Breites Echo auf Nimptsch-Essay: Opern-Ehe in der Kritik

Breites Echo auf Nimptsch-Essay : Opern-Ehe in der Kritik

Ein breites Echo auf den kulturpolitischen Essay von Jürgen Nimptsch gab es in Bonn. Die Politik reagiert zumeist irritiert. Und als hätte er es geahnt: Der Deutsche Kulturrat hat am Freitag das Wort "Kulturinfarkt" als Unwort des Jahres vorgeschlagen.

Das Wort entwickele sich derzeit zum geflügelten Wort für alle, die Kulturabbau betreiben wollten. Das Wort ist in aller Munde, auch in Bonn. "Wider den Kulturinfarkt" nennt OB Jürgen Nimptsch einen kulturpolitischen Essay, der mit seiner Veröffentlichung und den Thesen zu einer Köln-Bonner Opernfusion ein breites Echo ausgelöst hat.

Klaus-Peter Gilles, Chef der Bonner CDU-Fraktion, gibt Nimptsch zum Teil recht: "Angesichts der Finanznöte ist es richtig, auch über neue Strukturen und interkommunale Zusammenarbeit nachzudenken, und zwar intensiver, als das bisher der Fall war. Insofern begrüße ich alle Bemühungen, die in diese Richtung gehen."

Gilles' Kritik setzt woanders an: Man dürfe nicht an der Oberfläche bleiben, "sondern muss sich intensiv mit den Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken der in Frage kommenden Handlungsoptionen befassen", sagte er dieser Zeitung. "Hierzu braucht man Sachverstand", meint er. Gilles verweist auf die "vielen Kulturexperten" an den Runden Tischen. Die Koalition stehe zu den Eckpunkten, die man im Zusammenhang mit dem Intendantenvertrag beschlossen habe.

"Nimptsch muss sich fragen lassen, ob er mit seinem Verhalten, der Verantwortung als erster Repräsentant dieser Stadt noch gerecht wird", heißt es in einer gemeinsamen, von Gilles und der Grünen-Vorsitzenden Doro Paß-Weingartz herausgegebenen Erklärung. "Wir werden den OB auffordern, in der nächsten Sitzung der Kulturkommission zu erläutern, wie er mit seinem Verhalten dieses Gremium als ihr Vorsitzender noch angemessen repräsentieren will.

"Unprofessionelles Vorgehen"

Wenn er auch zukünftig seinen Beitrag mit unabgestimmten Alleingängen leisten will, ist er in dieser Funktion nicht mehr tragbar." Es sei nicht nur unprofessionell, derart unbelegte und nicht zu Ende gedachte Vorschläge via Presseamt in der Öffentlichkeit zu platzieren, "sie verstoßen auch gegen geltende Ratsbeschlüsse und Aufträge und konterkarieren die ohnehin schon schwierige Arbeit des Kulturdezernenten, der Intendanten und der Mitglieder der Runden Tische", heißt es.

Peter Finger, Fraktionssprecher der Grünen, sagte: "Es ist typisch OB: Der grätscht rein, ohne auf die Folgen zu achten" und bewege sich "jenseits aller Fachdiskussionen". Einen Gesamthaushalt könne man nicht mit "wilden Einzelaktionen" in den Griff bekommen.

"Ich verstehe den Essay des OB als Denkanstoß", meinte Bärbel Richter, Vorsitzende der SPD-Fraktion. Die Kulturkommission arbeite an dem Thema, und auch der neue Intendant habe bereits Kooperationen angekündigt. "Bei den Sparzwängen, die uns alle betreffen, darf nicht zwischen erlaubtem und unerlaubtem Weiterdenken unterschieden werden", sagte Richter, "wir müssen gemeinsam überlegen, wie der Erhalt von eigenständiger Kultur in Bonn auch mit weniger Geld gewährleistet werden kann."

Da sollten nicht immer direkt allergische Reaktionen auftreten, wenn - auch öffentlich - in unterschiedliche Richtungen gedacht werde. "Die kommenden Beratungen in der Kulturkommission, an den Runden Tischen, im Kulturausschuss und letztlich im Rat werden zeigen, wohin die kulturpolitische Reise in Bonn geht."

Diskussion mit Beschäftigten

Äußerst skeptisch beurteilt FDP-Kultursprecher Wilfried Löbach die von OB Nimptsch vorgeschlagene Fusion: "Kürzung der Kulturmittel in Bonn bei gleichzeitiger Opernverschmelzung von Bonn und Köln läuft darauf hinaus, mit gutem Bonner Geld die Kölner Hochkultur zu subventionieren. Der von ihm befürchtete Kulturinfarkt wird vielleicht so verhindert, aber nur in Köln." Zu den vom OB erwarteten Einsparpotenzialen meinte Löbach: "Wir sind nicht so optimistisch zu glauben, dass die eingesparten Mittel bei jemand anders als beim Kämmerer landen." Der Essay hätte, so der FDP-Mann, zuerst in der Kulturkommission diskutiert werden sollen.

Die Linke im Rat hält es für es legitim, öffentlich darüber nachzudenken, wie sich Oper und Theater in Zeiten knapper Kassen neu aufstellen können. Nicht legitim sei, den Eindruck zu erwecken, "dass Subventionen für Eintrittskarten in Höhe von 150 Euro maßlos wären".

Fraktionssprecher Jürgen Repschläger dazu: "Das Geld fließt ja nicht in Theatersitze oder Eintrittskarten, von diesem Geld leben Schauspieler, Bühnentechniker, Maskenbildnerinnen, der ganze Verwaltungsapparat und viele andere, die beruflich mit Theater und Schauspiel zu tun haben. Diese Menschen leben in Bonn, gehen einkaufen, zahlen Mieten und nicht zuletzt Steuern." Das bedeute, dass die Diskussion mit den Beschäftigten geführt werden müsse.

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