Mit dem Drachen zum Saum des Himmels

Mit dem Drachen zum Saum des Himmels

Bonns Junges Theater steigert seine Zuschauerzahlen um 48 Prozent - Auch in der nächsten Spielzeit sollen spektakuläre Uraufführungen und bekannte Titel den Erfolg sichern

Bonn. Die ökonomischen Turbulenzen der Ende 2003 drohenden Insolvenz des Jungen Theaters Bonn (JTB) sind deutlichen Optimismus gewichen. Beim Pressegespräch zum Spielplan der kommenden Saison konnte Intendant Moritz Seibert auch mitteilen, dass die Sanierungsziele des Insolvenzplanes schon weitaus früher erreicht worden sind als vorgesehen - vor allem natürlich wegen der 2004 gegenüber dem Vorjahr um fast 48 Prozent gestiegenen Zuschauerzahlen.

"Das Dschungelbuch" und "Der Herr der Diebe" von Cornelia Funke sind bisher beinahe immer restlos ausverkauft; bei "Monsieur Ibrahim" zeichnet sich ein ähnlicher Erfolg ab. Auch die Zahl der auswärtigen Gastspiele ist massiv gewachsen und übertrifft jetzt schon die Rekorde früherer Jahre.

Das liegt nicht zuletzt an den spektakulären Uraufführungen und den bekannten Titeln, aber auch an der Qualität der Inszenierungen, die längst auch über die Grenzen Bonns hinaus Anerkennung finden. Auf dieser programmatischen Schiene soll es 2005/06 mit mindestens vier großen neuen Produktionen - zwei für Kinder, zwei für Jugendliche - auch weitergehen. Am 2. September eröffnet das JTB die neue Spielzeit wieder mit einem Werk von Cornelia Funke.

Für ihren Roman "Drachenreiter" - seit dem Erscheinen der amerikanischen Übersetzung 2004 immer noch auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times - hat das Junge Theater die Uraufführungsrechte bekommen, diesmal sogar für eine eigene Fassung, an der Moritz Seibert und der Regisseur Marco Dott mit Hochdruck arbeiten.

Die Geschichte vom Waisenjungen Ben, der sich mit dem silbernen Drachen Lung und dem Koboldmädchen Schwefelfell auf eine lange Reise macht zum geheimnisvollen "Saum des Himmels", dem einzigen Ort, wo die bedrohten Drachen noch überleben können, wird in einem vielschichtigen Zusammenspiel von Puppen, Figuren und menschlichen Darstellern auf die Bühne gebracht. Die Kinderrollen werden nach bewährtem Muster wieder mit Kindern und Jugendlichen besetzt.

Für Zuschauer ab zwölf Jahren gibt es im Mai 2006 noch eine weitere Uraufführung: "Der mechanische Prinz" nach dem erfolgreichen Jugendroman des Berliner Autors Andreas Steinhöfel.

Auch dies ist eine phantastische Geschichte: Max bekommt eines Tages ein unglaubliches Geschenk, ein goldenes U-Bahn-Ticket, mit dem er überall hinfahren und vor allem überall aussteigen kann. Er findet in der Unterwelt Stationen, an die nur wenige gelangen: "Refugien", an denen seltsame Gefahren lauern, aber auch spannende Aufgaben. Das Ganze folgt ein wenig den Mustern von Computerspielen.

Die Verbindung von Märchenhaftem und Phantastischem mit Gegenwartsthemen - nicht als "Problemstücke", sondern als gute, begeisternde Geschichten - scheint ein Erfolgsrezept zu sein, mit dem man dem Medienkonsum des jungen Publikums etwas entgegensetzen kann. Wie diese beiden Stücke für Jugendliche handelt auch die erste neue Kinderproduktion vom Reisen und vom Erwachsenwerden.

Zum 200. Geburtstag von Hans Christian Andersen wird Marco Dott "Die Schneekönigin" neu für die Bühne bearbeiten. Premiere ist am 30. Oktober. Im März wird dann der 60. Geburtstag von "Pippi Langstrumpf" gefeiert. Astrid Lindgrens Kinderklassiker erschien 1945 zum ersten Mal als Buch, und mit Pippis Abenteuern sind seitdem Generationen aufgewachsen.

In der nächsten Saison wieder aufgenommen werden "Der Herr der Diebe", "Monsieur Ibrahim" und Michael Endes "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch", der am 17. April als letzte Premiere dieser Spielzeit herauskommt. Für ein weiteres Projekt - voraussichtlich noch ein Romanklassiker - versucht man gerade die Aufführungsrechte zu klären. Geklärt ist jetzt schon, dass die Zusammenarbeit mit dem Bonner Kommunikationsriesen T-Mobile fortgesetzt wird.

Informationen im Internet: www.jt-bonn.de