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Konzert von Grace Jones in Köln: Performance und Provokation

Konzert von Grace Jones in Köln : Performance und Provokation

Im E-Werk in Köln entspricht Grace Jones allen Erwartungen – und übertrifft sie sogar noch. Das E-Werk tanzt und tobt, fiebert und feiert, gibt sich ganz und gar dem Rausch und dem Sog dieses Abends hin.

Als Grace Jones 1977 für ihr Debütalbum „Portfolio“ Edith Piafs „La vie en rose“ interpretierte und dabei so viel Erotik hineinpumpte, dass dagegen ein ganzes Rotlichtviertel ausgesprochen farblos wirkte, wird sie sicher nicht geahnt haben, was ihr fast 40 Jahre später widerfahren würde. Mittwochabend eröffnet sie als Top-Act im restlos ausverkauften E-Werk das „Electronic Beats Festival Cologne“ – das von einem Telekommunikationsanbieter präsentiert wird, der sich als Markenzeichen ausgerechnet ein knalliges Rosa erkoren hat.

Als Ikone perfekt in Szene gesetzt, entspricht die in Jamaika geborene und in den USA aufgewachsene Künstlerin allen Erwartungen – und übertrifft sie noch. Ihre energiegeladene 90-minütige Show ist eine Mixtur aus Performance und Provokation, Musikereignis und Maskenball, Ethno-Revue und der Erkenntnis, dass hier ein zeitloses Wunder am Werk ist. Zu jedem ihrer zwölf Stücke trägt Jones ein anderes Kostüm, hüllt sich in wallende Umhänge, führt fantastische Kopfbedeckungen vor und spielt immer wieder mit den Geschlechterrollen.

Bei „My Jamaican Guy“ präsentiert sie einen umgeschnallten Dildo, bei „Slave To The Rhythm“ sind die Brüste über der Korsage nur mit pinkfarbener Farbe bedeckt, um ihre Hüften rotiert ein Hula-Hoop-Reifen. Noch immer hat ihre Stimme dieses einzigartige Timbre, noch immer bewegt sie sich mit der Anmut eines Raubtiers, noch immer faszinieren Stücke wie „Nightclubbing“, „I've Seen That Face Before (Libertango)“ oder „Love Is The Drug“. Sie einen die Wiedergänger aus den 1980ern, die hier ihre Jugend noch einmal durchleben, und die jungen Electrofans, die damals noch nicht geboren waren.

Pulsierende Bässe, wehmütige Tangoklänge und afrikanische Rhythmen, New Wave in feiner Dosierung, viel Reggae und mehr als nur eine Prise Gospel bei „William's Blood“. Das E-Werk tanzt und tobt, fiebert und feiert, gibt sich ganz und gar dem Rausch und dem Sog dieses Abends hin. Fast so, als hätte das einstige Topmodel der „Vogue“, das früher die ungekrönte Königin des Studio 54 war und auf der Leinwand weder Conan, den Barbaren noch James Bond fürchtete, schon jetzt Geburtstag. Doch der ist erst um Mitternacht. Angeblich soll Grace Jones da 68 Jahre alt werden. Niemand, der sie in Köln erlebt hat, glaubt das.