KammerMusikKöln im Gemeindesaal: Mozart und Beethoven lassen grüßen

KammerMusikKöln im Gemeindesaal : Mozart und Beethoven lassen grüßen

Angeregt durch Diskussionen um den klammen Haushalt der Stadt Bonn taucht eine Idee wie ein Untoter immer wieder auf: Musikfreunde mögen ihr Bedürfnis, zum Teil wenigstens, im benachbarten Köln befriedigen. Muss aber nicht sein.

Man muss jetzt festhalten: Das ist gar nicht nötig, denn Kölner Musiker kommen nach Bonn. Zumindest den Historischen Gemeindesaal der Evangelischen Erlöserkirche in Bad Godesberg haben sie bereits erfolgreich geentert.

Hier hat sich die Konzertreihe von "KammerMusikKöln", kurz KMK, fest etabliert. Auch der WDR hat jetzt Gefallen an dem schmucken Ort gefunden und dort das Eröffnungskonzert der neuen Saison mitgeschnitten.

Die steht unter dem Motto "Turning points". Vorgestellt werden vom KMK-Ensemble, das sich überwiegend aus Musikern des Gürzenich-Orchesters und des WDR-Sinfonieorchesters zusammensetzt, unter anderem Werke, die einen großen Einfluss auf den Gang der Musikgeschichte hatten wie etwa Mozarts Quintett KV 452 oder Schönbergs Streichsextett "Verklärte Nacht".

Das Motto lässt sich aber auch dahingehend lesen, dass Komponisten zu Wort kommen, die Zeugen einer Wendezeit waren. Im Eröffnungskonzert wurden die Zuhörer an die Schwelle zwischen Klassik und Romantik versetzt. Mit dem Nonett etwa, das George Onslow 1829 im Spätstadium seines Schaffens schrieb.

Ein fabelhaft lebendiges Stück, das von dem ausführenden Ensemble mit stupender Lust und aller gebotenen Leidenschaft gespielt wurde.

Die ungemein ideenreiche Musik spielt sich unter weitgehend heiterem Himmel ab, wobei der Spaziergang, um im Bild zu bleiben, nicht gänzlich neue Horizonte eröffnet. Mozart und Beethoven grüßen von ferne als Vorbilder. Aber wie Onslow alle Instrumente mit interessanten Einfällen zu beschäftigen weiß, muss ihm erst mal einer nachmachen. Ein Plädoyer also für das reiche Schaffen eines Mannes, der in Paris als der "Beethoven Frankreichs" gefeiert wurde.

Über ausreichend Ruhm zu Lebzeiten brauchte sich Louis Spohr nicht beklagen. Der gefeierte Geiger und Dirigent schrieb für die gleiche Besetzung schon 1813 ein Nonett. Auch dieses ist äußerst geistreich komponiert, wobei Spohr seine Fantasie dahingehend einsetzt, aus wenig Material unglaublich viel herauszuholen.

Die Freude der von WDR-Geiger José Maria Blumenschein angeführten Musiker, diese Musik auf den Pulten zu haben, war förmlich zu spüren, wenn man auch hier und da ein wenig zu kraftvoll an die Sache heranging.

Der launige Finalsatz schien eine verkappte Bühnenmusik zu sein, so plastisch und turbulent geht Spohr hier mit seinen Motiven um. Drittes Stück im Programm: Beethovens unvollendetes Quintett H.19 (an diesem Abend mit Verstärkung durch Kontrabass). Hier meisterten die Musiker das Kunststück, eine akustische Dominanz der drei Hörner zu verhindern.

Nächstes Konzert am Montag, 5. November. Highlights der vergangenen Spielzeiten gibt es auf youtube.kammermusikkoeln.de.

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