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Pallottikirche in Rheinbach: Merler Kantorei Meckenheim führte das Weihnachtsoratorium auf

Pallottikirche in Rheinbach : Merler Kantorei Meckenheim führte das Weihnachtsoratorium auf

Was wäre die Advents- und Weihnachtszeit ohne das so beliebte Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach? Es stimmt mit seinen frohlockenden Chören, jubilierenden Holzbläsern, triumphierenden Trompeten und verkündigenden Pauken die Hörer freudig auf die Geburt Christi ein.

Kantor Martin Kahle hat sich in diesem Jahr mit seiner Merler Kantorei Meckenheim, jungen Solisten und Mitgliedern des Bonner Akademischen Orchesters den ersten drei Sätzen dieses populärsten aller kirchenmusikalischen Werke angenommen. Die voll besetzte Pallottikirche in Rheinbach bot den Mitwirkenden dazu am Samstagabend den passenden akustischen Rahmen.

"Oratorium, welches die heilige Weyhnacht über in den beyden Hauptkirchen zu Leipzig musiciret wurde." So lautet der Titel des originalen Textbuches von 1734. Verteilt über 13 Tage, vom 25. Dezember bis zum 6. Januar, fand die Uraufführung in den sechs Gottesdiensten, die zur damaligen Zeit selbstverständlich alle besucht wurden, statt. Die Teile I, II, IV und VI wurden zweimal an einem Tag aufgeführt, abwechselnd in den Hauptkirchen Sankt Thomas und Sankt Nikolei, die Teile III und V nur in Sankt Nikolei. Spätere Aufführungen zu Johann Sebastian Bachs Lebzeiten sind nicht dokumentiert, aber nicht unwahrscheinlich.

Das Weihnachtsoratorium ist vor allem durch seine feierlichen Eingangschöre populär geworden, die neben den Arien musikalische Höhepunkte im Werk darstellen. Mit reicher instrumentaler Besetzung und vierstimmigem Chor verleihen sie der Freude über die Geburt Christi Ausdruck. Mit viel Engagement erhob die Kantorei unter der dynamischen Leitung ihres Dirigenten zum jubilierenden Auftakt ihre Stimmen und "dienten dem Höchsten mit herrlichen Chöre".

Jeder kennt die Weihnachtsgeschichte aus dem neuen Testament nach Lukas und Matthäus. Als aber Tenor Thomas Klose sie an diesem Abend erzählte, wirkte sie wie neu geschrieben. Er bewährte sich wieder einmal auf das Beste als ausdrucksstarker Rezitator, der es hervorragend verstand, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen und große Spannung aufzubauen.

Atemlos lauschten sie aber auch seiner Hirtenarie, die er mit wunderbar beweglicher Stimme in feinem Zwiegespräch mit der Flöte hielt.

Musikalisch und theologisch bilden die Arien in allen sechs Teilen das Herzstück des Oratoriums. Der sehr hell gefärbten Altstimme von Damaris Unverzagt fehlte da, bei sonst makellosem Vortrag, etwas die Wärme. Andreas Petermeier, durch eine Erkältung hörbar gehandicapt, ließ sein Können vor allem in den Bassarien aufblitzen. Die kurzen Einwürfe der Sopranistin Elisabeth Menke wurden bei der Verkündigung zu einem kleinen Höhepunkt.

Den größten Anteil am Erfolg des Abends aber hatte der Chor. Stieß er bei den großangelegten Tuba-Chören zwar manchmal an seine Grenzen, so bewies er vor allem bei den ganz nahe am Text angelegten Interpretationen der Choräle seine Stärke. Hier zeichnete er sich trotz schwächer besetzter Männerstimmen durch homogenen Zusammenklang, klare Artikulation und saubere Intonation aus.

Mit den Mitgliedern des Akademischen Orchesters hatte Kahle wieder einmal einen Glücksgriff getan. Willig folgten sie seinen wechselnden Tempi und bewährten sich solistisch sowie im Gesamtklang als Impulse gebender, in reinem Wohlklang aufspielender Begleiter.