Kommentar zum Beethovenfest: Nike Wagner in der Kritik

Kommentar zum Beethovenfest : Nike Wagner in der Kritik

Die Intendantin des Bonner Beethovenfests ist ins Visier der überregionalen Presse geraten. Kritisiert werden Programm und Wirkung des Festivals. Ein Kommentar von Ga-Redakteur Dietmar Kanthak.

Seit Nike Wagners Start als Chefin des Beethovenfestes 2014 hat die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) regelmäßig einen Berichterstatter entsandt, um das Lesepublikum der Zeitung mit Eindrücken vom Bonner Festival zu versorgen. Oft kam die erste Stimme der FAZ-Musikkritik, Eleonore Büning, persönlich. Es ist nicht übertrieben, festzustellen, dass zwischen Büning und Wagner kein Blatt Papier passte. Das Beethovenfest genoss in der FAZ einen guten Ruf.

Büning (67) ist mittlerweile im Ruhestand. Ihr Nachfolger Jan Brachmann (Jahrgang 1972) hat in diesem Jahr die Besuchstradition fortgesetzt und seine Bonner Erfahrungen am vergangenen Mittwoch unter der Überschrift „Zu Beethoven fällt ihr nicht viel ein“ zusammengefasst. Nach der Lektüre des Artikels lässt sich ohne Übertreibung sagen, dass zwischen Wagner und Brachmann, wenn es um Beethoven und dessen festivalprogrammatische Behandlung geht, ein ganz dickes Telefonbuch passt.

Brachmann setzte sich mit dem Thema des Festivals – „Mondschein“ – auseinander, das Wagner in ihrem Vortrag zur Eröffnungsmatinee ausführlich diskutiert hatte. Das musikwissenschaftliche Sparring zwischen dem Kritiker und der Festivalchefin warf in den Worten Brachmanns die elementare Frage auf „Kennt Nike Wagner den Unterschied zwischen Dur und Moll?“ und endete mit einem gemischten Lob für einen Beethoven-Zyklus der Akademie für Alte Musik Berlin: „Nike Wagner kommt all jenen entgegen, denen es bislang zu wenig Beethoven beim Beethovenfest gab. Man könnte auch sagen: Sie lässt sich zu Beethoven herab.“

Es ist wohl klargeworden, dass Brachmann ein kritisches Verhältnis zum Beethovenfest unter Nike Wagner entwickelt hat. Es gibt andere, ebenso ernst zu nehmende Stimmen, die das ganz anders sehen. Wagner hat viele Fans. Allerdings bleibt zu konstatieren, dass die überregionale mediale Ausstrahlung des Festivals nachgelassen hat. Das geht einher, wie jetzt in der FAZ, mit berechtigten Hinweisen auf eine geringe Auslastung (70 Prozent) und einen schwachen Eigenerwirtschaftungsanteil (unter 17 Prozent). Auch die emotionale Botschaft Wagners an Teile des Bonner Konzertpublikums („gern altmodisch, romantisch, kuschelig schön“) hat dem Ansehen ihres Beethovenfestes geschadet.

Bonn als Beethovenstadt hat derzeit keinen guten Lauf. Viele Medien im Land haben einen Bericht der Nachrichtenagentur dpa übernommen, in dem Ulrike Hofsähs unter der Überschrift „Bonn feiert ohne Beethovenhalle“ einen Ausblick auf den 250. Geburtstag des Komponisten 2020 gab. Die Autorin breitete das ganze Desaster der Beethovenhallensanierung aus. Von einem Bonner Festspielhaus konnte sie ja nicht berichten.

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