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Konzert: Pianist Martin Stadtfeld in der Kölner Philharmonie

Konzert : Pianist Martin Stadtfeld in der Kölner Philharmonie

Der junge Pianist Martin Stadtfeld versuchte in der Kölner Philharmonie, Felix Mendelssohn-Bartholdys 1. Klavierkonzert (g-Moll op. 25) in ein neues Gewand zu kleiden.

Nach dem Orchester-Crescendo der ersten Takte, von der "Academy of St. Martin in the Fields" unter Leitung des jungen David Afkham spannend gestaltet, erwartete man vom Pianisten zunächst kräftigen Oktavendonner und feuriges Diskant-Glitzern, wie man es von den Großen der Zunft, von Serkin bis Lang Lang, seit jeher gewohnt ist.

Stadtfeld allerdings enthielt sich aller Effekte, ging weder im Kopfsatz noch im Finale (außer kurz vor Schluss) im Anschlag über ein Mezzoforte hinaus. Die Wirkung verblüffte. Andererseits hatte der jugendliche Komponist sich den wahrlich nicht vor tieferer Bedeutung überquellenden Solopart selbst auf den Leib geschrieben - eben um Furore zu machen.

Was bleibt also von diesem Konzert, wenn dieser Aspekt ganz herausgefiltert wird? Stadtfelds kühner Deutungsversuch bleibt gleichwohl aller Ehren wert, zumal sich beim genauen Hinhören sehr wohl erschloss, dass jeder Ton an der richtigen Stelle saß.

Eine so unfehlbare Geläufigkeit, gleichsam im Verborgenen, ist schon eine Kunst für sich. Es wäre auch ein Missverständnis, dem jungen Westerwälder die romantisch-ungestüme Ader absprechen zu wollen; er hat vor nicht allzu langer Zeit etwa mit dem 1. Klavierkonzert von Brahms bewiesen, dass er sie im Überfluss besitzt.

Auch die Intensität des langsamen Mendelssohn-Satzes, der hier nun zum zentralen Höhepunkt avancierte, verriet ganz viel "Seele". Eine freilich noch geeignetere Materie hierfür war die Zugabe: Bachs Choral "Nun komm, der Heiden Heiland" in Busonis "naturbelassener" Klavierfassung. Einfach schlicht und ergreifend.

Der Dirigent des Abends machte mit Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 1 und der 2. Sinfonie von Brahms (D-Dur op. 73) ebenfalls auf sich aufmerksam, auch wenn unverwechselbares Profil sich im Lauf der Zeit noch stärker heraus kristallisieren müsste. Die tadellose "Academy" brillierte zum Schluss mit dem 5. Ungarischen Tanz von Brahms.