Michael Endes "Momo" im Telekom Forum Bonn

Michael Endes "Momo" im Telekom Forum Bonn

Die Momo der Jana Gerschlauer ist wie eine zarte Pflanze. Sie blüht auf, als die Menschen sich ihr zuwenden, dem allein in den Ruinen eines Amphitheaters lebenden Mädchen helfen wollen, lachen und feiern.

Bonn. Die Momo der Jana Gerschlauer ist wie eine zarte Pflanze. Sie blüht auf, als die Menschen sich ihr zuwenden, dem allein in den Ruinen eines Amphitheaters lebenden Mädchen helfen wollen, lachen und feiern. Spaghetti sind das Gericht der Nächstenliebe.

Als jedoch die geheimnisvollen grauen Männer auftauchen, die mit ihrem Zigarrenrauch die Sicht vernebeln, in deren Gegenwart es plötzlich kalt wird und die mit ihrem manipulativen Geschick die Leute verwandeln - da droht Momo zu verkümmern.

Jana Gerschlauer, die mit nachsichtiger Skepsis und heiterer Melancholie das Treiben auf der Bühne betrachtet, gibt als Michael Endes Momo aber niemals auf. Sie macht dem Spuk der grauen Männer ein Ende, mit freundlicher Unterstützung der weitsichtigen Puppen-Schildkröte Kassiopeia, die von der in mehreren Rollen auftretenden Linda-Moran Braun bewegt wird, und von Meister Hora (Peter Devo Neumann).

Er weist Momo den Weg zur Siegerstraße. Jana Gerschlauer teilt sich die Rolle der Momo mit Justine Anthony. Die ersten beiden Abende von Andreas Lachnits Inszenierung fanden im Telekom Forum Bonn (ehemals T-Mobile-Forum) statt, ab Mittwoch ist die von Moritz Seibert bearbeitete Roman-Adaption im Jungen Theater Bonn zu sehen.

Tickets Die nächsten Aufführungen: 14., 15., 17., 24., 29. und 30. April. Karten: unter anderem in den GA-ZweigstellenMomo ist auf Laurentiu Tuturugas schön variabler Amphitheater-Reste-Bühne ein Friedensstifter; sie hat das Barack-Obama-Gen. In ihrer Gegenwart sind "alle so wie ausgewechselt", heißt es einmal. Streithälse wie Nino (Robert Agnello) und Nicola (Moritz Simons) liegen sich alsbald in den Armen.

Vorher war Action, einschließlich Ringkampf, auf der Bühne, der Regisseur bietet viel fürs Auge. Wie die Schauspieler mit Besen und Seil eine stürmische Bootsfahrt simulieren, ist einfach wundervoll - choreografierte Magie.

Fantasie, Illusion und Spiel sind Themen des Momo-Theaters, und die Fantasie lassen Regie und Ensemble in bewegten bunten Bildern, aber auch in poetischer Zeitlupe und ernster Reflexion erblühen: Theater zum Mitfiebern und zum Mitdenken.

Michael Endes "Momo" ist Märchen und Gleichnis zugleich. Die reptilienhaft zischelnden grauen Männer von der "Zeitsparkasse", die das Leben in Zahlen zerlegen und als Ergebnis einer Kosten-Nutzen-Rechnung betrachten, treiben die Menschen in die Isolation und ins Hamsterrad leerer Rituale und zerstörerischer Hektik.

Agent XYQ / 384 / b (René Wedeward) ist ein cooler Verführer, das muss man ihm lassen. In erschreckender Reinkultur führt Caroline von Bemberg als Bibi-Girl vor, was die grauen Männer von uns erwarten.

Bibi-Girl ist die perfekte Puppe, sie trägt die Fratze des ungezügelten Materialismus und lebt nach der konsumterroristischen Maxime: Mehr, mehr, mehr. Mehr nicht, sagen da Momo und Kassiopeia und finden einen Ausweg aus Michael Endes verwirrend komplexer Konstruktion. Es gelingt ihnen, die geraubte Zeit zu befreien, alles wird gut.

Andreas Lachnit, der Hausregisseur des Jungen Theaters, hat mit seinem großen Ensemble, dem die Stammkräfte Jan Herrmann (Beppo), Julian Tejeda (Gigi), Andrea Brunetti (Liliana) und Lachnit selbst (Fusi) angehören, wieder einmal hervorragende Arbeit geleistet.

Spaß, Spannung und Poesie, literarischen Anspruch und theatralische Wirkung vereinigt die rund zweistündige Aufführung auf imponierende Weise. Lachnit und seine Leute, will es scheinen, werden von Stück zu Stück kühner und experimentierfreudiger. Sie trauen sich was.

Und finden junge Mitspieler, mit denen die anspruchsvollen Sachen auch gelingen. Ihre Namen sollte man nicht vergessen: Vincent Schön und Valentin Rocke, die sich die Rolle des Paolo teilen; Mira Dedes und Irini Dedes (Maria); Leopold Klieeisen und Julius Nebling (Franco); Jacob Warsinski und Bendikt Geilenkeuser (Massimo).

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