"Otto Piene – Alchemist und Himmelsstürmer": Neue Ausstellung im Arp Museum in Rolandseck

"Otto Piene – Alchemist und Himmelsstürmer" : Neue Ausstellung im Arp Museum in Rolandseck

Das Arp Museum Rolandseck zeigt die Schau „Otto Piene – Alchemist und Himmelsstürmer“. Die Schau beleuchtet breit das Phänomen der Feuerbilder, in denen Piene bis an die Grenzen des Materials ging

Feuer, Wasser, Erde, Luft und Licht als neue Werkstoffe und Gestaltungsmittel der Kunst – statt der virtuos gesetzten Pinselspur einer genialischen Künstlerpersönlichkeit. Was die Düsseldorfer Künstlerbewegung Zero 1958 bei ihrer Gründung propagierte, war glatter Vatermord an den Heroen der Avantgarde. Eine neue Zeit, alles auf Anfang, alles auf Zero, auf den Nullpunkt zurückgesetzt. Und der Radikalste war dabei Zero-Mitbegründer Otto Piene (1928-2014). Wie er mit einfachsten Mitteln, einer Drahtschlinge, Ton aus einer Platte schnitt, wie er Gemaltes oder die reine Leinwand über dem Feuer wendete und röstete, wie er mit dem Handbohrer Kartons in Siebe verwandelte und Farbpaste aufs Bild durchdrückte – das alles zeichnet Piene als eher brachialen Handwerker aus.

Das war er zwar, aber eben auch ein großartiger Poet, einer, der auch mit Licht malen konnte, es an der Wand und auf dem Papier tanzen ließ, es in Gold verwandelte, der die Urgewalt des Feuers zu purer Poesie veredeln konnte. „Große Feuerblume“ nannte er eines seiner Feuerbilder, „Das Licht malt“ heißt eine mit Ruß überzogene Leinwand, die kleine weiße Sequenzen durchbrechen lässt. Ein Poet.

„Alchemist und Himmelsstürmer“ hat das Arp Museum Rolandseck seine Piene-Hommage überschrieben, ein schöner Titel, der sofort an das „Concetto Spaziale“ von Lucio Fontana, dem Hausgott der Zero-Künstler erinnert. Ihn haben sie verehrt, ihm wollten sie einst im Bahnhof Rolandseck ein Bankett ausrichten. Dazu kam es dann doch nicht, weil sich die Gruppe kurz zuvor 1966 mit einer großen Party und nach einer letzten Ausstellung im Bonner Kunstmuseum aufgelöst hatte . Die finale Aktion „Zero ist gut für dich“ (auch der Titel einer großartigen Ausstellung 2016/17 im LVR-Landesmuseum Bonn) mit Piene, Heinz Mack und Günther Uecker sowie vielen Gästen fand im Rolandsecker Künstlerbahnhof statt.

Jutta Mattern, Kuratorin der Piene-Schau, hat acht Werke von Fontana in den Parcours eingearbeitet, um die Geistesverwandtschaft zu Piene zu dokumentieren. In der Tat gibt es Parallelen – wie auch zu Sophie Taeuber-Arp, was in der Arp-Etage diskutiert wird.

Wie nach einem Vulkanausbruch

Ansonsten greift Mattern mehrheitlich (47 Piene-Werke von insgesamt 53) auf die nahezu unbekannte „More Sky Collection“ des Managers Edgar Quadt zurück, Herausgeber und Chef des 2014 eingestellten Wirtschaftsmagazins „Artinvestor“ und im Verwaltungsrat der More Sky AG im schweizerischen Zug. Einige wenige Arbeiten kommen aus dem Piene-Nachlass und von der Galerie Sprüth Magers. Die Düsseldorfer Zero-Foundation wird immerhin im Katalog berücksichtigt.

Die Schau beleuchtet breit das Phänomen der Feuerbilder, in denen Piene bis an die Grenzen des Materials ging, bisweilen darüber hinaus, wie aufgeplatzte Leinwände mit verkohlten Rändern zeigen. Die erhitzte Farbe rinnt über den Malgrund, sieht aus wie ein Magmastrom nach dem Vulkanausbruch. Woanders bringt Piene den aufgemalten Lack geradezu zum Kochen, umgibt den Brandherd mit halbkreisförmigen roten Sphären und nennt das Ganze „Die Geburt des Regenbogens“.

„Kleiner Urknall“ heißt eine sternförmige Keramikarbeit, die mit Titan überzogen und gebrannt wurde – und wie eine im Material erstarrte Explosion anmutet. In der Ausstellung kommt dem „Kleinen Urknall“ eine wichtige Rolle zu – als Vermittler zwischen einem toten Stern, „Ancient Star“, der „Rastersonne“ und dem „Rastermond“.

Licht spielt in der Kunst des Meisters eine wichtige Rolle: Im rekonstruierten „Lichtraum (Jena)“ von 2007 tanzen durch Lochmuster einsickernde Lichtpunkte an der Wand, gibt es helle Nebelschwaden und Blitze, ein Ballett von Effekten, das im dunklen Raum durch analoge, surrende und klackende Gerätschaften erzeugt wird.

Auch die Luft als Pienes Element kommt in der Ausstellung zum Zug: Spätestens am Eröffnungstag (17. März) soll sich die monumentale Luftplastik, ein sieben mal sieben Meter großes „Inflatable“, der diesige weiße, mit Luft und Helium gefüllte „Paris Star“, hinter dem Meierbau erheben. Bislang verhinderten die Tiefs um „Eberhard“ die gefahrlose Aufstellung des Piene-Sterns. Die nächsten neuneinhalb Monate wird dieser aufgeblasene und immer wieder in sich zusammenfallende Stern das neue Wahrzeichen des Arp Museums sein.

Arp Museum Bahnhof Rolandseck; bis 5. Januar 2020. Di-So 11-18 Uhr. Die Ausstellung wird am 17. März, 11 Uhr, eröffnet. Parallel zur Art Cologne soll ein Katalog erscheinen. Die Kuratorin Jutta Mattern führt am 19. Mai, 13 Uhr, durch die Ausstellung. Am 30. März gibt es um 11.30 Uhr die Dialogführung „Der entschleunigte Blick“ mit Nicole Birnfeld und Olaf Mextorf. Weitere Infos: www.arpmuseum.org