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"Wider den Kulturinfarkt": OB schaltet sich mit Essay ein

"Wider den Kulturinfarkt" : OB schaltet sich mit Essay ein

Mit einem Essay hat sich OB Jürgen Nimptsch mitten in der heißen Phase von Martin Schumachers Kulturkonzept und mitten in einer Opernfusionsdebatte zwischen Köln und Bonn, respektive Köln und Düsseldorf eingeschaltet.

  • "Wider den Kulturinfarkt", so heißt der Essay, startet recht bodenständig mit Nimptschs Besuch beim Hausarzt, der dem OB gegen das Infarktrisiko maßhalten empfiehlt. Ob das auch für die Kultur gelte, fragt Nimptsch sich. Maßhalten war für Bonn nie ein Thema, fährt er anekdotenreich fort und rechnet vor, wie insbesondere die Oper in Hauptstadtzeiten zur gurt alimentierten "Scala am Rhein" wurde. Bonn habe sich daran gewöhnt, sei vielleicht verwöhnt.
  • "Wichtig ist nur eines: Wir wollen keinen 'Kulturinfarkt', sondern die im Schauspiel Bonn derzeit erreichte Qualität der Aufführungen halten. Die zentrale Frage lautet: Wie kann das gelingen?" Das ist einer der Leitgedanken in Nimptschs Essay. Ein weiterer ist: "Ich gehe davon aus, dass eine weitere Erhöhung der Zuschüsse in der überschaubaren Zukunft hier wie dort nicht möglich sein wird. Wer Qualität aber ohne neue Verschuldung sichern will, muss alle anderen Wege prüfen." Zwischen den Zeilen bedeutet das, dass in Zukunft davon abgerückt würde, beim Theater die Tariferhöhungen aufzufangen oder die Inflationsrate auszugleichen. Der Netto-Kulturetat würde sinken.
  • Nimptsch rechnet vor: "Bonn hat mehr als 1,4 Milliarden Euro Schulden und gibt derzeit einen Zuschuss in Höhe von etwa 58 Millionen Euro für den gesamten Kulturbereich aus. Das entspricht 184 Euro pro Einwohner, im Städtevergleich ein Spitzenwert. Davon entfallen 29,3 Millionen Euro auf das Theater Bonn (Oper, Schauspiel, Tanzgastspiele). Der Zuschuss soll nach der mittelfristigen Finanzplanung auch 2016 noch 28,4 Millionen Euro betragen."
  • Die soziale und sportpolitische Komponente in Nimptschs Essay: "Die Enkel zahlen derzeit die Eintrittskarte ihrer Vorfahren, die in der Oper mit rund 150 Euro Abend für Abend subventioniert wird, während aktuell das Geld kaum reicht, um die erforderliche Zahl von Kindergartenplätzen zu schaffen, und die Zuschüsse für Sportvereine - auch im Vergleich mit anderen Städten - zu gering sind. Das kann nicht so bleiben."
  • Zur Opernkooperation schreibt er: "Unterstellen wir einmal, dass eine leistungsfähige Oper von Weltniveau, die 'Rheinische Oper Köln-Bonn' mit zwei Spielstätten in Köln und Bonn, 40 Millionen Euro benötigen würde; das wären immerhin etwa fünf Millionen Euro mehr, als die Deutsche Oper am Rhein für ihre Spielstätten in Düsseldorf und Duisburg (noch) zur Verfügung hat."
  • Nimptsch sieht da Sparpotenzial: "Bei einer sich an der Einwohnerzahl orientierenden Aufteilung der Gesamtsumme für die 'Rheinische Oper Köln-Bonn' würde auf mittlere Sicht in Bonn ein namhafter Betrag für andere Bereiche frei. Der Fantasie, wie die eingesparten Mittel umgelenkt werden könnten, sind keine Grenzen gesetzt: Beethoven, Sport, 'Freie Kulturszene', Theater... . Und natürlich würden wir einen Teil auch dafür einsetzen, Schulden abzubauen, denn das übergeordnete Ziel lautet schließlich, nur so viel Geld auszugeben, wie wir auch haben."