Zu Gast auf dem KunstRasen in Bonn: Nena im großen GA-Interview

Zu Gast auf dem KunstRasen in Bonn : Nena im großen GA-Interview

Nena feiert ihre Karriere mit einer Open-Air-Tournee 2019 und mit einer DVD ihrer größten Hits. Im Sommer gastiert die Sängerin auf dem KunstRasen in Bonn.

40 Jahre Bühne, vier Kinder, drei Enkelkinder, Weltstar. Nena feierte ihr Jubiläum 2918 mit einer Tournee vor rund 250 000 Fans und mit einer DVD, beide unter dem Titel „Nichts versäumt“. Die Tournee wird in diesem Jahr fortgesetzt. Olaf Neumann traf Nena in ihrer Wahlheimat Hamburg zum Interview.

GA: Nena, wie verlief Ihre „Nichts versäumt“-Tour bisher?

Nena: Es gab viele unvergesslich-schöne Momente. Die Tour hat uns 2018 drei Monate quer durchs Land getragen. Die Leute haben mit uns gefeiert, der Funke ist jeden Abend übergesprungen.

GA: Ihre Kinder stehen mit Ihnen auf der Bühne. Welchen Einfluss haben sie auf Ihre Musik?

Nena: Meine Zwillinge Sakias und Larissa sind schon seit Jahren fester Teil meiner Band. Seit drei Jahren ist mein jüngster Sohn Simeon dabei, er spielt Keyboards. Ich liebe es, sie dabei zu haben und freue mich über ihre Ideen.

GA: Was sind das für Ideen?

Nena: Sakias schlug zum Beispiel vor, dass ich einige der alten Songs im Original-Sound der 80er Jahre spielen soll. Also mit den Original-Keyboards und allem genau so wie damals auf Platte.

GA: Werden Sie das beibehalten?

Nena: Gefühlsmäßig ist die Tour noch nicht abgeschlossen. Dieses Jahr spielen wir Festivals und Open Airs. Kleine Änderungen kann es geben, aber die Show macht so viel Spaß, dass wir das noch ein bisschen weiterfeiern.

GA: Auf der DVD sind einige punkige Stücke zu hören, bei denen Sie in die Saiten greifen. Waren Sie einst ein Punk?

Nena: Ich hatte keine Ringe in der Nase, aber dieses neue Lebensgefühl und Künstler wie Blondie, Ramones, Iggy Pop und die Pretenders sprachen mich an. Dieser Sound hat mich aufgeweckt.

GA: Welches war Ihre erste Platte?

Nena: „Paranoid“ von Black Sabbath. Ein Erweckungserlebnis!

GA: Bei Ihrer ersten Session mit The Stripes sangen Sie Songs von den Ramones. Wie kam es dazu?

Nena: Der Gitarrist Reiner Kitzmann hatte mich eines Abends in meinem Lieblingsclub in Hagen angequatscht: „Hey, haste Lust mit mir 'ne Band zu gründen?“ Am nächsten Tag waren wir im Proberaum. Weil wir keine eigenen Songs hatten, habe ich „Sheena Is A Punk Rocker“ von den Ramones gesungen. The Stripes war meine erste Band. Bald hatten wir eigene Songs und tingelten durch die Gegend.

GA: Auch die Stones hatten Einfluss auf Ihre Musik. Mick Jaggers Bruder Chris unterstützt Sie gesanglich bei einigen Konzerten Ihrer Tour. Wie kommt das?

Nena: Es ist prickelnd, Chris im Vorprogramm zu haben! Er spielt mit seiner Band Blues, ich liebe das. Und herrlich war auch, als ich miterlebt habe, wie Chris mit seinem Bruder Mick telefoniert hat. Mick hat mir ausrichten lassen, ich solle auf der Bühne nicht so rumspringen, das sei in meinem Alter nicht gut für die Knie.

GA: Sind Sie Mick mal begegnet?

Nena: Ja, vor einem Konzert der Rolling Stones in Berlin. Mit Ron Wood habe ich mich über Zwillinge unterhalten, weil er auch welche hat. Keith Richards traf ich vor ein paar Jahren auf der Waldbühne Berlin wieder. Was für ein Herzensmensch!

