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Jazz beim Beethovenfest: Nordische Impressionen mit dem Emil Brandqvist Trio

Jazz beim Beethovenfest : Nordische Impressionen mit dem Emil Brandqvist Trio

Es ist inzwischen zu einer schönen Tradition beim Beethovenfest geworden, ein paar Programmpunkte an den Jazz zu vergeben.

Wie unterschiedlich die Wälder in Schweden und Finnland rauschen, welche romantischen, respektive bedrohlichen Emotionen sie freisetzen und wie sich diese diametralen Biotope in Jazzmusik artikulieren – das war eine von vielen Entdeckungen an einem starken Abend mit dem Emil Brandqvist Trio am Donnerstag in der Endenicher Harmonie. Es ist inzwischen zu einer schönen Tradition beim Beethovenfest geworden, ein paar Programmpunkte an den Jazz zu vergeben – ohne sich um die Frage zu scheren, ob das nun zum Festivalmotto passt oder nicht. „Schicksal“ heißt es in diesem Jahr. Unberührt davon agierte das exzellente Trio des Schweden Brandqvist mit einer betörenden Leichtigkeit. Und auch das wunderbare Omer Klein Trio am kommenden Donnerstag in der Harmonie wird sich mutmaßlich nicht dem Schicksalsmotto unterwerfen.

Der Schlagzeuger Brandqvist (37) hatte nicht nur seine „alten Freunde“ und Mitspieler Tuomas Turunen (Piano) und Max Thornberg (Bass) dabei, sondern auch Stücke der aktuellen CD „Within a Dream“ und zwei Vorgängeralben. Wobei man anmerken muss, dass dieses Trio auf CD schon ein Ereignis ist, live aber eine unglaubliche zusätzliche Präsenz und Magie entfaltet. Wie diese drei Freunde interagieren, sich gegenseitig Freiräume geben, einander unterstützen, sich mal weit entfernen und dann ganz deutlich spüren lassen, wie nah sie sich und den Kompositionen Brandqvists sind, ist schlicht faszinierend.

Der Abend startete mit sehr persönlichen Stücken: „Stay a Little Longer“ mit herrlich sanftem Piano-Einstieg, Besen, die das Schlagzeug streicheln, und sehr zurückgenommenen, wie beiläufig gesetzten Bass-Tönen ließen das Publikum nicht nur vom eigenen Alltag entrücken, sondern gaben einen Einblick in den Alltag der Brandqvists, wo der zehnjährige Sohn bettelt, der Vater möge noch etwas länger bleiben und vorlesen.

Dann ging es in „Starlings“ um den Flug der Stare oder wahlweise um die Laufwege von Brandqvists zweitem fußballspielenden Sohn. Ein Wechsel von chaotisch anmutenden Momenten und fein strukturierten Passagen.

Turunens Piano, das subtile und vielschichtige Schlagzeug und der sehr differenziert gezupfte Bass führten das Publikum verträumt und verspielt durch den „Skog“, was auf Schwedisch Wald heißt, um es dann in „A Day in Memories“ gar nicht mystisch, sondern aggressiv, bedrohlich, düster mit den finnischen Wäldern zu konfrontieren. Den Kontrast zu dieser Welt der Trolle und Feen, der Naturgewalt und urigen Wucht bildete die zarte Ballade „Grimsholmen“, ein eingängiger, lockerleichter Reflex auf Brandqvists Kindheitserinnerungen aus dem Norden. Mit einem kräftigen, eher in den Südstaaten der USA lokalisierbaren Blues setzte das Trio erneut einen tollen Akzent.

In „Soaring“ aus dem Album „Falling Crystals“ wuchs Turunen mit ausgedehnten Läufen über sich hinaus, Thornberg glänzte vor allem in „Landscapes“ und in dem volksliedhaften „Frid“. Hier und in „Havsanemon“ (Seerosen) vom Album „Seascapes“ manifestierte sich die ganze Dynamik des Trios mit einer Skala von ungestümer Wildheit bis totalem Relaxen.

In den Zugaben ging es noch einmal – klanglich sehr spannend und experimentell – in den Wald und dann mit einem sehr zarten, langsamen Walzer in die Nacht.

Aktuelle CD: Emil Brandqvist Trio „Within a Dream“ (Skip Records).