vier Tage nach dem Vorverkaufstart bereits 13 Konzerte ausgebucht."Ich fand nicht, dass wir aus zwei unterschiedlichen Welten kommen. Ich habe die Zusammenarbeit als eine Zeit erfahren, in der wir sehr glücklich miteinander waren, diese Musik zu machen", sagt Aimard in fließendem Deutsch. "Ich würde gar nicht sagen, dass ich von der neuen Musik herkomme.

Ich habe immer Beethoven gespielt, früher sogar als Boulez und Stockhausen." Dass er viele zeitgenössische Werke im Repertoire hat, findet Aimard "normal und notwendig". Das versucht der in Köln und Paris unterrichtende Musiker immer auch seinen Schülern zu vermitteln.

Verständnis für die Ignoranz, die viele seiner Kollegen der Musik nach Rachmaninow entgegenbringen, hat er deshalb nur wenig. Das hat auch mit seiner Herkunft zu tun. Aimards künstlerische Prägung ist entscheidend beeinflusst durch die Begegnung mit zeitgenössischen Komponisten.

Der 1957 in Lyon geborene Musiker studierte unter anderem bei Yvonne Loriod und entwickelte sich bald zu einem der bedeutendsten Interpreten der Klaviermusik ihres Mannes, des Komponisten Olivier Messiaen.

Auch Pierre Boulez wurde aufmerksam auf das Talent des jungen Musikers, den er zum Ersten Solopianisten des Ensembles Intercontemporain berief. Da war Aimard gerade erst 19 Jahre alt. In den vergangenen drei Jahrzehnten spielte er zahlreiche Uraufführungen unter anderem von Karlheinz Stockhausen, Boulez oder Györgi Ligeti, dessen Gesamtklavierwerk er für die CD aufgenommen hat.

Und als neuer künstlerischer Leiter des von Benjamin Britten gegründeten Aldeburgh Festivals in England lädt er natürlich auch Zeitgenossen ein. In diesem Jahr unter anderem den 100-jährigen amerikanischen Komponisten Elliott Carter.

Es wäre natürlich eine interessante Frage, ob er die Erfahrung aus dem persönlichen Umgang mit heutigen Komponisten auch für den Umgang mit Beethoven, Schumann oder Bach nutzen könne und sich ihnen vielleicht dadurch näher fühle. "Nein", antwortet Aimard knapp.

"Aber vielleicht kann man ein bisschen über die Verbindung von Schöpfer und Werk lernen." Ein guter Interpret von klassischen Werken müsse nicht nur die Epoche genau studiert haben, sondern sich auch bewusst sein darüber, dass er ein im 20. oder 21. Jahrhundert ausgebildeter Mensch sei, der sich mit der Welt auseinandersetze, wie sie heute sei.

"Beethoven gut zu interpretieren heißt nicht, unsere Epoche zu ignorieren." Wenn er die Klavierkonzerte jetzt in alleiniger künstlerischer Verantwortung aufführt, will er zwar nicht ausschließen, dass noch einiges von der Begegnung mit Harnoncourt nachwirkt: "Wissen Sie, man lernt von den Meistern.

Das trägt man auch weiter in sich." Aber nicht weniger ausgeprägt ist für ihn der "Wunsch nach ,Tabula rasa?". Deshalb sei die Neubegegnung mit den Werken für ihn auch ihre Neugeburt.

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