Liebe in Zeiten des Krieges: "Miss Saigon" kommt 2019 nach Köln

Liebe in Zeiten des Krieges : "Miss Saigon" kommt 2019 nach Köln

Das wegweisende Musical, das die tragische Liebesgeschichte eines vietnamesischen Mädchens und eines amerikanische GIs erzählt, gastiert vom 22. Januar bis 3. März im Musical Dome.

Dass es sich bei dem Mann, der gerade dort durch die Tür des Restaurants Theater 11 in Zürich kommt, um einen milliardenschweren Musicalproduzenten aus London handelt – um den mächtigsten Kopf des Business, der unter anderem für Erfolge wie „Les Misérables“ und „The Phantom of the Opera“ verantwortlich zeichnet – , das sollte man im Fall von Sir Cameron Mackintosh schon dazu sagen. So erfrischend unprätentiös wirkt er und tut, was man eben von einem Gentleman erwartet: klassisches Understatement betreiben, mit einem feinen Lächeln, mit Blinzeln und Zwinkern: „Nein“, sagt er, „ich glaube nicht, dass ich 'Miss Saigon' in diesem Leben noch ein weiteres Mal produzieren werde.“

Was erstens als dezent-selbstironische Anspielung auf sein Alter verstanden werden will – Mackintosh ist jetzt 72 – und zweitens auch gar nicht nötig sein wird. Denn die neue englischsprachige Originalversion des Musicals von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg, die vom 22. Januar bis 3. März im Kölner Musical Dome gastiert, ist sensationell, schlichtweg nicht zu überbieten. Am Puls der Zeit und zeitlos zugleich. Zudem ein illustres Beispiel dafür, dass die besten Liebesgeschichten – die, die einem im Gedächtnis bleiben und einen immer wieder zum Nachdenken bewegen – in aller Regel nicht gut ausgehen.

Die Geschichte von Kim (Sooha Kim) und des GI Chris (Ashley Gilmour) aus den letzten Tagen des Vietnamkriegs macht da keine Ausnahme. Die beiden lernen sich in einem Nachtclub kennen, und es ist Liebe auf den ersten Blick. Er will sie mit nach Hause in die Staaten nehmen, und es scheint schon so, als erfülle sich für Kim, wovon alle Mädchen in der Bar träumen. Doch in den Wirren des amerikanischen Truppenrückzugs wird das Paar getrennt und verliert jeglichen Kontakt. Kim bleibt in Asien zurück und bringt den gemeinsamen Sohn Tam zur Welt – Chris findet bei sich daheim ein neues Glück. Bis sich ihre Wege drei Jahre später in Bangkok erneut kreuzen. Und ohne an dieser Stelle das Ende vorwegnehmen zu wollen: Wer Kim und Chris im Laufe dieser turbulenten zwei Stunden ins Herz schließen wird, dem könnte dasselbe schwer werden.

Dem Produzenten allerdings hat „Miss Saigon“ Glück gebracht – zählt es doch zu den erfolgreichsten Musicals überhaupt und definierte in den 1990er Jahren auch hierzulande das gesamte Genre neu. Seit der Londoner Uraufführung am 20. September 1989 und der Broadwaypremiere im April 1991 wurde das Musical in mehr als 369 Städten in 32 Ländern gezeigt, zog rund 36 Millionen Zuschauer in seinen Bann. Miss Saigon wurde in 15 Sprachen aufgeführt und hat 70 Auszeichnungen gewonnen – darunter zwei Oliviers und drei Tony Awards.

25 Jahre nach der Londoner Premiere hat Mackintosh 2014 nachgelegt und präsentiert eine Show, die in den von Liebe, Hoffnung und Zukunftsplänen erfüllten Momenten ebenso berührt, wie sie in den spektakulären großen Szenen – „The Morning of the Dragon“ und „The American Dream“ – zu beeindrucken versteht. Und ob es nun die düsteren Aufmärsche aus Orwells 1984 oder die Bühneneffekte aus The Wall von Pink Floyd seien: Man assoziiere frei, was einem ein- und gefällt. Cameron Mackintosh jedenfalls hat damit kein Problem, wie sich im Gespräch offenbart.

Dramatischer Höhepunkt dürfte der Abflug des letzten Hubschraubers vom Dach der amerikanischen Botschaft sein, während unten verzweifelte Menschen über den Zaun zu gelangen versuchen. Wem dazu keine Parallelen zu Kriegsgebieten und Flüchtlingsdramen dieser Tage in den Sinn kommen, der müsste in einer Parallelwelt leben. In der realen schafft sogar die Liebe nicht alles. Doch schön ist und bleibt sie – auch in Saigon.

Miss Saigon: 22. Januar bis 3. März im Kölner Musical Dome, Karten gibt es in den Bonnticket-Shops des General-Anzeigers sowie im Internet auf www.ga-bonn.de/tickets

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