GA: Sie sind seit 40 Jahren im Geschäft. Haben Sie irgendwann angefangen, Ihre Karriere Schritt für Schritt zu planen?

Nena: Ich habe nichts dafür getan, weil mir immer alles zufällt. So wie ich in einem Club angesprochen wurde, ob ich mit ihm eine Band gründen wolle. Das habe ich mir nie vorgenommen. Das Leben bietet manchmal zehn Möglichkeiten gleichzeitig an. Ich entscheide immer intuitiv, wo ich hingehe. Und es braucht eine gewisse Disziplin, um Dinge zu manifestieren.

GA: Sie haben bei „The Voice Kids“ aufgehört. Hatten Sie genug vom Fernsehen?

Nena: Ich habe fünf Jahre bei „The Voice“ mitgewirkt. Ich hatte dabei Spaß, aber jetzt ist es gut. Wir haben übrigens die Kinder aus beiden Staffeln von „The Voice“ für die DVD eingeladen. Beim letzten Song in Dortmund kamen alle 30 auf die Bühne.

GA: Sieht es bei Ihnen zu Hause aus wie in einem Popmuseum?

Nena: In den 80er Jahren habe ich das noch zelebriert, weil es mich stolz machte. Irgendwann habe ich alle Trophäen verpackt oder in der Familie verteilt. Nur die goldene Single aus Amerika steht noch bei uns auf dem Klavier. Ich bin kein Sammler, ich sammle die Erinnerungen im Herzen.

GA: Udo Lindenberg hat seine Biografie veröffentlicht. Haben Sie das Buch gelesen?

Nena: Noch nicht, es würde mich aber interessieren. Udo und ich waren Mitte der 80er ein Paar.

GA: Angeblich haben Sie sich manchmal einen Schleier übergezogen, wenn Sie mit Udo ins Hotel gingen. Er soll dann gesagt haben: „Das ist meine Cousine aus Saudi-Arabien.“ Stimmt's?

Nena: Ich bin mal unter einer alten Autodecke mit ihm ins Hotel gegangen. An der Rezeption stellte er mich als seine arme alte Tante aus der Sowjetunion vor. Es war so lustig mit Udo. Es ging etwa ein Jahr, und wir haben es komplett geheim gehalten.

GA: Wie ist Ihnen das gelungen?

Nena: Als die Boulevardpresse von uns mitbekommen hatte, waren wir längst wieder auseinander. Ich glaube, das mit uns war nicht für die Ewigkeit angelegt. Da trafen zwei wanderlustige Gesellen aufeinander. Wir haben ein Jahr lang tolle Geschichten miteinander erlebt.

GA: Danach hatte Udo keine coole Zeit mehr. Er trank zu viel und war fast vergessen. Warum sind Sie eigentlich nie abgestürzt?

Nena: Dafür ist mir mein Leben einfach zu heilig. Ich bin sehr bewusst und körperlich aufgewachsen; als Kind war ich immer in der Natur. Das hat mich sehr geprägt. In meinem Leben gab es keine Löcher zu füllen, ich habe immer den Anschluss an die nächste Lebensphase gekriegt.

GA: Wie funktioniert das?

Nena: Als es zum Beispiel mit der Nena-Band so richtig in den Keller ging, hatte ich bereits den Mann kennengelernt, mit dem ich meine ersten Kinder bekommen habe. Ich liebe das Gefühl, fit und beweglich zu sein.

GA: Wir leben in einer Zeit voller Krisen und Umbrüche. Was macht das mit Ihnen?

Nena: Es schlägt sich auf meine Stimmung nieder, mehr als noch vor ein paar Jahren. Und auch auf meine Lieder. Die Kriege, die in der Welt sowieso immer abgehen, kann ich nicht verhindern, aber ich kann den Menschen etwas von meiner Energie abgeben. Alles, was ich tue, hat einen Einfluss auf das gesamte Geschehen. Dieser Verantwortung müssen wir uns bewusst sein.

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