Swisttaler Architekt: Nikolaus Bienefeld stellt in Bonn aus

Swisttaler Architekt : Nikolaus Bienefeld stellt in Bonn aus

Der Swisttaler Architekt Nikolaus Bienefeld stellt mit in der Bonner Gesellschaft für Kunst und Gestaltung. Zu sehen ist "Raum, Farbe, Bild und Möbel" bis zum 22. Oktober.

Dieser schön proportionierte Raum am Ende der steilen, geraden Treppe am Hochstadenring 22 hat schon etliche Metamorphosen erlebt. Er war bloße Hülle, Gefäß für die Kunst, wurde selbst zum Akteur, ist immer wieder durch originelle Eingriffe verändert worden und machte damit der Institution Gesellschaft für Kunst und Gestaltung (gkg) alle Ehre.

Der Swisttaler Architekt Nikolaus Bienefeld liefert nun in der aktuellen Schau „Raum, Farbe, Bild und Möbel“ eine besonders gelungene Intervention ab. Indem er sich als bauender Architekt eher zurücknimmt und den vorgefundenen Raum mit Mitteln der Malerei analysiert, teilweise dekonstruiert und künstlerisch kommentiert. Da setzen sich der graue, betonfarbene Linoleumboden und die breiten grauen Sockelleisten in Gestalt von flüchtiger, absichtlich nicht deckender, in Schichten aufgetragener Malerei mit Naturpigmenten – graue Schiefer-Erde – an den Wänden fort. Im Gegenzug findet die mitten im Raum stehende Trennwand eine Fortsetzung auf dem Boden in Gestalt eines weißen Streifens.

Fertigfarbe aus dem Baumarkt ist für ihn kein Thema

An den Wänden hängen Gemälde wie das rotbraune „Englisch Rot/Gebrannte Siena“ oder die weißen Reliefs der „Marmormehl“-Serie. Die Titelbezeichnung entspricht jeweils den verwendeten Materialien. Die Wertigkeit ist Bienefeld wichtig, Fertigfarbe aus dem Baumarkt sei für ihn kein Thema, sagt er. Die Oberflächen sind etwas rau, die Farben samtig- stumpf, gehaltvoll und satt. An einer Wand hängen Bilder mit sehr hellen, strahlenden Farben – sie dokumentieren eine Wandgestaltung in Münster aus farbigem Glas.

Die Ausstellung demonstriert eindrucksvoll, wie Bienefeld mit dem Raum umgeht, wie er den Wänden ihre Geschlossen- und Kompaktheit nimmt und sie gleichsam aktiviert. Als Architekt hat er etliche Raum- und Wandgestaltungsprojekte realisiert, auch das Mobiliar passend dazu entworfen. Ein paar Hocker und Beistelltischchen sind in der gkg zu sehen: sehr einfaches, klar geometrisch aufgebautes Mobiliar ohne Schnickschnack. Bienefeld empfiehlt, Platz zu nehmen. Und siehe da: Man nimmt die Schau mit anderen Augen wahr. „Das rechtfertigt die Möbel in einer Malereiausstellung“, sagt Bienefeld knapp.

Die einfache Gestalt der Hocker und die lapidare Malerei gehen gut zusammen. Ebenso simpel, von berückender formaler Klarheit und materieller Solidität und Ehrlichkeit sind die Backsteinhäuser, die Bienefeld konstruiert und im Inneren dann mit Wandmalerei auflädt. Leider zeigt die gkg davon nichts. Auch ein Überblick über die Möbelkunst des Architekten fehlt. Das ist ein echter Mangel der ansonsten gelungenen, von Andreas Denk kuratierten Schau.

Der Besucher der Ausstellung muss auf die geplante Exkursion zu Bauten und Räumen Bienefelds hoffen, um seinen Horizont zu erweitern. Der Termin wird noch bekannt gegeben. Bis dahin lohnt sich der Blick auf Bienefelds Homepage, die insbesondere Architektur und Wandgestaltung breit dokumentiert

„Architektur ist für mich Malerei und umgekehrt“, erklärt Bienefeld und erläutert diese engen Beziehungen anhand seiner Vita: In Düsseldorf hatte er Malerei und Bildhauerei bei Jan Dibbets studiert. Als sein Vater, der Architekt Heinz Bienefeld, überraschend starb, musste der Sohn Nikolaus 1997 das Architekturbüro übernehmen.

Er hat sich in die Materie reingearbeitet. In einem Fragebogen der TH Köln, wo er 2014 zum Professor berufen wurde, verrät er: „Entwerfen in der Architektur begeistert mich, weil es alle Bereiche des Lebens maßgeblich prägt. Die Möglichkeiten zur Beantwortung von Fragestellungen im Detail sind vielfältig, wenn nicht unendlich.“

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