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Interview mit Holger Jan Schmidt: Musikalischer Ausbruch mit Dirty Deeds

Interview mit Holger Jan Schmidt : Musikalischer Ausbruch mit Dirty Deeds

Die Bonner Band Dirty Deeds ist eine der erfolgreichsten AC/DC-Coverbands. Ihre stets ausverkauften Weihnachtskonzerte in der Harmonie sind legendär. Am Montag trat sie in der Justizvollzugsanstalt in Köln-Ossendorf auf. Darüber berichtet der Bassist der Band, Holger Jan Schmidt.

War das Ihr erster Auftritt in einem Knast?
Holger Jan Schmidt: Für die Dirty Deeds '79 war das in der Tat die Premiere hinter Gittern. Unser Gitarrist Volker "Vangus" Voigt war allerdings bereits mit zwei anderen Bands in Ossendorf zu Gast.

Wie kam es zu dem Auftritt?
Schmidt: Das sogenannte "Kölner Freizeit Team" - von außen betrachtet ein etwas sarkastischer Name für das JVA-Orga-Team, wenn Sie mich fragen - hat sich letztes Jahr bei uns gemeldet. Man habe gehört, wir wären ganz gut, und ob wir uns wohl vorstellen könnten, mal im Knast zu spielen. Wir haben dann eine DVD an das Team geschickt, einen Termin gemacht, 'ne fette Sound-Anlage gemietet und sind los, um da mal die Wände wackeln zu lassen.

Wie war es für Sie, durch die vielen Sicherheitskontrollen und -schleusen zu gehen?
Schmidt: Die Atmosphäre ist schon sehr speziell. Die Mehrzahl von uns war zum ersten Mal in einer solchen Einrichtung, und wenn man hohe Mauern mit Stacheldraht sieht, durch Unmengen von Schleusen und verschlossenen Türen geht, weht einen schon so etwas an. Das ist ziemlich respekteinflößend. Wir sind mit unserem Equipment durch endlose Gänge und haben bestimmt ein Dutzend Sicherheitstüren passiert. Das Gefühl zu wissen, dass man für etwas Gutes dort ist und sicher wieder rauskommen wird, macht es aber durchaus erträglich für mich.

Hatte diese Gefängnisatmosphäre Wirkung auf Ihr Spiel?
Schmidt: Das würde ich nicht unbedingt sagen. Grundsätzlich war die Stimmung aber speziell, weil wir a) sonst nicht vor sitzendem Publikum spielen und b) für gewöhnlich sowohl Männlein wie Weiblein zu den Konzerten kommen. Jetzt waren es ausschließlich Frauen. Aber sicher waren wir am Anfang etwas zurückhaltend, was sich aber schnell gegeben hat.

Ist das Publikum dort anders mitgegangen als bei den üblichen Konzerten?
Schmidt: Nun, es waren Menschen in einem ganz anderen Lebensumfeld und viele verschiedene Altersklassen. Zudem ist ja nicht jeder auch AC/DC-Fan. Da kommen ja auch welche, die sich das ansehen, weil es einfach eine Abwechslung zum Gefängnisalltag ist. Aber glücklicherweise haben wir ja Nummern wie "Highway To Hell", "Thunderstruck", "TNT", "You Shook Me All Night Long" oder "Jailbreak" im Programm. Damit bekommt man auch ältere Semester mit Langzeitstrafe aus dem Sitz und zum Mitsingen. Am Ende war es wirklich großartig, und es tut gut, in glückliche und dankbare Gesichter zu schauen. Sie hatten Spaß und wir erst recht.

Sind die bei "Jailbreak", was ja "Ausbruch" bedeutet, nicht total abgegangen?
Schmidt: Wir haben vorher bei der Leitung angefragt, ob wir das überhaupt spielen können. Wie gesagt: Wir hatten ja durchaus Respekt vor der ungewohnten Situation. Man sagte aber zu uns, wir sollen einfach alles machen wie sonst, und schließlich wäre das der "Kölner Knast", da könne man schon ein wenig Spaß vertragen.

Und dann kam also "Jailbreak"...
Schmidt: Ja, als vierte Nummer mit einer persönlichen, augenzwinkernden Ansage und danach "TNT" - und da war die Sache spätestens durch. Insgesamt haben wir anderthalb Stunden gespielt, und die Mädels haben gute Ausdauer bewiesen.