Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür": Neues Schauspiel Köln zeigt Nachkriegsdrama

Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür" : Neues Schauspiel Köln zeigt Nachkriegsdrama

"Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert ist das wohl bekannteste Drama der Nachkriegsliteratur. Das Stück handelt von dem deutschen Kriegsheimkehrer Beckmann, dem es nach dreijähriger Kriegsgefangenschaft nicht gelingt, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

Da steht er: Beckmann (Janosch Roloff), soeben aus dem Krieg in seine Heimatstadt Hamburg heimgekehrt. Humpelnd und im Innern, ausgebrannt, wie zerschlagen. Nach Jahren an der Front hat der in Nazideutschland aufgewachsene 25-jährige nun nichts mehr, woran er sich noch halten könnte. Allein, ignoriert und verzweifelt steht er sozusagen "Draußen vor der Tür."

So heißt das 1947 erschienene und bis heute wohl bekannteste Drama der Nachkriegsliteratur, das am 21. November 1947 – einen Tag nach Borcherts Tod – in den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt wurde. Jetzt ist es als Inszenierung des Neuen Schauspiels Köln im Tunnel unter der Erpeler Ley zu sehen.

Dass "Draußen vor der Tür" zur Pflichtlektüre für Generationen von Schülern wurde hat Borchert nicht mehr erlebt. Dass seine damit drängenden Fragen nach dem Warum von Krieg, Hass, Leid und Tod bis heute unbeantwortet geblieben sind, ebenfalls nicht.

Und obwohl oder gerade weil das Empfinden seines heimatlos gewordenen Heimkehrers heute – fast 75 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs – für die meisten nur noch schwer vorstellbar sein dürfte, führt Beckmanns Geschichte die innere Not und Verlorenheit in eindringlicher Weise vor Augen. Dabei setzt Regisseur Stefan Krause, der das Publikum im Tunnel in den vergangenen Jahren schon mit dem "Jedermann" (2016) und den "Gefährliche Liebschaften" (2017) überzeugt hat, eher auf Symbolik als auf den Fingerzeig. Sein Credo: "Raus dem Trauma, rein in die Situation." Also Konfrontation anstelle von Klagen.

So möchten Krause und sein Team bewusst einen heutigen Akkord anstimmen und vertrauen dabei ganz auf die Kraft, die Borchert der Metaphern und Symbolen gegeben hat. Und das natürlich von einem ausdruckstarken Hauptdarsteller lebt.

Janosch Roloff beispielsweise ist selbst Regisseur und hat als Schauspieler bereits zahlreiche Auszeichnungen Kölner Theaterpreis, dem Kurt-Hackenberg-Preis für politisches Theater, gewonnen. An seiner beziehungsweise Beckmanns Seite spielen Frank Baumstark, Jutta Dolle, Yannick Hehlgans, Leonie Houber, Richard Hucke, Mike Reichenbach. Die Kostüme sind zeitlos, minimalistisch. Passend zur abstrakten Bühne: Wie in einem kubischen Trümmerfeld zeichnen sich die Kaimauern des Flusses ab. Leere Türrahmen bilden die Silhouetten, in deren Schatten jeglicher Zugang versperrt bleibt. Nur eine einzige Öffnung verspricht Hilfe und Rettung. Aber zu weit entfernt wirkt das Licht nachdem der Mensch sich streckt, das Ziel, das Zuhause scheint unerreichbar.

Mit der Figur des Beckmann hat Borchert versucht, seine Erlebnisse an der Ostfront, die Rückkehr in eine zerstörte und fremd gewordene Heimat sowie die eigenen Schuldgefühle zu verarbeiten. Von der Kriegsgefangenschaft und dem sinnlosen Töten im Krieg geprägt, gelingt es nicht, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern, die an seiner Suche nach Wahrheit, Moral und Verantwortung nicht interessiert ist, sondern ihr Heil im Verdrängen und Vergessen sucht, den Blick auf das Alltägliche und den Konsum gerichtet.

Und so bleibt Beckmann am Ende des Dramas, was er schon zu Beginn war: "Draußen vor der Tür."

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